Dieselautos Diesen Städten drohen Klagen wegen Luftverschmutzung

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erhöht den Druck auf Behörden: Mehr als 40 Städte sollen nachweisen, dass sie Maßnahmen gegen zu hohe Stickoxid-Werte ergreifen - zum Beispiel Fahrverbote. Ist Ihr Wohnort auch dabei?


Die Liste ist lang: In mehr als 60 Städten werden laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) die Stickstoffdioxid-Grenzwerte um mehr als zehn Prozent überschritten. Weil sich die Organisation dem Kampf für eine bessere Luftqualität verschrieben hat, will Geschäftsführer Jürgen Resch nun Druck auf die Kommunen ausüben. Am Donnerstag kündigte er an, formale Verfahren zur Sicherstellung der Einhaltung der Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) einzuleiten.

Resch sagte, die für die Luftreinhaltung zuständigen Behörden würden aufgefordert, binnen vier Wochen verbindlich wirksame Maßnahmen wie Diesel-Fahrverbote zu erklären. Weiter drohte er: "Wenn die Antworten nicht zufriedenstellend ausfallen, werden wir weitere Rechtsverfahren prüfen und gegebenenfalls kurzfristig einleiten." Mit dieser Vorgehensweise war die DUH unter anderem in Stuttgart erfolgreich: Dort sind nach einem Gerichtsurteil bald Fahrverbote für Dieselautos möglich.

Im Straßenverkehr dürfen europaweit 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter im Jahresmittel nicht überschritten werden. 18 Mal im Jahr darf der Spitzenwert höher als 200 Mikrogramm liegen. Laut Umweltbundesamt war das im Jahr 2016 in Stuttgart jedoch beispielsweise 35 Mal und in Darmstadt 28 Mal der Fall.

Leitet die DUH auch in ihrer Stadt ein Verfahren ein? Hier ist die Liste der Kommunen, die von der DUH ins Visier genommen werden:

(In Klammern steht der dort ermittelte Jahresmittelwert Stickstoffdioxid in Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahr 2016)

  • Baden-Württemberg: Heilbronn (57), Backnang (56), Esslingen am Neckar (54), Ludwigsburg (53), Mühlacker (49), Ravensburg (49), Herrenberg (49), Tübingen (48), Leinfelden-Echterdingen (47), Leonberg (47), Pleidelsheim (47), Mannheim (46), Heidenheim an der Brenz (44), Kuchen (44)
  • Bayern: Nürnberg (46), Augsburg (46)
  • Hamburg (62)
  • Hessen: Marburg 47, Gießen (44)
  • Niedersachsen: Hannover (55), Oldenburg (50), Osnabrück (48), Hildesheim (44)
  • Nordrhein-Westfalen: Düren (60), Hagen (51), Dortmund (51), Bochum (50) Paderborn (50), Wuppertal (49), Bielefeld (49), Siegen (48), Oberhausen (48), Hürth (47), Leverkusen (45), Herne (45), Witten (45), Neuss (45), Mülheim an der Ruhr (45), Schwerte (44), Mönchengladbach 44
  • Rheinland-Pfalz: Ludwigshafen (46),
  • Sachsen: Dresden (45)
  • Sachsen-Anhalt: Halle (46),
  • Schleswig-Holstein: Kiel (65), Norderstedt (44)

In diesen Städten hat die DUH bereits geklagt: Stuttgart (82), München (80), Reutlingen (66), Köln (63), Limburg a.d. Lahn (60), Düsseldorf (58), Darmstadt (55), Wiesbaden (53), Mainz (53), Berlin (52), Frankfurt am Main (52), Offenbach am Main (51), Essen (51), Bonn (49), Aachen (49), Gelsenkirchen (48)

