Provokation hat bei Lamborghini Tradition. Schon der 350 GT, mit dem vor 50 Jahren die Geschichte des Sportwagenherstellers begann, war eine Kampfansage an Enzo Ferrari. Und spätestens seit den Modellen Countach und Diablo setzen die Italiener mit brutalem Design und brachialen Fahrleistungen ganz unverblümt auf Angeberei.
Zum Auftakt des Genfer Salons wird diese Tradition nur weiter gepflegt. Firmenchef Stephan Winkelmann stellt dort den Veneno vor, einen Supersportwagen von beinahe grotesker Extremität. Extrem groß sind Leistung und Preis: 750 PS, 355 km/h Höchstgeschwindigkeit, 3.570.000 Euro teuer. Und extrem klein sind die Stückzahlen: Der Veneno soll in einer Kleinserie von nur drei Exemplaren gebaut werden.
Der rare Raser ist technisch vom aktuellen Top-Modell Aventador abgeleitet. Die weit aufgerissene, pfeilförmige Front, die wie bei einem Le-Mans-Rennwagen fast freistehenden Kotflügel, die Naca-Düse auf dem Dach, der thekengroße Spoiler über dem Motor und der beinahe perforierte Heckabschluss - all das diene dem maximalen Anpressdruck, dem geringsten Luftwiderstand und der besten Be- und Entlüftung von Bremsen und Motor, schwärmt Cheftechniker Maurizio Reggiani.
Wie gut sich der - nach altem Lamborghini-Brauch nach einem spanischen Kampfstier benannte - Veneno tatsächlich auf der Rennstrecke und der Autobahn schlägt, darüber verlor Reggiani noch nicht viele Worte. Dank des 6,5 Liter großen V12-Motors und der leichten Karbonkarosserie dürften die Fahrleistungen zum aufregenden Design passen. Viel mehr als 2,5 Sekunden bis Tempo 100 wird der Veneno jedenfalls nicht brauchen.
Kleine Umfrage bei der Basis
Mit dem Veneno macht Lamborghini sich und seinen Kunden nicht nur ein würdiges Geschenk zum 50. Geburtstag. Die VW-Tochter fährt damit zugleich der versammelten PS-Elite auf dem Genfer Salon in die Parade: Der McLaren P1 und selbst der neue Ferrari F150 wirken plötzlich brav, bieder und trotz ihrer Millionenpreise fast ein bisschen billig.
Die Entscheidung für den Bau des Extremisten fiel im kleinen Kreis, sagt Winkelmann: "Mit den ersten Skizzen sind wir auf eine Handvoll möglicher Käufer zugegangen und haben das Projekt gemeinsam diskutiert", erzählt der Presidente, "und als drei 'Ja' gesagt haben, war für uns die Entscheidung klar: Der Veneno wird gebaut."
Über das Kundentrio ist nicht viel bekannt - Geld wird bei den Käufern aber wohl allenfalls eine Nebenrolle spielen. Der Veneno ist nicht nur das mit Abstand teuerste Auto des Genfer Salons, sondern wahrscheinlich sogar der teuerste Neuwagen der Welt. Der Bugatti Veyron jedenfalls kostet nicht einmal halb so viel, und für die drei Millionen plus Steuern bekommt man mehr als 200 VW Golf - den Mengenrabatt nicht mit eingerechnet.
Volkswagen widerspricht sich selbst
Offensichtlich dient der Veneno in erster Linie dazu, die Geltungssucht von ein paar reichen Rasern zu befriedigen. Ansonsten ist das Auto hoffnungslos überflüssig.
In seiner Verschwendungssucht konterkariert es zudem ein anderes Fahrzeugkonzept, mit dem der Volkswagen-Konzern in Genf für Furore sorgen will. Der Lamborghini stiehlt nämlich nicht nur seinen Supersportwagen-Konkurrenten die Show, sondern auch dem VW XL1 - jenem Sparmobil, das mit einem Liter Sprit auf 100 Kilometer auskommen soll. Irgendwie ist es da beruhigend, dass sich die Stückzahlen des Klimakillers an einer Hand abzählen lassen.
Gleichzeitig hat so ein Wagen auch eine gewisse Faszination - und ist vor allem ein solider Wirtschaftsfaktor. Denn allein mit der Mehrwertsteuer von 570.000 Euro könnte das Jahresgehalt eines ganzen Grundschullehrerkollegiums bezahlt werden. Dieser Lamborghini ist also ein Traumwagen für jeden Finanzminister.
Wolfgang Schäuble und seine Kollegen kommen allerdings nicht in den Genuss des Venono-Geldsegens, verrät man bei Lamborghini - alle drei Exemplare wurden außerhalb Europas verkauft.
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