Le Mans Gebrauchsanweisung für einen Mythos

Werner Kirchmann ist Stammgast beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans. Sein Wissen und seine Tipps teilt er gratis, denn wie desaströs eine schlampige Vorbereitung enden kann, weiß er aus eigener Erfahrung.

Porsche

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Der erste Versuch geriet zum Fiasko. Im Sommer 1984 beschloss der Kölner Student Werner Kirchmann, zusammen mit Freunden zum 24-Stunden-Rennen nach Le Mans zu reisen. Alles war vorbereitet, das Zelt, das Bier, der Wagen. Am Wochenende vor dem Aufbruch nach Frankreich saßen die Kumpels vor dem Fernseher. In der Sportschau lief: Der Start des 24-Stunden-Rennens von Le Mans. Kirchmann hatte sich beim Termin um eine Woche vertan.

"Ich grüble bis heute, wo ich das falsche Datum aufgeschnappt habe", sagt Werner Kirchmann 30 Jahre später. Die schlampige Vorbereitung sollte ihm eine Lehre sein: 1985 klappte es mit der Reise zum Mythos - und seitdem hat er fast keine Ausgabe des berühmtesten Langstreckenrennens der Welt verpasst.

Nach insgesamt 28 Besuchen in Le Mans hat Kirchmann eine Menge Erfahrung gesammelt. Er weiß, wie man die knifflige Ticketbeschaffung meistert, auf welchen Zeltplätzen die größten Partys stattfinden, wo man seine Ruhe hat, und, ganz wichtig, an welchen Streckenabschnitten man ganz nah am Rennen dran ist. Das beste daran: Er teilt sein Wissen auf einer Webseite und in einem üppigen Handbuch - gratis. (Einen Überblick über die beiden Angebote finden Sie in den beiden Kästen unter dem Text.)

Kein Platz für Hooligans

Kirchmann, der als Projektmanager arbeitet, koordiniert die Zusammenstellung der Boliden-Bibel jedes Jahr. Er hat eine internationale Truppe von Mitstreitern, allesamt Mitglieder des Internetforums "Club Arnage". Die entspannte Atmosphäre zwischen Fans aus verschiedenen Ländern ist einer der Hauptgründe, warum der 54-Jährige süchtig nach Le Mans ist: "Dort herrscht eine Woodstock-ähnliche Festivalstimmung", sagt Kirchmann, "ich treffe jedes Jahr Leute aus aller Welt, 'Canada Phil' aus Toronto, 'Norway Nick' oder 'Doris the Kiwi' aus Neuseeland sind alte Freunde."

Sogar in den Achtzigerjahren, als sich Jaguar und Porsche unerbittliche Duelle auf der Piste lieferten, feierten Briten und Deutsche neben der Strecke gemeinsam. "Ein schöner Kontrast zu den Ausschreitungen bei den Fußballspielen damals", sagt Kirchmann. Auf die Rückkehr von Porsche nach Le Mans freut er sich in diesem Jahr am meisten. "Die Spannung ist schon im Vorfeld zu spüren, über meine Website habe ich plötzlich doppelt so viele Anfragen wie in den Jahren zuvor."

Früher war einiges besser

Beim kommenden Rennen haben die Teams so viele Freiheiten wie nie zuvor, lediglich die Spritmenge ist limitiert. "So ein zukunftsorientiertes Reglement findet sich sonst nirgends im Motorsport", findet Kirchmann. Der Vergangenheit trauert er trotzdem ein bisschen hinterher: "Die Zeiten, als du in Le Mans ganz nah an der Strecke stehen konntest, sind vorbei." Heute herrsche durch Kiesbette und Fangzäune mehr Distanz. "Aber das ist der verklärte Blick eines Zuschauers", sagt er, "für die Fahrer und Mechaniker ist es jetzt sicherer."

Mittlerweile reist Werner Kirchmann übrigens meistens eine Woche vor dem Rennen an. Nicht, weil er ein Fiasko wie 1984 fürchtet - "sondern weil am Sonntag vor dem Rennen eine öffentliche Überprüfung der Rennwagen stattfindet."

SPIEGEL ONLINE ist beim 24-Stunden-Rennen am 14. und 15. Juni live dabei. Erfahren Sie hier, ob Porsche bei seinem Comeback die Dominanz von Audi bricht - oder ob Nissan mit dem Elektroflitzer Zeod RC allen die Show stiehlt.

Die Webseite
    Auf LeMansZone.de hat Kirchmann alle wichtigen Infos rund um das Rennen zusammengefasst.

    Ein Abriss der Geschichte von Le Mans mit einer Liste sämtlicher Sieger und Links zu sehenswerten Youtube-Videos sowie sämtlicher Streckenverläufe seit 1921 und eine Erläuterung des aktuellen Reglements.

    Eine Beschreibung der rund dutzend Campingplätze entlang der Rennstrecke: Wie hoch die Gebühren sind, wie weit es zu Fuß bis zum Start/Ziel-Bereich, ob man vom Platz aus direkt das Rennen sehen kann.

    Tipps für die Anreise mit dem Auto, Bahn oder Flieger.

    Eine Anleitung, wie man an Karten kommt, welche Kategorein es gibt und eine Erklärung, warum sich der Erwerb einer "Enceinte Generale" besonders lohnt.

Der Guide
    Seit 15 Jahren gibt Kirchmann zusammen mit mehr als 50 anderen Motorsport-Fans das Standardwerk für Le Mans heraus.

    Das 87 Seiten dicke Handbuch steht als Gratis-Download bereit. Die Macher bitten lediglich um eine freiwillige Spende, die der Krebs-Forschung zugute kommt.

    Der Wälzer ist in leicht verständlichem Englisch geschrieben und gefüllt mit Infos zum Rennen: Sämtliche Fahrer sind aufgelistet, außerdem gibt es von jedem Rennwagen ein aktuelles Foto.

    Dazu finden sich darin alle Tipps, die auf LeMansZone.de aufgeführt sind - nur viel detaillierter.



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