Weltpremiere Land Rover Vision Discovery Was fürs Auge

Statt eines knorrigen SUV zeigt Land Rover auf der Automesse in New York eine Art Hightech-Labor mit Allradantrieb. Bei der Studie Vision Discovery wird die Motorhaube auf Knopfdruck durchsichtig, steuern lässt sich das Modell per Fernbedienung.

Aus New York berichtet

Land Rover

Ein Flugzeugträger als Präsentationspodest, Raumschiffe als Bühnendekoration - und das alles für die Vorstellung eines Geländewagens. Die Show, mit der Land Rover die Enthüllung der Designstudie Vision Discovery im Hafen von New York feierte, lässt sich durchaus als unbescheiden bezeichnen. Man könnte auch sagen: unnötig.

Denn verglichen mit vielen anderen Studien ist das Auto an sich schon spektakulär genug. Der aktuelle Land Rover Discovery hat schon 25 Jahre auf dem Buckel, weshalb der Nachfolger allein optisch wie von einem anderen Stern wirkt. Vor allem aber steckt in der Studie derart viel Hightech-Elektronik, dass sie wie geschaffen für einen James-Bond-Film ist.

Die durchsichtige Motorhaube

Die verblüffendste Neuheit ist dabei die durchsichtige Motorhaube. Der Fahrer kann wie mit Röntgenaugen durch den Fahrzeugbug auf die Straße blicken. Diese sogenannte Augmented-Reality-Technik funktioniert durch die Kombination mehrerer Digitalkameras mit einem Head-up-Display. Die Video-Bilder werden über das reale Bild projiziert, und man erhält tatsächlich den Eindruck, als sei die Haube transparent. "Das hilft in vielen Situationen - ob in schwerstem Gelände oder auf dem engen Großstadtparkplatz," sagt Wolfgang Epple, der Forschungschef von Land Rover.

Für den optischen Trick setzen die Briten die sogenannte Smart-Glass-Technik ein, mit der Grafiken und Bilder auf verglaste Flächen projiziert werden. Während andere Head-up-Displays nur ein kleines Feld oberhalb des Lenkrads bespielen, nutzt Land Rover die volle Breite der Windschutzscheibe.

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Weltpremiere Land Rover Vision Discovery: Neue Sicht der Dinge
Selbst die Mitfahrer profitieren davon. Denn die Bildprojektion funktioniert auch auf den Seitenscheiben und dem Panoramadach. Während über den Köpfen ein Sonnenuntergang oder Sternenhimmel eingeblendet wird, flimmern - gesteuert von einem Augen-Sensor - auf Wunsch zahlreiche Zusatzinformationen über die Fensterflächen. "Wenn man am Empire State Building vorbeifährt, ließe sich in Zukunft die passende Information aus Wikipedia einblenden. Und ein Fondpassagier könnte dann mit einer Wischbewegung diese Info auf einen der Infotainment-Bildschirme in den Sitzlehnen oder auf ein Tablet oder Smartphone weiterleiten", beschreibt Epple eine denkbare Funktion.

Warnhinweis mit Laserlicht

Zweites Highlight der Studie sind die zahlreichen Laserbeamer. Wie bislang nur bei BMW und Audi werden die ultrahellen Strahlen vor allem in den Scheinwerfern eingesetzt und verdoppeln so die Leuchtkraft des Fernlichts. Außerdem scannen sie das Terrain vor dem Wagen, messen die Tiefe bevorstehender Wasserdurchfahrten, zeichnen dreidimensionale Karten auf den Bildschirm und übernehmen die elektronische Feinabstimmung des Antriebs.

Zudem können farbige Laserstrahlen auch bestimmte Punkte in der Umgebung markieren oder Botschaften bilden. Bei einer Vollbremsung etwa lassen sich Warnhinweise für den Hinterherfahrenden auf den Asphalt zaubern, bei schwierigen Geländepassagen könnten Peilpunkte als Rangierhilfen in die Landschaft gestrahlt werden.

Keine Türgriffe, aber eine Fernsteuerung

Derart mit Informationen gefüttert, wird auch das Terrain-Response-System, also die Fahrwerks- und Antriebsprogrammierung von Land Rover, schlauer. Die Technik stellt sich nicht nur auf unterschiedliche Untergründe ein, sondern kann das Auto, wie von einem Tempomaten geregelt, bei niedrigen Geschwindigkeiten auch automatisch steuern.

Dazu soll der Fahrer gar nicht mehr im Auto sitzen müssen. Er kann beim Rangieren des Vision Discovery, sei es im Parkhaus oder in der Wildnis, einfach aussteigen und den Wagen vom Smartphone aus fernsteuern.

An dieser Stelle sollte vielleicht wiederholt werden: Bei dem Auto handelt es sich um eine Studie. Deshalb hat der Discovery auch keine Türgriffe, und im Cockpit gibt es nur noch halb so viele Hebel und Schalter wie üblich - öffnen und bedienen lässt sich dieser Land Rover nämlich per Gestensteuerung. Der Blinker wird beispielsweise aktiviert, indem man mit der linken Hand hinterm Lenkrad nach oben oder unten wischt.

Bleibt die Frage, was von den faszinierenden Details später im Serienauto noch übrig bleibt. Forschungschef Epple: "Einige der Technologien haben großes Umsetzungspotential, andere sind vorerst noch Konzepte." Welche zur einen und welche zur anderen Gruppe gehören, will er noch nicht verraten. In etwa einem Jahr wird man es wissen: Dann kommt der neue Discovery auf die Straße.

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antitheist 15.04.2014
1. Und für die wahren LR Fans -
nach dem für 2015 vorgesehenem Verschwinden des Defender nun auch noch des Discovery. Für wahre Fans dieser Marke bleibt nur eines übrig: - indischer Dreck.
hopenhauer 15.04.2014
2. Knapp daneben...
Der aktuelle Discovery hat mitnichten 25 Jahre auf dem Buckel, sondern feiert dieses Jahr zehnjähriges.
torstenschäfer 15.04.2014
3. Was fürs Auge? Weia...
Der Wagen ist potthässlich. Ein grobschlächtiges fettes Ding, was man vielleicht als adipös veranlagter Amerikaner fahren möchte.
Hamberliner 15.04.2014
4. Suv
Weiterhin kein Versuch, den LR Defender wiederzubeleben. Stattdessen ein SUV. Darunter versteht man ein Fahrzeug für ältere Mitbürger, die in ihrem fortgeschrittenen Alter so klein zusammengeschrumpelt sind, dass auf den ersten Blick das Auto von alleine zu fahren scheint. Deshalb bedeutet SUV = surface unmanned vehicle.
Radio Cowboy 15.04.2014
5. Designer!
Als Single gehöre ich sicher nicht zur Zielgruppe für ein Auto, das 7 Menschen Platz bietet. Mich verstört nur dieses Design. Diese schlitz-förmigen Scheinwerfer hat doch auch der ebenfalls heute bei SPON vorgestellte Jeep "Cherokee". Fällt den Designern wirklich nichts mehr ein? Immer derselbe Käse?
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