Tuner Ludovic Lazareth Am Anfang war der Motor

Viel Hubraum und wenig drumherum, so baut Ludovic Lazareth seine Fahrzeuge. "Achtzylinder sind Skulpturen", findet er. Seine neueste Kreation: Ein Motorrad mit Maserati-Motor und 470 PS.

Lazareth

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Ludovic Lazareth erinnert sich noch gut an sein erstes selbstgebautes Motorrad: "Es war weder besonders hübsch noch ließ es sich richtig fahren. Aber es hatte diesen wunderschönen 5,9-Liter-V8-Motor von Chevrolet!" Erst der Motor, dann mal schauen - nach diesem Konzept fertigt der Franzose auch fast 30 Jahre später noch Eigenwilligkeiten auf zwei, drei oder vier Rädern.

Lazareth lebt und arbeitet im französischen Annecy. Von hier aus ist es nicht weit bis nach Genf, wo der 47-Jährige seine neueste Kreation jetzt auf dem Autosalon vorgestellt hat: Die LM 847. Das Motorrad besteht hauptsächlich aus einem V8-Motor von Maserati. Die restliche Ausstattung beschränkt sich im Wesentlichen auf jeweils zwei dicht beieinander liegende Räder hinten und vorn sowie einige Karbonteile und eine Lenkstange. Sie ist direkt an dem 4,7 Liter großen Aggregat angebracht, das 470 PS leisten soll.

"Bei mir beginnt jedes Projekt mit dem Motor", sagt Lazareth. "Ich baue das Fahrzeug um ihn herum." Und zwar möglichst so schlicht wie bei der LM 847. Denn am meisten kommt es ihm darauf an, dass von der Mechanik des Antriebs viel sichtbar bleibt. "Der Motor soll die Karosserie sein."

Straßenzulassungen? Lazareth ist da zuversichtlich...

In seiner Werkstatt in Annecy hat Lazareth nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Jahren jeweils rund 20 Fahrzeuge produziert und verkauft. Nicht alle sehen wie die LM 847 nach Fortbewegungsmitteln von Superhelden aus; der Franzose und seine Mitarbeiter modifizieren auch Motorräder von BWM, Yamaha, Kawasaki und Ducati und bauen Quads und Dreiräder. "Diese Fahrzeuge eignen sich besser als Autos dazu, um den Motor in den Vordergrund zu rücken", sagt Lazareth. "Außerdem ist es bei ihnen einfacher, eine Straßenzulassung zu bekommen."

Ludovic Lazareth
Jason Critchell

Ludovic Lazareth

Selbst bei der LM 847 ist er zuversichtlich, dass die Behörden grünes Licht geben. Für das Exemplar auf dem Genfer Autosalon spielt das allerdings keine Rolle. "Die Maschine ist verkauft", sagt Lazareth. Der Preis liegt wohl bei einem Betrag um die Viertelmillion Euro. Dort, wo der Käufer wohne, sehe man das mit der Straßenzulassung nicht so eng.

"Meine Kunden sind meistens Sammler", sagt der Franzose, "sie behandeln diese Fahrzeuge nicht wie Fortbewegungsmittel, sondern eher wie Skulpturen." Lazareth stört sich nicht daran, dass seine Schöpfungen die meiste Zeit unbenutzt bleiben. "Achtzylinder sehen ja in der Tat wie Kunstwerke aus", findet er. Genau deshalb stellt er sie so nackt wie möglich aus.

Ein Motorenentkleider

Wird bei normalen Fahrzeugen viel Wert auf die Motorverkleidung gelegt, kommt es bei Lazareth eher auf die Motorentkleidung an. Durch Dämmung und Schutz hört man das Aggregat außerdem kaum mehr, und das will der Franzose auf jeden Fall vermeiden. "Ich stamme aus einer Generation, für die Motorengeräusche noch eine wichtige Bedeutung besitzt", sagt Lazareth. "Den Sound von einem Ferrari-Motor oder einem großen V8 aus den USA finde ich wunderschön."

