Los Angeles Design Challenge Heiße Luft aus Hollywood

Traumfabrik Hollywood - das gilt nicht nur für Filme, sondern auch für Autos. In Kalifornien sind zahlreiche Advanced-Design-Studios stationiert. Wie weit dort vorausgedacht wird, zeigt die Design Challenge der Los Angeles Autoshow - zum Beispiel mit Autos aus Seetang.


Andy Fuzesi erlebt gerade die anstrengendsten Wochen seines Arbeitjahres. Fuzesi ist der Chef der Los Angeles Autoshow und lockt den Messezirkus der PS-Branche alljährlich im Spätherbst nach Los Angeles - in diesem Jahr vom 19. bis 28. November. Nach dem Trauerspiel von 2008, als es am Tiefpunkt der Autokrise auf manchen Messeständen nicht einmal mehr für ein paar Scheinwerfer reichte, und der durchschnittlichen Show des vergangenen Jahres blickt er mit froher Erwartung auf das kommende Ereignis.

"Die Flaute ist offenbar vorüber, wir rechnen mit bester Stimmung", sagt Fuzesi und schwärmt von rund zwei Dutzend Weltpremieren, die in Los Angeles enthüllt werden sollen. Fuzesi ist nicht kleinlich und rechnet auch die dezente Renovierung des VW Eos dazu oder die AMG-Variante des neuen Mercedes CLS. Doch es gibt auch ein paar echte Neuheiten: Nissan zum Beispiel hat das erste wirkliche Geländewagen-Cabrio angekündigt, Chevrolet zeigt den offenen Camaro, und bei Chrysler steht das neue Modell mit Namen 200.

Fast ebenso wichtig wie die realen Novitäten sind Fuzesi Auto-Visionen für Morgen. Um in der Konkurrenz der großen Automessen aufzufallen, haben er und sein Team vor ein einigen Jahren die LA Design Challenge erfunden. So, wie sich der Genfer Salon im Frühjahr als Schaufenster von Kleinserienherstellern und Karosseriebauern etabliert hat, setzt Fuzesi auf die Ideen der Design-Studios, die rund um Los Angeles ihren Sitz haben. Ob General Motors oder Honda, Toyota oder Nissan, VW oder Mercedes - fast jeder Autohersteller hat eine Art Think-Tank in Kalifornien, um frühzeitig Trends aufzuspüren und nach Ideen für das Autos von Morgen zu fahnden.

Diesen "kreativen Spirit", den es - etwas klassischer vielleicht - sonst wohl nur noch rund um Mailand gibt, nutzt Fuzesi jedes Jahr mit einem Wettbewerb. Die Design-Studios erhalten nahezu unlösbare Aufgaben, was die Ergebnisse umso überraschender macht. In diesem Jahr etwa sollen die Kreativen einen Viersitzer entwerfen, der weniger als 500 Kilo wiegt. Leichtbau, so die Organisatoren der Design Challenge, sei einer der Schlüssel zum umweltfreundlichen Auto.

Design-Entwürfe ohne jedwede Einschränkung

Wenn weder Ingenieure Einwände erheben, noch Controller zur Kostendämpfung anhalten, ist es für Designer ein Leichtes, aufsehenerregende Leichtbau-Fahrzeuge zu kreieren. Papier ist schließlich geduldig, und so entstanden für den diesjährigen Wettbewerb kühne Konstruktionen aus ganz neuen Materialien; Fahrzeugvisionen wie der Mercedes Biome oder der Toyota Nori etwa sollen dereinst aus Biomasse gefertigt werden - aus Seetang zum Beispiel.

Auch beim Thema Antrieb sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Verbrennungsmotor, Hybridantrieb oder Batteriepower? Gemessen am elektrisch ausbalancierten Einrad von Maybach oder dem Druckluft-Motor des Honda Air ist das alles ziemlich altmodisch. Der Hollywood-Star von Morgen fährt, so jedenfalls sieht es die Zukunftsstudie der Volvo-Designer vor, ganz einfach mit heißer Luft.

Leider wird es solche Autos niemals geben. Schon von den Studien gibt es ja lediglich Zeichnungen - keine Modelle. "Sobald wir von den Studios reale Konstruktionen fordern würden, bekäme der Wettbewerb eine Dimension, bei der auch die Controller mitreden. Viele Entwürfe würde es dann wahrscheinlich gar nicht geben", erklärt Fuzesi die Tatsache, dass die Design Challenge eine Art überdimensionales Autoquartett der Zukunft ist. Und Spaß macht es auf jeden Fall, sich zumindest optisch in die Welt der Autoideen für übermorgen zu versetzen.

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insgesamt 3 Beiträge
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Realo, 20.10.2010
1. Was für ein Krampf !
Eigentlich möchte ich nur meinen alten Renault R4 "in besser" wiederhaben. 4 Türen, eine Heckklappe, Einzelradaufhängung, 19 cm Bodenfreiheit, 635 kg Gewicht, aber 560 kg Zuladung. Spitze 135 km/h bei einem Verbrauch von 5 l Super Benzin. Ach ja, ankurbeln konnte man den auch noch wenn die Batterie mal schlapp machte. Warum baut den keiner "in besser" aus nachwachsenden Rohstoffen als Elektro / Wasserstoff/ oder Biodiesel-Hybrid. Die ganzen Zeichnungen dieser "Fahrzeuge" sind für mich nur eines: SACKFEILEN ! Wer will denn da einsteigen ohne sich zu verbiegen und dann "Rücken" zu haben ? Da geht ja nichtmal eine Kiste Bier rein, geschweige eine 4 köpfige Familie. Liebe Designer verschont uns bitte mit dem Schrott, baut doch bitte etwas praktisches, pragmatisches mit einem Nutzwert, was ihr da treibt ist Onanie.
Clawog 20.10.2010
2. Heiße Luft
Das ist es wohl, heiße Luft. Aber kein dieser Genies kommt auf die interessante Idee, z.B ein Auto ohne Räder zu bauen und auch kein Benzin benötigt. Auf den "Schienen" gibt es dieses Konzept schon und es funktioniert, Maglev und in China. Der Transrapid ist ja erfolgreich von den grünen "Visionären" abgeschossen worden.
MJM1605 20.10.2010
3. Wenn mal wieder…
der Schwachsinn Triumphe feiert.
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