Auto-Entwicklung in Rekordzeit Läuft wie gedruckt

Das US-Start-up Local Motors will nicht weniger als die Autoindustrie revolutionieren. Nun ließ das Unternehmen großspurigen Worten Taten folgen: Es kürte den Gewinner eines Designwettbewerbs. Bereits im September soll das Auto gebaut werden - nach nur vier Monaten Entwicklungszeit.

Local Motors / 3D Printed Car Design Challenge / Chavito

Von Jürgen Pander


Jay Rogers, Chef der Firma Local Motors aus Phoenix im US-Staat Arizona, macht ernst mit seinem Plan. Er will die trägen, scheinbar festzementierten Abläufe der Autoindustrie umkrempeln. Binnen vier Monaten soll ein komplett neues Auto designt, entwickelt und gebaut werden - als eine Art Open-Source-Projekt. "Unser Ansatz, ein Auto komplett digital von einer Community entwickeln zu lassen und es dann auch digital zu fertigen, könne den Prozess und die Geschwindigkeit der Autoentwicklung generell verändern." Es ist die radikale Abkehr vom langatmigen Entwicklungsprozess der etablierten Hersteller, die mindestens vier, meistens eher fünf Jahre brauchen von der Idee für ein neues Modell bis zum ersten Prototypen.

Vor zwei Monaten rief Local Motors zu einem Designwettbewerb auf, in kürzester Zeit trafen 207 Vorschläge aus der knapp 42.000 Mitglieder umfassenden Community des Unternehmens ein. Diese besteht aus studierten Designern und Entwicklern, aber auch aus Hobbyzeichnern und Tüftlern. Jetzt wurde der beste Entwurf ausgewählt, dazu kommen sechs weitere Designvorschläge mit besonders innovativen Ansätzen, die in das Projekt einfließen sollen. Das Auto - ein Zweisitzer im Buggy-Stil - soll bereits im September fahrbereit sein. Gebaut wird der Wagen dort, wo er das größte Aufsehen erregen kann: Auf einem Stand während der IMTS in Chicago, der International Manufacturing Technology Show, einer der größten und wichtigsten Fachmessen für Produktionstechnik weltweit.

Auf der Messe werden Chassis und Karosserie von einem 3D-Drucker namens BAAM (Big Area Additive Manufacturing) gefertigt, die Endmontage erfolgt dann mit frei verfügbaren Bauteilen wie Sitzen, Bremsen, Rädern, Achsen und einem Elektromotor samt Batterie ebenfalls vor Ort. Nach drei Tagen soll der Prototyp fahrbereit auf der Messe stehen - und dürfte spätestens dann die größte Attraktion des Technologietreffs sein.

"Dieses Auto wird das coolste Auto des Planeten, zumindest für all jene, die sich mit Produktionstechnik beschäftigen", sagt Rick Neff, ein Manager der Firma Cincinnati Incorporated, die den riesigen 3D-Drucker gebaut hat. "Der Wagen wird zugleich die erste Anwendung für unsere BAAM-Maschine sein."

Globale Entwicklung, lokale Mikroproduktion

Läuft alles wie geplant, wäre das für Local Motors ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer neuen Art der Automobilproduktion. Das Unternehmen setzt auf die weltweite Vernetzung und Kooperation von Designern, Ingenieuren, Erfindern aus dem Fahrzeugbau und die dezentrale, lokal autarke Realisierung ihrer Ideen. Bislang gibt es zwei sogenannte Mikrofabriken in Phoenix und in Las Vegas; im Lauf der nächsten zehn Jahre sollen es hundert solcher kleinen Produktionseinheiten werden, in denen immer nur jene Produkte gefertigt werden, die auf dem lokalen Markt gerade gefragt sind.

Aktuell hat Local Motors einen sportlichen Luxus-Allradler namens Rally Fighter sowie zwei Motorräder und ein Elektro-Trike im Angebot - allesamt sind die Autos als Open-Source-Projekte entstanden, also unter Beteiligung etlicher Experten und Ideengeber aus dem Netzwerk der Firma. 77 festangestellte Mitarbeiter von Local Motors sowie die Community arbeiten derzeit an 27 weiteren Fahrzeugprojekten, die vor allem das übergeordnete Motto eint: "We make the coolest machines together."

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