Lexus GS Prototyp: Limousine im Gummidress

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Lexus galt lange als so etwas wie Mercedes aus Japan. Nicht nur wegen der Qualität, sondern auch wegen des Durchschnittsalters der Kunden. Die kommende GS-Limousine soll jedoch ein jugendlich-frisches Auto werden - und entsprechende Käufer finden.

Lexus GS Prototyp: Testfahrt im BMW-Konkurrent Fotos

Keyless-Go geht irgendwie anders. Zwar braucht Yashihiko Kanamori tatsächlich keinen Zündschlüssel mehr, wenn er seinen aktuellen Dienstwagen anlassen will. Doch dafür muss er vor dem Einsteigen erst einmal ein paar Reißverschlüsse öffnen. Warum das? Kanamori ist Entwicklungsleiter des kommenden Lexus GS und fährt derzeit, knapp ein Jahr vor der geplanten Markteinführung, den finalen Prototypen der neuen Baureihe.

Technisch ist der Wagen schon auf dem letzten Stand. Optisch jedoch soll noch möglichst wenig preisgegeben werden. Die Toyota-Tochtermarke will erst Mitte August beim Oldtimer-Concours im kalifornischen Pebble Beach und kurz darauf während der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt das Tuch von der großen Limousine ziehen. Deshalb kaschiert eine dicke Gummipelle alle Konturen. Und deshalb muss Kanamori erst an den Reißverschlüssen nesteln, um überhaupt an den Türgriff des Autos zu gelangen.

Im Innenraum hat die Geheimniskrämerei ein Ende. Während man bei der ersten Sitzprobe die größere Kopf- und Kniefreiheit und die bessere Sitzposition registriert, erklärt der Ingenieur einige Innovationen. Er demonstriert die neuen Komfortsitze mit den mehr als einem Dutzend Verstellmöglichkeiten und zeigt auf das große Farbdisplay, das über dem Mitteltunnel thront. Wo das Vorgängermodell noch mit Grafiken auf dem Niveau eines alten Radioweckers langweilte, gibt es jetzt einen Flatscreen im Laptop-Format.

1,5 Millionen Testkilometer wurden in Deutschland gefahren

Dass Kanamori mit seinem Prototypen nicht durch Tokio oder Los Angeles kreuzt, sondern derzeit vom europäischen Entwicklungszentrum in Brüssel aus vor allem deutsche Straßen unter die Räder nimmt, hat einen einfachen Grund. "Unser Maßstab sind Mercedes, BMW und Audi. Deshalb haben wir einen Großteil der mittlerweile 1,5 Millionen Testkilometer in der Heimat unserer Wettbewerber abgespult."

Galt den Japanern in dieser Liga bislang vor allem die Mercedes E-Klasse als Vorbild, zielen sie jetzt mehr auf den BMW 5er. "Der bietet die beste Fahrdynamik im Segment", sagt Kanamori. Dann sagt er "noch", und fährt sogleich fort. "Das Durchschnittsalter unserer Kunden weltweit liegt bei knapp unter 60 Jahren. Wenn wir das senken wollen, müssen auch unsere Produkte jünger und dynamischer wirken."

Was ihn zuversichtlich macht, ist das neue sogenannte Lexus Dynamic Handling System, mit dem der GS zum feinen Sportler werden soll. Genau wie der BMW 5er erhält das Auto eine Lenkung mit variabler Übersetzung und eine aktiv lenkende Hinterachse. So werden die Hinterräder abhängig von Tempo, Kurvenradius, Lenkwinkel und Querbeschleunigung um bis zu 1,5 Grad mit oder entgegen der Fahrtrichtung eingeschlagen. Das macht den knapp 1,8 Tonnen schweren Luxusliner bei der ersten Testfahrt überraschend handlich. Während man in der Basisversion ohne diese Finessen in der eng gestellten Hütchengasse schon ordentlich am Lenkrad kurbeln und beim Slalom ein wenig Tempo rausnehmen muss, lässt sich die Top-Version mit Dynamik-Paket mühelos und unaufgeregt durch den Parcours zirkeln.

Nicht nur ein Hybridantrieb, auch ein Benziner soll im Angebot sein

Kanamori beobachtet das mit wachsender Zufriedenheit, erklärt detailliert das Zusammenspiel von Motoren, Aktoren und Sensoren und zeigt stolz den Drehschalter auf dem Mitteltunnel, mit dem man dieses und einige andere Fahrzeugsysteme wie das Automatikgetriebe oder die variable Dämpfung in vier Stufen von sportlich bis sparsam justieren kann. "Wer im Eco-Modus fährt, spart sechs Prozent Sprit", sagt der Chefentwickler. Überhaupt sei der neue GS viel effizienter geworden. Weil bei kaum veränderten Abmessungen immerhin 60 Kilogramm eingespart und der Antrieb optimiert wurde, soll der neue GS gut zehn Prozent weniger verbrauchen als der alte.