cst

insgesamt 280 Beiträge
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Seite 1
Broko 24.08.2017
1. Unglaublich
Wird Zeit, dass diesem Oeko-Terror-Konstrukt DUH das Handwerk gelegt wird - mit selbst angefertigten Berechnungen "wissen" die bereits, was die Beschlüsse zum Software-Update bringen werden: Wie seriös ist das denn? Wenn die damit durchkommen, glaubt doch wohl hier niemand im Ernst, dass die in anderen Energiebereichen Ruhe geben werden - mit selbst angefertigten Berechnungen ...
TomSuzuki 24.08.2017
2. DUH handelt bewußt umweltschädlich
Die Aktionen der DUH sind populistisch, destruktiv und schaden der Umwelt mehr als sie nützen. Auch die DUH weiß, dass es umweltpolitisch vollkommen falsch ist, funktionsfähige Fahrzeuge zu verschrotten, um dafür neue Fahrzeuge (z.B. E-Mobile) herzustellen. Wieder müssen neue Ressourcen eingesetzt werden und die Umweltbelastung bei der Herstellung betragen ein Vielfaches von dem, was ein heute zugelassenes Fahrzeug bis zu seinem (natürlichen) Ende überhaupt noch ausstoßen kann. Darüber hinaus ist die Herstellung von E-Mobilen gegenüber Verbrennern deutlich belastender für die Umwelt und gleicht sich erst aus, wenn der Verbrenner schon 150.000 - 200.000 km gefahren ist. Da der DUH diese Zusammenhänge bekannt sind, geht es ganz offensichtlich nur darum, Aufmerksamkeit zu erlangen. Um die Umwelt oder um Menschen geht es hier nicht oder bestenfalls nur vordergründig.
chichawa 24.08.2017
3. Für Normalbürger nicht nachvollziehbar
dass bei Stickoxykoinzentrationen von mehr als 40 Mikrogramm ganze Städte für Fahrzeuge (welche denn nun genau) gesperrt werden sollen, aber die erlaubte Konzentration am Arbeitsplatz den etwa 20-fachen Wert betragen darf. Natürlich muss auf kranke Menschen, Ältere oder Kinder Rücksicht genommen werden, aber ist der Faktor 20 hier der Richtige? Die Messstationen sind ja nur punktuell aufgestellt an bestimmten Straßen. Wird daraus geschlossen, dass diese Situation überall in der Stadt gegeben ist. Werden nur Straßen im Umfeld der Messstation gesperrt? Wie ist die Lage im Bereich von Kraftwerken, Häfen und Bahnhöfen, wo regelmäßig Schiffe und Diesellokomotiven verkehren und Brennstoffe "verheizt" werden? Ich finde, wir sollten alle Emmissionsquellen soweit wie möglich zurückschrauben, aber doch bitte mit zukunftsfähiger Technik in allen Bereichen. Die sogennante Deutsche Umwelthilfe sucht sich doch nur ein prominentes Opfer und möchte einen -warum auch immer- so gesetzten Grenzwert einklagen. Für mich, typisch Rechthaberei.
peki45 24.08.2017
4. Dieselskandal, DUH
Sehr geehrte D+H Ich habe gerade einen Kommentar eines Herrn gelesen, der sich über die DUH beschwert, da Sie angeblich dem Autofahrer verbietet sein Dieselfahrzeug in der Stadt zu benutzen. Dieser Herr sollte froh sein, dass es die Initiative der DUH gibt. Scheinbar ist es diesem Herrn entgangen, dass seit Jahren die von der EU vorgeschriebenen Grenzwerte durch die Bundesregierung (Herrn Dobrindt) nicht eingehalten bzw. ignoriert werden. Normalerweise müsste die EU gegen D wegen Nichteinhaltung der Grenzwerte klagen und nicht die DUH. Desweiteren scheint es dem Herrn entgangen zu sein, dass im Abgasskandal die Deutsche Autoindustrie mit krimineller Energie den Verbraucher sowie den Staat betrogen hat. In den USA hat die Autoindustrie ihre gerechte Strafe erhalten, in Deutschland mauschelt die Regierung (Herr Dobrindt) zusammen mit der Autoindustrie zum Schaden des Autokäufers bzw-Besitzers. Die Regierung deckt damit die kriminellen Machenschaften der Autoindustrie. Dieser Herr sollte daran denken, dass die Grenzwerte nicht zum Spass von der EU gemacht werden, sondern zum Schutze der Gesundheit der Bevölkerung. Falls dieser Herr jetzt bedenken hat, dass er in Zukunft nicht mehr mit seinem (Stink-)Diesel in die Stadt fahren darf, dann sollte er sich nicht bei der DUH beschweren, sondern bei seinem (kriminellen) Autohersteller.
msdelphin 24.08.2017
5. Fahrverbote könnten wir vermeiden!
Bei dem ganzen Skandal um die Einhaltung der Grenzwerte gibt es dreiHauptverantwortliche Gruppen: 1. Die Automobil-Hersteller: Sie haben definitiv bei den Abgaswerten betrogen und betrügen immer noch und das obwohl es inzwischen technische effektive Lösungen gibt (LKW und Busse beweisen dies). Damit haben die Autohersteller auch die Kunden betrogen, die sich bewusst für "saubere, umweltfreundlichere" Autos entschieden haben und die Menschen, die sich in den betroffenen Strassen aufhalten und ihnen vertraut haben. Die Strafe sollte so empfindlich sein, dass sich die Konzerne demnächst überlegen, wie weit sie gehen. 2. Die Politiker, die entweder bewusst bei den Betrügereien mitgemacht haben und der Autoindustrie den Rücken gedeckt haben oder sowas von unqualifiziert/dämlich sind, dass sie ungeeignet für Amt sind und schnellstens abdanken sollten. Diese Politiker haben der Gesundheit ihrer Wähler/Klientel massiv geschadet um sich persönliche Vorteile durch Vetternwirtschaft zu verschaffen. Diese Politiker müssen ebenfalls abgestraft werden (mindestens mit Abwahl). 3. Aber der Autofahrer selbst ist ebenfalls für die Luftverschmutzung verantwortlich, vor allem weil er uneinsichtig ist. Warum kauft sich ein grosser Teil SUVs, die ein mehrfaches an Abgasen ausstossen, obwohl es viel sparsamere Fahrzeuge gibt. Warum muss der Autofahrer auf Autobahnen unbegrenzt fahren, obwohl hohes Tempo den Treibstoffverbrauch und damit die Abgase massiv steigert. Und warum müssen viele Autofahrere überhaupt mit dem Auto in die Innenstädte fahren? Viele könnten genausogut mit öffentlichen Nahverkehr, mit dem Fahrrad, zu Fuss oder mit Fahrgemeinschaft zur Arbeit kommen. Das würde den Verkehr an den Engstellen massiv entlasten. Aber wir Autofahrer lieben die Bequemlichkeit: Warum soll ich auf meinen Komfort verzichten. Mich betreffen/belasten die Abgaswerte ja nicht. Egoistisches Verhalten aller Beteiligten ist der Hauptgrund für die Grenzüberschreitung in den Städten.
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