Der erste Eindruck: Der Kühlergrill des überarbeiteten Modells ist jetzt zackig geformt, in den neuen Scheinwerfern leuchten LED-Streifen in L-Form, und auch in den Rücklichtern glüht rot der Lexus-Anfangsbuchstabe. Es ist, als wolle das neue Lexus-Flagschiff um jeden Preis Aufmerksamkeit erheischen, denn bislang hatte in Deutschland kaum jemand den Wagen auf dem Zettel.
Das sagt der Hersteller: Für Lexus ist der LS eine Ikone. Mit diesem Modell begann vor 23 Jahren Toyotas Abenteuer in der Oberklasse. Seither bewiesen die Japaner mit der Baureihe immer wieder ihre Kompetenz. "Die Geschichte des LS ist auch eine Geschichte technischer Pionierleistungen", sagt Projektleiter Satoru Osaku.
V8-Hybridantrieb, die ersten Voll-LED-Scheinwerfer und zahlreiche Assistenzsysteme - alles eingeführt von Toyotas Luxus-Tochtermarke. Auch im aktuellen Modell wurde ordentlich nachgelegt, rund 3000 Details sind verändert worden. Zu den wichtigsten zählen das blendfreie Fernlicht mit LED-Technik, eine neue Sportversion mit schärferem Design und strafferem Fahrwerk sowie ein kleines Heer neuer Komfortsysteme.
Mit der Modellpflege sechs Jahre nach dem Start der aktuellen Generation wollen die Japaner auch in Europa wieder ein kleines Stückchen weiter aus dem Schatten fahren. Während sie in diesem Jahr kaum auf rund 300 LS-Zulassungen kommen werden, sollen es im nächsten Jahr 1300 werden - das wäre ein sagenhaftes Plus von mehr als 300 Prozent.
Das ist uns aufgefallen: Wie wohl man sich an Bord des Wagens fühlt. Beim Einsteigen inszenieren die Japaner die Innenbeleuchtung so, als ginge irgendwo am Pazifikstrand die Sonne auf. Statt einer Heizung gibt es einen Klima-Concierge, der die Temperatur von Innenraumluft, Lenkrad und Ledersitzen für jeden Passagier automatisch und individuell abstimmt. Und alle Sitze lassen sich so umfangreich verstellen, dass wirklich jeder eine bequeme Sitzposition findet.
Wie tief die Japaner ins Detail gehen, zeigen nicht nur der brillante Monitor im Cinemascope-Format, der die Mittelkonsole dominiert, oder die wunderbar gefühlvollen Drehregler für das Radio. Das beste Beispiel ist das neue Lenkrad im "Shimamoku"-Finish. Das ist eine traditionelle japanische Handwerkskunst, bei der unterschiedlich gebeizte Hölzer in hauchdünnen Furnieren in 67 Arbeitsschritten von Hand in Form gebracht werden. In jedem Lenkrad allein stecken 38 Arbeitstage.
Ach ja, fahren kann man mit dem LS natürlich auch, wobei das die unspektakulärste Eigenschaft des Luxus-Liners ist. Denn da bleibt der Lexus auf höchstem Niveau überraschend farblos: Er gleitet nicht ganz so mühelos dahin wie eine Mercedes S-Klasse und ist selbst als Sport-Modell im dynamischsten Fahrprogramm mit einem Zentimeter weniger Bodenfreiheit, direkterer Lenkung und strafferer Federung weniger verbindlich als ein BMW 7er. Und so kühl und technokratisch wie ein Audi A8 kommt er auch nicht daher.
Dafür ist er leiser als jedes andere Auto dieser Klasse. Das liegt an extra dicken Dämmstoffen und seit neuestem auch an Rädern mit eingegossenen Hohlkammern, die Schall schlucken sollen. Bis weit über 100 km/h ist daher das lauteste Geräusch an Bord das Brummeln der Massagekissen. Und zwar nicht nur, wenn man die Hybridvariante wählt und elektrisch dahingleitet.
Das muss man wissen: Es gibt den LS wie bisher mit zwei Motorvarianten, die nur dezent optimiert wurden. Als V8-Benziner mit 4,6 Litern Hubraum und als Hybrid-Modell. Der reine Benziner fährt in der Version mit Heckantrieb mit 380 PS und als Allradler mit 370 PS vor. In der Hybridvariante verfügt der Achtzylinder über fünf Liter Hubraum und erreicht 394 PS. Kombiniert mit einem 225 PS starken E-Motor liegt die Systemleistung bei 445 PS. Obwohl er mit einem Sprintwert von 6,1 Sekunden gut mit anderen V8-Modellen mithalten kann, liegt der Verbrauch mit lediglich 8,6 Liter auf einem Niveau, das in dieser Klasse üblicherweise nur Sechszylindermotoren erreichen.
Gut zwei Monate vor dem Verkaufsbeginn im Februar stehen die exakten Preise des neuen LS noch nicht fest. Jedoch werden sich die aktuellen Tarife nur um wenige hundert Euro ändern, heißt es. Aktuell kostet der billigste LS 92.300 Euro und das teuerste Modell, der LS Hybrid mit um zwölf Zentimeter verlängertem Radstand und Topausstattung, 135.500 Euro.
Das werden wir nicht vergessen: Wie gern man bei diesem Auto auch mal das Steuer aus der Hand gibt, sich in den Fond setzt und dort von der Elektronik verwöhnen lässt. Wenn die Luftkissen in den Sitzen in Shiatsu-Manier den Rücken kraulen, der Klima-Concierge eine Kuschelatmosphäre ausbreitet, die Beine auf dem ausfahrbaren Ottomanen-Sitz ruhen und über den Bildschirm eine Blue-Ray-DVD flimmert, wird der Verkehrsfluss ebenso nebensächlich wie die Motorleistung. Dann könnte die Fahrt ewig so weitergehen - oder bräuchte gar nicht erst zu beginnen.
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