Luftverschmutzung London testet Verbot für Autos mit Verbrennungsmotor

London ist berüchtigt für verschmutzte Luft und hat deshalb eine Citymaut eingeführt. Nun will die Stadt Autos mit Verbrennungsmotor erstmals komplett aus einem Gebiet aussperren.

Elektro-Taxi in London
AFP

Elektro-Taxi in London


London will eine Straße vollständig für Autos mit reinem Verbrennungsmotor sperren. In dem Pilotversuch soll zunächst der südliche Teil der Moor Lane, einer verhältnismäßig kleinen Straße, für Fahrzeuge abgeriegelt werden, die nicht mit Elektro- oder Plug-in-Hybrid-Antrieb ausgestattet sind. Starten soll die Testphase im April 2019.

Mit diesem Schritt wolle die britische Hauptstadt der Stickoxidbelastung begegnen, hatte Ruth Calderwood, Luftqualitätsmanagerin des Innenstadtdistrikts City of London, bereits am Montag der "Financial Times" gesagt. Das Verbot für Verbrennungsmotoren könnte später auf weitere Teile City ausgeweitet werden, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung. Man werde die Ergebnisse des Pilotprojekts "sorgfältig prüfen und die Resultate verwenden, um künftige Vorschläge für andere Gebiete" zu machen.

Damit ist die Metropole auf dem Weg, die ohnehin strengen Regeln weiter zu verschärfen. Schon seit 2003 gibt es eine Citymaut ("Congestion Charge"). Autofahrer müssen von Montag bis Freitag tagsüber 11,50 Pfund (knapp 13 Euro) zahlen, um in die Innenstadt zu gelangen. Für Elektro- und manche Hybridautos entfällt die Gebühr.

Stickoxidwerte über den gesetzlichen Grenzwerten

Für alte Autos hat Bürgermeister Sadiq Khan (Labour) bereits zusätzliche Belastungen eingeführt. Halter, die in die Innenstadt fahren, müssen zu jeder Tages- und Wochenzeit eine Extra-Gebühr in Höhe von zehn Pfund (11,20 Euro) pro Tag zusätzlich zur Congestion Charge entrichten.

Die Stickoxidwerte liegen in Teilen Londons deutlich über den gesetzlichen Grenzwerten. Die bisher geplanten Maßnahmen reichen laut Calderwood nicht aus, um die Belastung überall genügend zu reduzieren.

Einen Schritt weiter ist man in der französischen Hauptstadt Paris. Dort ist ein flächendeckender Bann für Autos mit Verbrennungsmotoren für 2030 anvisiert.

nis/dpa



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wombie 21.08.2018
1.
Soviel zur Legende, dass in anderen europäischen Ländern mit der Schadstoffbelastung entspannter umgegangen wird. In Anbetracht der Tatsache, dass mehr als 50 % der Fahrten in Städten aus nicht beruflichem Anlass erfolgen, ist die Citymaut auch in Deutschland die letzte Option die Schadstoffbelastung der Innenstädte zu senken, falls der deutsche Automichel nicht rechtzeitig seine Mobilitätsmittel bewusster wählt.
HH1960 21.08.2018
2. Geht wohl nicht anders
Will man die Luft in den Städten schnell und wirksam verbessern, müssen die Stinker draussen bleiben. Alles andere ist halber Kram, sorgt für unnötige Diskussionen und bringt am Ende doch nichts. Mit dem Umweltschutz ist es wie mit Zahnschmerzen: Je länger man wartet, umso schmerzhafter und teurer wird es. M.E. haben wir schon viel zu lange gewartet.
allessuper 21.08.2018
3. DAS stimmt
Zitat von HH1960Will man die Luft in den Städten schnell und wirksam verbessern, müssen die Stinker draussen bleiben. Alles andere ist halber Kram, sorgt für unnötige Diskussionen und bringt am Ende doch nichts. Mit dem Umweltschutz ist es wie mit Zahnschmerzen: Je länger man wartet, umso schmerzhafter und teurer wird es. M.E. haben wir schon viel zu lange gewartet.
nur dass wir sicher viel mehr mutige Zahnärzte finden als mutige Politiker. Tja, London plant erste Straße nur für Elektro-Autos während Hamburg schon die erste Straße ohne Diesel hat. #IronieAnfangundEnde
fatherted98 22.08.2018
4. Nach London City...
....mit dem Auto zu fahren ist sowieso sinnlos....man kann nirgends (wirklich nirgends) parken oder stehenbleiben....insofern macht das auch fast keiner. Die meisten nutzen das nur als Durchfahrt....ob da eine E-Spur was dran ändert? Gibt halt drumherum die Staus.
LJA 22.08.2018
5. Nur konsequent
Nachdem die Normalverdiener schon weitgehend aus dem Londoner Wohnungsmarkt verdrängt werden, kommt jetzt der nächste Schritt. Das freut den russischen Oligarchen, den arabischen Ölscheich oder den lateinamerikanischen Drogenbaron, die natürlich keine Probleme damit haben, sich schnell mal 2 oder 3 Teslas anzuschaffen. Dafür werden die Straßen dann auch deutlich leerer. Die armen Schlucker sollen gefälligst draußen bleiben. Natürlich alles zum Wohle der Umwelt. Mal sehen, wie lange es in der Stadt noch Feuerwehrleute, Polizisten oder Krankenschwestern gibt.
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