Luxusmarke Maybach Schickes Design, kaum Kundschaft

Das riesige Auto wird auf Messen fast versteckt, und auf der Straße ist es ebenfalls kaum zu sehen: Der Maybach wird zum Problemfall für Daimler-Chef Dieter Zetsche. Mittlerweile steht das Thema ganz oben auf der To-do-Liste des Top-Managers. Was soll er mit der Highend-Marke machen?

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TMN

Bislang hatte Dieter Zetsche für das Thema Maybach eine prima Ausrede: Solange Mercedes schlingerte, gab es einfach dringendere Probleme als die Luxusmarke. Inzwischen aber fahren die Autos mit dem Stern wieder auf der Erfolgsspur, und es wird langsam Zeit, sich um die Nobel-Limousinen zu kümmern. Denn während Bentley und Rolls-Royce wieder zulegen, dümpelt die Marke aus Sindelfingen weiterhin jenseits der Wahrnehmungsgrenze. Maybach ist der wunde Punkt des Portfolios. Die globalen Absatzzahlen sind gering, in der offiziellen KBA-Statistik läuft die mindestens 405.671 Euro teure Limousine unter "Sonstige". Zum Vergleich: Für Rolls-Royce registrierte das KBA im vergangenen Jahr 38 Neuzulassungen in Deutschland, für Bentley 201.

Um dieser Peinlichkeit ein Ende zu machen, muss sich Zetsche schnell etwas einfallen lassen. Denn mit jedem Monat wächst der Rückstand auf die Konkurrenten, leidet das Image stärker und werden die Fragezeichen hinter dem Projekt immer größer. Kein Wunder also, dass Insider verstärkte Beratungsaktivitäten in Stuttgart registrieren und spätestens zur IAA im September in Frankfurt mit einer Antwort auf die Frage "Quo vadis Maybach?" rechnen.

Das Problem dabei: Wie es weitergehen soll, weiß bislang keiner so recht. Designer und Ingenieure sprechen zwar davon, durchaus einige "pfiffige Vorschläge" für neue Modelle in den Schubladen zu haben. Doch wenn Zetsche jetzt in Interviews sagt, dass eine Milliarde Dollar für die Entwicklung des Maybach "kein gutes Investment für ein Auto mit geringem Absatzvolumen" gewesen sei, ist ein nagelneuer Maybach wohl die einzige Option, die von vornherein ausscheidet. Stattdessen kursieren Gerüchte über eine Kooperation mit Aston Martin, die Herabstufung der Marke zu einer Ausstattungsvariante oder gleich über die komplette Einstellung des Maybach-Experiments.

Wie orientierungslos Daimler im Umgang mit dem Über-Mercedes ist, zeigen einige Eigenwilligkeiten der vergangenen Monate: Als der Karosseriebauer Xenatec aus dem benachbarten Weinsberg im Frühjahr eine Coupé-Variante des Luxusliners ankündigte, reagierten die Schwaben nicht - wie sonst bei solchen Vorhaben - verschnupft. Sondern eher erfreut, dass sich überhaupt noch jemand für Maybach interessiert. Markenmanager Patrick Marinoff sagte: "Wir stehen der Kooperation mit Xenatec positiv gegenüber und bauen hierbei auf ein gegenseitig vertrauensvolles Verhältnis."

Erst ein prolliges Riesencoupé, dann ein durchlöchertes Kunstwerk

Kaum hatte die kleine, sehr zahlungskräftige Maybach-Kundschaft diesen Anschlag auf ihr Stilbewusstsein verdaut, nahm sich der Künstler Julian Schnabel eines Maybachs an und inszenierte ein vom Beschussamt Ulm perforiertes Modell mit in blutroter Farbe aufgepinselten Frauennamen auf der Biennale in Venedig als Kunstobjekt. "So geben wir den Maybach vollends zum Abschuss frei", frotzelt ein Mercedes-Manager, der namentlich lieber nicht genannt werden will.

