Lexus aus Pappe Achtung, jetzt kommt ein Karton

Aluminium? Carbon? Autobauer Lexus hat einen vollkommen neuen Werkstoff für Leichtbau entdeckt - Pappe. Muss der Rest der Branche seine Strategien über den Haufen werfen? Nein, keine Sorge - das Pappe-Mobil ist nur ein Dankeschön.

Lexus

Von Christian Frahm


"Takumi", so heißen bei Lexus die ganz besonders verdienten Mitarbeiter: Meister, die mindestens 25 Jahre bei der Firma sind. Doch Betriebszugehörigkeit allein reicht nicht zum Titel. Nur die Besten der Besten von ihnen werden Takumi, sie kontrollieren beispielsweise die Qualität der Lackierung mit bloßem Auge oder überprüfen in einem speziellen "Raum der Stille" jedes Fahrzeug mit ihren Ohren auf einen sauberen Lauf. Das alles ist noch einigermaßen normal, auch wenn die Takumi-Menschen bei anderen Herstellern wohl schlicht Qualitätsprüfer heißen.

Was es aber vermutlich bei kaum einem anderen Hersteller gibt, das sind die Übungen, mit denen diese Mitarbeiter ihre Sinne schärfen sollen. Zu diesem Zwecke muss nämlich bei Lexus jeder Takumi lernen, aus einem Blatt Papier eine Origami-Katze zu falten. Und zwar mit einer Hand. Und zwar nicht der starken Hand.

Bei der tragenden Rolle, die Papier in diesem Unternehmen spielt, ist die jüngste Kreation der Toyota-Tochter in gewisser Weise nur folgerichtig. Die Japaner zeigten jüngst einen, nun ja, fahrbereiten Lexus IS, der nahezu vollständig aus Pappe gefertigt ist.

Drei Monate Leichtarbeit

Entworfen hat Lexus das Auto zusammen mit der Designfirma Lasercut, dem Modellbauer Scales and Models und dem Karton-Hersteller DS Smith. Drei Monate benötigte das fünfköpfige Team aus Digitaldesignern, Modellbauern und Laser-Spezialisten, um aus dem 3D-Modell einen Papp-Lexus zu machen. Dabei sind Karosserie, Armaturen, Sitze und sogar die Reifen aus Pappe gefertigt. "Das schwierigste war es, die Sitze und die Räder zu fertigen", erzählt Ruben Marcos, der Gründer von Scales and Models.

Insgesamt besteht das Modell aus 1700 kleineren und größeren Papp-Elementen, die mit einem Laser zugeschnitten und dann per Hand miteinander verklebt wurden. Sogar die Türen lassen sich öffnen. Im Inneren sind selbst Details wie Lüftungsgitter oder Gurtschlösser identisch mit dem Original.

Doch damit nicht genug, denn fahren kann das Auto auch. Dank eines kleinen Elektromotors, der auf dem einzigen nicht pappbasierten Bauteil - einem Rahmen aus Stahl und Aluminium - befestigt ist, meisterte das Origami-Auto, wie Lexus in einem Video zeigt, seine Jungfernfahrt.

Auf der Straße wird das rollende Kunstwerk zwar nicht zu sehen sein, bestaunen kann man es aber trotzdem. Der Öffentlichkeit wurde das Papp-Mobil soeben auf der Ausstellung Grand Designs Live im National Exhibition Center in Birmingham präsentiert. Warum Lexus das skurrile Gefährt überhaupt baute? Angeblich ist das Papp-Mobil im Maßstab 1:1 ein Dankeschön an die Takumi auf der Produktionslinie des Lexus IS.



insgesamt 15 Beiträge
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ulijoergens 12.10.2015
1. Völlig neu?
So ein Quatsch, Ostdeutschland hat vor mehr als 20 Jahren mit dem Trabbi gezeigt, dass man mit Pappe Autos in Serie bauen kann.
sucher533 12.10.2015
2. Toyota baut Lexus IS
"Angeblich ist das Papp-Mobil im Maßstab 1:1 ein Dankeschön an die Takumi auf der Produktionslinie des Lexus IS." Da wird aber wieder Fragen geben.
Bell412 12.10.2015
3. Origami..
..mag ja durchaus eine beneidenswerte Kunstform sein. Nur sehen die Kreationen mit Lexus im Namen auch immer genau so aus. Technisch mögen die Fahrzeuge über jeden Zweifel erhaben sein, die Optik ist.. einfach nur grauslich. Mit jedem neuen Modell nochmal eine Stufe entsetzlicher. Wenn man sich's leisten kann..
patrick6 12.10.2015
4. Ist ja recht beeindruckend...
...aber was hat das Zusammenkleben von Wellpappe und Laserschnitt mit Origami zu tun? Nix?
wakaba 12.10.2015
5.
Lustig, hab mit dem Konzept eines Autos aus Pappe 1995 mein Studium abgeschlossen. Die weitgestreckten Materialeigenschaften eignen sich wirklich gut dafür sowohl für Rahmen, Innenraum, Design und Engineering.
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