Park-App für Lkw Platz da?

Jeden Abend beginnt auf Autobahnen unter Brummi-Fahrern der Kampf um die letzten noch freien Lkw-Parkplätze. Für Fernfahrer bedeutet das Stress - und teilweise echte Gefahr. Ein Unternehmer aus Karlsruhe hat eine ebenso einfache wie effektive Hilfe entwickelt.

DPA

Von Jürgen Pander


"Ein Sattelzuglenker hatte beim Einfahren auf den Parkplatz Steinig einen dort abgestellten Sattelzug zu spät erkannt und fuhr auf ihn auf." Der Lkw-Fahrer wurde verletzt, die Autobahn teilweise gesperrt und es entstand ein Sachschaden von rund 80.000 Euro. Die Meldung des Polizeipräsidiums Karlsruhe vom 20. Februar dieses Jahres ist nur ein Beispiel von etlichen solcher Fälle jeden Monat.

Weil es viel zu wenige Lkw-Parkplätze auf und in der Nähe der Autobahnen gibt, parken viele Lastwagen an Stellen, die dafür nicht vorgesehen sind - und das bedeutet akute Unfallgefahr. Ein EU-Papier aus dem vergangenen Jahr spricht von durchschnittlich "44 Todesfällen und 1430 Verletzten pro Jahr wegen riskant parkender Lkw".

Christoph Scheuermann möchte diese prekäre Situation für Fernfahrer verbessern. Der 43-jährige Unternehmensberater aus Karlsruhe, der sein BWL-Studium mit einem Nebenjob als Fernfahrer finanzierte, hat gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten in den vergangenen Monaten die kostenlose App "Prepark" entwickelt. Das kleine Programm für Smartphones mit Android-Betriebssystem funktioniert ähnlich wie eine Blitzer-App: Nutzer melden die aktuelle Situation auf Parkplätzen, an denen sie gerade sind oder vorbeifahren. Die freien Stellplätze werden allen App-Usern auf dieser Route aktuell angezeigt, so dass sie diese Parkplätze gezielt ansteuern können.

Es herrscht Lkw-Parkplatznot

Das klingt simpel, und so funktioniert es auch. Derzeit sind rund 2600 Parkplätze und Raststätten in Deutschland und Österreich direkt an der Autobahn oder in einem Korridor von maximal eineinhalb Kilometern Umkreis von einer Autobahnabfahrt (sogenannte Autohöfe) mit insgesamt etwa 50.000 Lkw-Stellplätzen erfasst. Einige tausend Brummi-Lenker haben sich nach Angaben von Scheuermann die App bereits heruntergeladen, täglich gehen mehrere hundert Meldungen über die Parksituation ein.

Für Berufskraftfahrer bedeutet dieses Informationssystem sowohl einen Zeit- als auch einen Sicherheitsgewinn. Es entfällt die manchmal langwierige Suche nach einem freien Parkplatz; und da die App ständig über freie Plätze entlang der eingeschlagenen Route informiert, sollte auch die Zahl der riskant abgestellten Lkw, die häufig zu Unfällen führen, sinken. Zudem hilft "Prepark" den Lkw-Fahrern, die von der EU vorgegebenen Lenkzeiten (maximal 9 Stunden täglich, maximal 4,5 Stunden am Stück) einzuhalten.

Am grundsätzlichen, eklatanten Parkplatzmangel für Lkw ändert die App natürlich nichts. Auf den rund 12.800 Kilometern deutscher Fernstraßen sind permanent etwa 650.000 schwere Lkw unterwegs, schätzt der Bundesverband Güterkraftverkehr. Die Bundesanstalt für Straßenwesen hat auf einigen Autobahnabschnitten bis zu 18.000 Lkw pro Tag gezählt und im vergangenen Jahr wurden laut Bundesamt für Güterverkehr in Deutschland 27,2 Milliarden Mautkilometer abgerechnet (wovon knapp 40 Prozent auf ausländische Lkw entfielen).

Parkleitsystem-Projekt auf 170 Kilometern

Der Güterverkehr auf der Straße nimmt weiter zu - und die Zahl der Lkw-Parkplätze an und nahe der Autobahnen hinkt immer weiter hinterher. Aktuell gibt es laut Bundesverkehrsministerium "mehr als 40.000 Parkstände" an den Autobahnen, etwa 11.000 davon wurden seit 2008 neu erstellt, was einem Investitionsvolumen von rund 600 Millionen Euro entsprach. In den nächsten vier Jahren, so teilt das Bundesverkehrsministerium mit, sei der Neubau von weiteren 6000 Lkw-Parkplätzen geplant.

Auch über die optimale Auslastung der vorhandenen Parkplätze machen sich die Behörden Gedanken. In Bayern soll demnächst ein Pilotprojekt für ein Lkw-Parkleitsystem entlang der A9 zwischen Nürnberg und München in Betrieb gehen, das 21 Parkplätze und Raststätten umfasst und etwa fünf Millionen Euro kostet.

Das Entwickeln und Starten von "Prepark" war dagegen ein Klacks. "Derzeit", sagt Initiator Scheuermann, "ist die App ein Werkzeug zur Selbsthilfe für Lkw-Fahrer, der Lohn ist die Dankbarkeit der Trucker." Um wenigstens die Kosten einzuspielen und eventuell auch ein wenig Geld zu verdienen, denkt Scheuermann über ein sogenanntes Fremium-Modell nach. Im Klartext: Die Standardinfo über freie Lkw-Parkplätze inklusive deren akustischer Ansage übers Smartphone soll kostenfrei bleiben. Als Bezahlextra könnten darüber hinaus künftig Zusatzinfos über spezielle Angebot der Rastanlagen und Autohöfe bekanntgegeben werden. Für Trucker sicher auch interessant - wenn sie erstmal einen Parkplatz haben.

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insgesamt 47 Beiträge
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Seite 1
felisconcolor 21.03.2014
1. Gutes kann so einfach sein
ohne es all seinen Freunden auf facebook mitteilen zu müssen. Mehr davon
Peter Guthörl 21.03.2014
2.
Vielfach würde es einfach schon helfen, wenn die Brummifahrer 'mal nach hinten durchfahren' und nicht schon im Bereich der Tankstelle stehen bleiben. Weiter hinten gibt es oft noch freie Plätze, während sich vorne die Schlange bis auf die Autobahn zurückstaut - mit reichlich Gefährdungspotential. Ob da die neu App hilft ???
mikaiser 21.03.2014
3. Simpel und wirksam!
Ein dickes Lob an Christoph Scheuermann und seine Helfer. Jetzt ist es an den Mobilfunk-Anbietern, den ausländischen Truckern ein günstiges Daten-Roaming zu ermöglichen, damit sie diesen Dienst auch fleißig nutzen.
TruckTucker 21.03.2014
4. So eine App gibt es schon:
http://www.truckparkingeurope.com/de/ dort gibt es bereits über 10000 Parkplätze
Stäffelesrutscher 21.03.2014
5.
Zitat von sysopDPAJeden Abend beginnt auf Autobahnen unter Brummi-Fahrern der Kampf um die letzten noch freien Lkw-Parkplätze. Für Fernfahrer bedeutet das Stress - und teilweise echte Gefahr. Ein Unternehmer aus Karlsruhe hat eine ebenso einfache wie effektive Hilfe entwickelt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/lkw-parkplaetze-prepark-app-weist-auf-freie-autobahn-parkplaetze-hin-a-959779.html
… »oder vorbeifahren« … mit dem Handy in der Hand eine App bedienend ...
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