Die Beispiele zeigen, dass das Marketing für ein Highend-Auto delikat sein kann. Eine klare Kursvorgabe ist überfällig - übrigens auch aus technischer Sicht. Schließlich basiert das Auto, das nie sonderlich fortschrittlich war, auf der Technik der letzten S-Klasse und läuft praktisch als fabrikneuer Oldtimer vom Band.

Als wahrscheinlichste Option für den weiteren Weg von Maybach gilt derzeit die Zusammenarbeit mit Aston Martin. Erst kürzlich äußerte sich Zetsche gegenüber Journalisten dahingehend, dass es da draußen "offensichtlich Unternehmen gibt, die mehr Erfahrung mit geringen Stückzahlen haben als wir". Wirtschaftlich mag eine solche Auslagerung sinnvoll sein. Doch für das Image von Maybach und auch Mercedes wäre das ein Armutszeugnis. Wie kann der Hersteller, die sich zum 125. Geburtstag des Automobils momentan als dessen Erfinder inszeniert, ausgerechnet das als "Krone des Automobilbaus" gepriesene Flaggschiff als Fremdauftrag vergeben?

Wird Maybach in Zukunft eine Ausstattungsvariante - oder doch eingestellt?

Eine zweite, schlüssigere Alternative wäre die Herabstufung von Maybach zu einer Ausstattungsvariante. Mercedes würde dann Maybach verkaufen als das, was die Luxusautos immer schon waren: die dickste Version der S-Klasse. Mit Lack und Leder und verlängertem Radstand und einigen exklusiv erhältlichen Extras wäre der S 600 Maybach das luxuriöse Äquivalent zum sportlichen S 63 AMG. Damit könnte sich Daimler den ganzen Aufwand einer separaten Markenführung sparen. Zudem ließe sich dieses Prinzip auch auf andere Baureihen wie den CL, vielleicht ein großes Cabrio und einen der Geländewagen ausweiten.

Bleibt als dritte mögliche Option noch die Einstellung der Marke, die so aufwändig wiederbelebt wurde. Das würde nicht nur die bisherigen Kunden vergrätzen, sondern vor allem wäre es ein Gesichtsverlust für Zetsche, der sich lange für den Luxusliner stark gemacht hat. Wer weiß, vielleicht spielt der Daimler-Chef auch auf Zeit. Sein Vertrag läuft Ende 2013 aus. Ein Nachfolger könnte, ganz ohne Gesichtsverlust sondern als Signal großer Entschlussfreudigkeit, die Marke Maybach wieder dorthin zurück bringen, wo sie herkam: ins Museum.

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insgesamt 114 Beiträge
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Tr1ple 03.07.2011
1. Neues Design muss her!
Der Maybach muss einen Oldschool look bekommen sowie der neue SL! Am besten man orientiert sich am Mercedes 600 Pullmann. Mercedes wird mit dem Retro look punkten wie Rolls Royce!
Flightkit, 03.07.2011
2. einfache Sachen sind die schwierigsten
Die sollten es mal mit der Hinzufügung von Emotion versuchen. Also bitte nicht Kitsch, pimping, wie es offenbar auch funktioniert. Sondern Eleganz, die berührt. Sehr schwer. Ich weiß nicht, was schickes Design meint, aber es rührt die Seele des Betrachters nicht an. Es bewirkt Anerkennung und Respekt, aber das ist die falsche, die rationale Ebene. Die sollen sich mal die Kulmination im W126 ansehen, den Anstieg dann den abrupten Wechsel und das mäandrierende Auslaufen bis zum heutigen Tage.
Regulisssima 03.07.2011
3. Zu protzig !
Der Wagen ist so protzig, dass er sich nur für Drogenhändler, Spekulanten und den Beamtenadel eignet.
arrow64 03.07.2011
4. -
Ich würd's begrüssen, wenn dieses Fahrzeug für Bundeskanzlerin und Bundespräsident der Dienstwagen werden würde. Das Ding hat Stil!
1thomas, 03.07.2011
5. Idee
Zitat von arrow64Ich würd's begrüssen, wenn dieses Fahrzeug für Bundeskanzlerin und Bundespräsident der Dienstwagen werden würde. Das Ding hat Stil!
Ja, aber möglichst als Elektroauto!
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