Luxusautos von Bufori Neue Konkurrenz für Bentley, Rolls-Royce und Co.

Dagegen wirkt selbst ein Bentley wie biedere Massenware. Denn ein Bufori ist nicht nur prunkvoller, sondern vor allem seltener: Nur ein halbes Dutzend davon fährt durch Europa. Mit ihrem Auftritt in Genf wollen die Malaien das jetzt aber ändern.


Eigentlich wollten Gerry, Anthony und George Khouri nur einen zuverlässigen Oldtimer, mit dem man endlich ohne Panne durch die Stadt cruisen konnte. Doch als sie dafür vor rund 25 Jahren zum ersten Mal neue Technik in ein barockes Kleid gesteckt haben, war es mit der Leichtigkeit in Australien schnell vorbei. Denn ihre Idee fand so viele Freunde, dass daraus quasi über Nacht eine eigene Automarke entstanden ist. Und als dann noch das malaysische Königshaus ins Spiel kam und die Australier mit einem Werk ins Land gelockt hat, wurden die Oldtimerfans vollends zu Automanagern.

Seit Mitte der neunziger Jahre montieren deshalb bei Kuala Lumpur rund hundert Arbeiter den Bufori. "Der Name soll nach italienischer Eleganz klingen und ist zugleich ein Akronym", erläutert der deutsche General-Manager Felix Haller, der den australischen Brüdern zur Hand geht: B wie brillant, U wie unique, F wie funtastic, O wie original, R wie romantic und I wie irrestistable, dekliniert er den Namen durch und gibt damit schon eine ziemlich präzise Beschreibung der Autos, die nun beim Genfer Salon erstmals auf einer großen Bühne stehen. Angesichts der schillernden Chromorgie rund um den Grill, des auf Wunsch aus Echtgold ziselierten Markenlogos auf dem Kühler und der weit geschwungenen Kotflügel sehen selbst Oldtimer von Rolls-Royce und Bentley ziemlich blass aus.

Für den ersten Auftritt auf internationalem Parkett haben die drei Brüder mit dem sympathischen Hang zur Selbstironie - "Ich bin Gerry, der Hässliche, das ist Anthony mit den schlechten Augen und das George ohne Haare" - gleich eine Weltpremiere mitgebracht: Die neue Luxuslimousine Geneva. Schon der Prototyp auf dem Messestand ist gut 5,30 Meter lang, und bis im Juni die Produktion beginnt, wird der Geneva noch um einen halben Meter wachsen, stellt Haller in Aussicht.

6000 Arbeitsstunden für ein Auto

Betreten wird der Wagen ganz standesgemäß durch riesige Portale, die wie beim Rolls-Royce hinten entgegen der Fahrtrichtung angeschlagen sind. Dort lässt sich der gestresste Geschäftsmann tief in ein weiches Sofa fallen und genießt alles, was das Luxusleben angenehmer macht: Denn in 6000 Arbeitsstunden pro Fahrzeug haben die Mechaniker nicht nur reichlich Holz und Leder verbaut, sondern auch ein Barfach und einen Humidor montiert. Außerdem gibt es auf Wunsch einen integrierten Wasserkocher für die Espressomaschine oder eine Teeküche auf dem Mitteltunnel.

Zwar sieht der Geneva aus jeder Perspektive aus wie eine pseudohistorische Mischung aus Kitsch und Kopie von Autos aus den zwanziger Jahren. Doch haben die Entwickler mit dem Versprechen der modernen Technik Wort gehalten. Nicht umsonst hat der Luxusliner einen 430 PS starken Achtzylinder von Chrysler, der ihn in weniger als sechs Sekunden auf Tempo 100 bringt und 260 km/h erlaubt. Außerdem sollen Fahrer oder Chauffeur auf ein Nachtsichtsystem, ein Head-up-Display oder eine Spurführungshilfe bauen können. Nimmt man all das zusammen, ist der Preis vergleichsweise gering - selbst wenn man noch Steuern, Zoll und Transport addieren muss: "Ab Werk kostet der Wagen nur 300.000 Dollar", sagt Haller.

Pro Jahr 50 bis 60 Autos

Kaum weniger exotisch als der große Gleiter ist der nebenan geparkte La Yoya, der rund 150.000 Dollar kostet. "Das ist mittlerweile die fünfte Evolutionsstufe", sagt Haller und klopft anerkennend auf die Karosserie aus mit Kohlefaser verstärktem Kunststoff, die sich über einen Rahmen aus poliertem Edelstahl spannt. Vorn öffnen sich die Hauben, verbergen allerdings nur ein wenig Stauraum und Servicefläche. Denn der Motor des Coupés steckt direkt an der Hinterachse zwischen den Sitzen und dem kleinen Kofferraum. Er stammt aus dem geplatzten Joint-Venture von Chrysler, Hyundai und Mitsubishi, hat sechs Zylinder und 2,7 Liter Hubraum und steht mit gerade einmal 170 PS im Datenblatt. Für schnelle Sprints ist das ein bisschen wenig. "Doch in diesem Auto will man reisen, nicht rasen", kommentiert Haller die vergleichsweise mageren Leistungsdaten. Außerdem gilt in Malaysia schließlich ein Tempolimit von 110 km/h.

Zwar bauen die Malaien in einem guten Jahr zwischen 50 und 60 Autos, sagt Haller. Doch nach Europa haben sie es bislang allenfalls auf Umwegen geschafft. "Es gibt zwischen Moskau und Madrid höchstens ein halbes Dutzend Autos", zählt der General-Manager durch und hofft demnächst auf eine Belebung des Geschäfts: "Denn auch hier gibt es sicher mehr als genug Autofans, die sonst schon alle exotischen Sportwagen in der Garage haben." Das allein ist allerdings nicht der Grund für den Auftritt beim Genfer Salon. Damit zielt der Kleinserienhersteller vielmehr auch auf die asiatischen Märkte, auf Indien oder China, wo gerade intensive Verhandlungen mit neuen Händlern laufen. "Wenn wir unsere Neuheiten zu Hause vorstellen würden, dann hätte davon kaum jemand Notiz genommen. Hier in Genf ist das anders", sagt Haller: Für zwei Wochen ist das der Nabel der Autowelt.

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