Auf das Auto an sich kommt es ihm dabei gar nicht so an: Wenn es mal vorkommt, dass der Motorentkleider in seiner Werkstatt einen Pkw über einen Achtzylinder stülpt, dann ist es meistens ein Kleinwagen. Zum Beispiel ein Renault Twingo mit einem 3,5 Liter großen Range-Rover-Aggregat, oder ein alter Mini mit 5,9-Liter-Chevy-V8.

"Für jedes Rad ein Aggregat"

Dass diese Hingabe an den Hubraum nicht besonders zeitgemäß ist, leuchtet Lazareth ein. Je größer der Motor, desto mehr Verbrauch und Abgase - aber dass sich seine Kreationen an der Umwelt versündigen? "Sie werden doch sowieso nicht viel bewegt, da spielen die Emissionen doch keine Rolle."

Lazareth gibt aber zu, dass er den allgemeinen Trend zum Downsizing bedauert. Seine geliebten V8 sind vom Aussterben bedroht. Und was an einem völlig lautlosen Antrieb faszinierend sein soll, will sich ihm nicht recht erschließen. "Lieber ein kleiner Verbrennungsmotor als ein Elektromotor. Man muss schon etwas hören", sagt er.

Sein nächstes Projekt klingt dann auch nach einer trotzigen Kampfansage: Upsizing statt Downsizing - und zwar nicht mehr Zylinder, sondern gleich mehr Motoren. "Vielleicht bringe ich nächstes Jahr ein Quad mit vier Verbrennungsmotoren mit nach Genf", sagt Lazareth. "Für jedes Rad ein Aggregat."

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Flying Rain 11.03.2016
1. Gefällt
Gefällt mit sehr aber mit der Doppelbereifung ist das Ding warscheinlich ein Alptraum wenn man es fahren will. Trotzdem sieht es toll aus
dani216 11.03.2016
2. Ist bei der FZR Turbo genauso.
Zitat von Flying RainGefällt mit sehr aber mit der Doppelbereifung ist das Ding warscheinlich ein Alptraum wenn man es fahren will. Trotzdem sieht es toll aus
Wie soll man bei dem Anstellwinkel der Vorderachse jemals einigermaßen eine Kurve fahren, geschweige denn eine enge? Die Dinger sind wohl eher nicht fürs fahren gemacht.
Onkel Uwe 11.03.2016
3.
Zitat von Flying RainGefällt mit sehr aber mit der Doppelbereifung ist das Ding warscheinlich ein Alptraum wenn man es fahren will. Trotzdem sieht es toll aus
Das ist das eine Problem. Das andere ist, dass mich das ganze Teil zu sehr an die Dodge Tomahwak erinnert: http://images.google.de/imgres?imgurl=http://moto.zombdrive.com/images/dodge-tomahawk-10.jpg&imgrefurl=http://moto.zombdrive.com/dodge/dodge-tomahawk/&h=417&w=720&tbnid=gKSxrfORN0z01M:&docid=IUNaKC54CCpcOM&ei=ZariVu31POqE6ATSnbKgAg&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=6305&page=1&start=0&ndsp=30&ved=0ahUKEwitvMukwrjLAhVqApoKHdKODCQQrQMISzAI
hgri 11.03.2016
4. Wäre ich Monsieur Lazareth
würde ich mich fragen, ob die Konstruktion auch für Kurvenradien < 100m geeignet ist.
dröhnbüdel 11.03.2016
5. Irrsinn auf Rädern
Was der Franzose in seiner Werkstatt zusammenschraubt, ist natürlich total bekloppt. Aber wie langweilig wäre die Welt ohne Bekloppte? Die Dinger sind mir jedenfalls lieber als die saublöden SUVs, mit denen heute jeder Idiot herumfährt.
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