Wirtschaft will schwerere Lkw Regierung warnt vor 44-Tonnern

Mehrere Industrieverbände fordern die generelle Zulassung von Lastwagen, die bis zu 44 Tonnen wiegen. Von der Regierung haben sie sich eine Abfuhr geholt.

Köhlbrandbrücke in Hamburg
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Köhlbrandbrücke in Hamburg


Die Bundesregierung lehnt mehr schwerere Lastwagen auf deutschen Straßen ab. Die generelle Zulassung von 44-Tonnern komme "wegen der unverhältnismäßig höheren Belastung der Straßeninfrastruktur" nicht in Betracht, teilte das Bundesverkehrsministerium mit.

Zuvor hatten 13 Verbände - darunter die Wirtschaftsvereinigung Stahl, der Verband der Chemischen Industrie und der Mineralölwirtschaftsverband - verlangt, Lkw stets schwerer beladen zu dürfen. Bisher dürfen Lastwagen inklusive Ladung nur dann bis zu 44 Tonnen wiegen, wenn ihre Güter einen Teil des Weges auf der Schiene oder dem Wasser zurücklegen. Für reine Straßentransporte gilt die Höchstgrenze von 40 Tonnen. Das soll Spediteure ermuntern, häufiger Güter auf die umweltfreundlicheren Verkehrsmittel Eisenbahn und Binnenschiff zu verladen.

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Die Verbände sehen das anders: Es müssten insgesamt weniger Gespanne losgeschickt werden, wenn diese schwerer beladen werden dürften. So ließen sich mehrere Millionen Lkw-Fahrten jährlich einsparen. Dadurch würden Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß sinken. "Der Verkehrssektor würde damit einen signifikanten Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten."

Viele Firmen beklagen seit langem, dass zu wenig Frachtraum am Markt sei, um all ihre Güter schnell transportieren zu können. Die Anhebung auf 44 Tonnen wäre aus Sicht der Verbände ein guter Schritt, um dieses Problem zu entschärfen.

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Aus Sicht des Verkehrsministeriums wäre eine Gleichstellung jedoch unter Umweltgesichtspunkten kontraproduktiv. "Damit würde der (...) Anreiz für die Nutzung der klimafreundlichen Schienengüter- und Binnenschiffsverkehre aufgehoben", heißt es in der Antwort des Bundesverkehrsministeriums unter anderem als Begründung.

Umweltschützer zeigten sich erleichtert über die Haltung Berlins. "Die Angleichung der Maximalgewichte wäre ein Rückschlag für den kombinierten Verkehr", sagt Arne Fellermann von der Umweltschutzorganisation BUND. Dadurch würde der Straßenverkehr attraktiver für die Transportbranche - und dies wiederum wäre schlecht für den Klimaschutz.

Im Video: Nicht ohne meinen Truck - Lkw-Fahrer als Beruf

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nis/dpa



insgesamt 63 Beiträge
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wahe 19.11.2018
1. zusätzlich
würde es zu mehr Brückenschäden und Baustellen kommen, da weder Autobahnen noch Bundes- Land und Kreisstraßen für diese Tonnagen ausgelegt sind. Folge wäre mehr Stau!
chrismuc2011 19.11.2018
2.
Es gibt soviele Start-Ups. Warum entwickelt nicht endlich jemand Geeignetes ein tragfähiges Konzept für eine LKW-Güterzug-LKW Lösung. Schnelles, möglichst automatisiertes, Umladen der Container vom LKW auf Schiene und am Zielort wieder auf den LKW.
JoachimZ. 19.11.2018
3.
Und die fahren dann mit 50 Km/h über die Landstraßen, oder was? Morgens im Berufsverkehr 10 Kilometer hinter einem Aldi-Laster mit 60 Km/h herzuzuckeln, ist jetzt schon stressig, wenn man nicht überholen kann!
wdiwdi 19.11.2018
4. Und keine Erwähnung des Schwerlast-Potenzgesetzes?
Straßenschäden durch Schwerlastverkehr wachsen ungefähr mit der 4ten (!!!) Potenz des LKW-Gewichts. Ein 44-Tonner erzeugt also ca. 50% mehr Straßenschäden als ein 40-Tonner, bei 10% Einsparung beim Verkehr und nicht mal 10% beim Verbrauch.
kayakclc 19.11.2018
5. Brückenmaut
Ob die Herren des Industrieverbands dann bereit wären eine deutliche Brückenmaut zu entrichten um die Reparatur zusätzlichen Schäden an öffentlichen Infrastruktur zu bezahlen? Und man fragt sich auch, warum man große Lasten nicht eher auf die Schiene bringt, um sie dann lokale mit kleineren LKWs zu verteilen.
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