Mehr Details zu den Motoren gibt es vorerst nicht. Fest steht allerdings, dass die Hybridversion weiterhin auf die Kombination von V6-Benziner und E-Motor baut und wohl ähnlich stark sein wird wie der Vorgänger, der 345 PS leistet. Obwohl Lexus noch vor zwei Jahren angekündigt hatte, in Europa außer beim Supersportwagen LFA künftig nur noch Hybridantriebe einzusetzen, gibt es jetzt plötzlich doch wieder einen klassischen V6-Benziner. "Der Markt ist einfach noch nicht reif für diese Umstellung", sagt der deutsche Lexus-Marketingchef Michael Potthast dazu. Allerdings wirkt der etwa 2,5 Liter große und höchstens 250 PS starke Sechszylinder auf den Runden ums Testcenter in Brüssel so müde und kraftlos, dass er wohl kaum einen großen Verkaufsanteil erreichen wird.

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Liebe Autoindustrie + diverse weitere
jocurt 31.07.2011
Zitat von sysopLexus galt lange als so etwas wie Mercedes aus Japan. Nicht nur wegen der Qualität, sondern auch wegen des Durchschnittsalters der Kunden. Die kommende GS-Limousine soll jedoch ein jugendlich-frisches Auto werden - und entsprechende Käufer finden. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,776412,00.html
Die Weltbevölkerung, vor allem in Industriestaaten, altert, die Geburtenrate sinkt, das Einkommen jüngerer scheint bei der globalen Konkurrenz eher abzunehmen UND ihr setzt auf jüngere Käufer. Logisch ? oder einfach nur blöd. Umfragen des ADAC ergaben, dass sich bspw. deutsche Autokäufer sparsame und wirtschaftliche Autos wünschen und 40% ein Elektroauto in Erwägung ziehen. UND ihr entwickelt immer spritfressendere Potenzboliden. Logisch ? oder einfach nur blöd.
2. Preis
A-Schindler 31.07.2011
Der Grund warum hier kaum einer Lexus fährt ist schlicht der hohe Preis. Ob nun wirklich die 250PS bei diesem Model lahm wirkt mag ja sein, nur auf der Straße gibt es genug Langsamfahrer das man die 250PS kaum braucht. Da ich selber aber nur ein Kleinwagen brauche gehöre ich eh nicht zum Kundenkreis von Lexus.
3. Die testen in Deutschland
UHamm 31.07.2011
Der Grund für den ausgiebigen Test in Deutschland liegt nicht an den Konkurrenten Audi,BMW und DB, sondern allein darin, daß man hier noch rasen darf, was der Motor hergibt. Nicht umsonst gabs hier auch den verhängnisvollen Unfall mit dem Mercedes- Testfahrer, der bei hohem Tempo eine junge Frau von der Bahn katapultierte. Ob sich Deutschland weiterhin der Vernunft enthalten kann, bleibt abzuwarten. Weltweit gibts ja kaum ein anderes Land, wo ungebremste Raserei noch erlaubt ist. Wer mal z.B. in den Niederlanden unterwegs war, weiß wie entspannt man fahren kann und trotzdem kaum später ankommt. Allerdings muß man konstatieren, daß es hier drei Gruppen gibt, die der Vernunft unzugänglich sind: Raucher, Hundehalter und eben auch Autofahrer.
4. .
Oberleerer 31.07.2011
Zitat von jocurtDie Weltbevölkerung, vor allem in Industriestaaten, altert, die Geburtenrate sinkt, das Einkommen jüngerer scheint bei der globalen Konkurrenz eher abzunehmen UND ihr setzt auf jüngere Käufer. Logisch ? oder einfach nur blöd. Umfragen des ADAC ergaben, dass sich bspw. deutsche Autokäufer sparsame und wirtschaftliche Autos wünschen und 40% ein Elektroauto in Erwägung ziehen. UND ihr entwickelt immer spritfressendere Potenzboliden. Logisch ? oder einfach nur blöd.
Man kann sich auch absichtlich blöd anstellen beim lesen. Jüngere Kunden sind nicht unbedingt junge Kunden. Wer mit 60 einen Neuwagen kauft, für den ist es womöglich der letzte. Wer mit jugendlichen 50 einen Neuwagen kauft, wird womöglich noch 1-2 weitere Lexus kaufen. Diese ADAC-Umfragen sind fürn Popo. Genauso können sie die Leute fragen, ob sie sich ein schöneres Wetter wünschen. Was soll da rauskommen? 60% wünschen sich keine E-Autos und wollen gar unwirtschaftliche Autos? Im Artikel habe ich gelesen, dass das Auto 10% sparsamer ist, da nicht nur der Motor verbessert wurde, sondern auch das Auto leichter geworden ist. Wo sehen sie den "spritfressenden Potenzboliden?
5. Lexus Kuddelmuddel
anders_denker 31.07.2011
Technisch mögen diese Fahrzeuge wirklich spitze sein. Aber was ich ion den letzten jahren gesehen habe, erinnerte immer an Kopien andere Premiumhersteller. Leider hat Lexus von vorne kein Gesicht wie z.b. Merzedes, BMW, Jaguar etc. Von seitlich und hinten ähneln sie zu oft den Fahrzeugen anderer herstller. Lässt Toyota etwa in China designen?
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