Luxusautos auf dem Genfer Autosalon: Kunstwerke für die Garage

Aus Genf berichtet Jürgen Pander

Luxusautos auf dem Autosalon Genf: Edel, gut und extrem teuer Fotos
James Lipman

In Genf lässt sich herrlich Geld verprassen, schließlich zeigen Hersteller wie Rolls-Royce, Bentley oder McLaren auf dem Salon ihre neuesten Produkte. Die Hersteller freuen sich über eine wachsende Nachfrage - und wissen doch, dass manche der Autos zwar gekauft, aber nicht richtig gefahren werden.

Mit Superlativen soll man vorsichtig sein, doch jetzt ist nicht die Zeit für Bescheidenheit. "Dieses Auto ist der ultimative Gentlemen's Grand Tourer", sagt Torsten Müller-Ötvös, Chef der zur BMW gehörenden Marke Rolls-Royce. Die Briten sprechen vom neuen Modell Wraith als dem "stärksten Rolls-Royce aller Zeiten". V12-Motor, 632 PS, von 0 auf Tempo 100 in 4,6 Sekunden - die Eckdaten des Zweitürers klingen nach Supersportwagen, doch diese Einschätzung weist Müller-Ötvös umgehend zurück. "Sportlich ist nicht der richtige Begriff für Rolls-Royce, dieses Auto bietet vielmehr eine außergewöhnliche Dynamik."

Was es noch bietet ist eine Canadel-Vertäfelung, also Edelholz-Applikationen aus dem gleichnamigen Küstenort in Frankreich. Außerdem eine Zweifarblackierung, dank der die Fastback-Karosserie erst richtig zur Geltung kommt sowie ein durch Satelliten-Daten unterstütztes Achtgang-Automatikgetriebe, das die Gänge je nach Topografie oder Straßenverlauf vorausschauend wählt.

Müller-Ötvös sagt, all diese Ingredenzien ergäben kombiniert das Gefühl, als sei man auf einem fliegenden Teppich unterwegs. Selbstverständlich auf einem in den Farben des Union Jack. "Britishness ist ein substanzieller Wert für Rolls-Royce. Am Beispiel Wraith ist es natürlich der Einsatz der Materialien: das Leder, die Hölzer, die Lammfellteppiche. Und es ist auch der Geruch. Fast könnte man von einem olfaktorischen Erlebnis sprechen, das durch die eingesetzten Materialien entsteht."

Tradition ist das eine, Zukunftsperspektive ist das andere. 3575 Autos lieferte Rolls-Royce im vergangenen Jahr aus, Verkaufs-Hotspots waren Peking, Abu Dhabi und Shanghai. Vor allem auf diesen Märkten soll auch das neue Coupé die Kassen klingeln lassen. Der Wagen soll eher jüngere Kunden ansprechen, Millionäre, die Spaß am Autofahren haben und das Image weg von der Chauffeurs-, hin zur Selbstfahrermarke trimmen.

245.000 Euro netto kostet der Wraith, die ersten Modelle werden im Oktober ausgeliefert. Noch während des Premierentrubels unmittelbar nach der Enthüllung des Wagens gingen die ersten Bestellungen für das gedrungen-bullige Auto ein. "Unsere Klientel eint Wohlstand", sagt Müller-Ötvös.

Der Markt für Luxusautos ist "potenziell unbeschränkt"

Ein zweites Merkmal der potenziellen Rolls-Royce-Kundschaft ist dies: Sie wächst. Die Gruppe der High-Net-Worth-Individuals (HNWI) und Ultra-High-Net-Individuals (UHNWI) - also jener Menschen, die über mehr als eine Million oder mehr als 30 Millionen freies Anlagevermögen verfügen - wird global auf rund elf Millionen Menschen geschätzt. "Der potenzielle Markt ist also fast unbeschränkt", sagt Christoph Stürmer, Analyst beim Beratungsunternehmen IHS Automotive.

Rabiaten Wettbewerb wie im Kompakt- oder Mittelklassesegment gibt es in diesen Sphären des Autobaus nicht. Müller-Ötvös: "Kunden in diesem Segment wählen nicht zwischen zwei Automarken, sie kaufen im Zweifel jedes Fahrzeug, das sie besitzen möchten."

Es könnte also passieren, dass ein solcher Kunde von einem Ausflug auf den diesjährigen Autosalon in Genf gleich vier neue Fahrzeuge mitbringt. Neben dem Rolls-Royce Wraith zum Beispiel noch einen Bentley Flying Spur und einen LaFerrari, denn auch diese Fabrikate zählen zu den oberexklusiven Novitäten dieser Messe. Und dann vielleicht noch den McLaren P1, der exakt 1,06 Millionen Euro netto kosten wird, über einen Hybridantrieb mit insgesamt 916 PS verfügt und in 17 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 300 fetzt.

Ein McLaren-Sprecher trägt die technischen Details des Autos vor wie eine Hightech-Litanei. Nachdem alles Wesentliche aufgezählt ist, lächelt er und sagt: "Und jetzt kommt die eigentliche Pointe: Kaum ein Käufer wird das Auto auch nur annähernd adäquat fahren. Dieser Wagen wird vor allem an Sammler gehen, die ihn behandeln wie ein Kunstwerk."

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Kunstwerk oder Anlageobjekt
ManRai 17.03.2013
Frueher wars die ROLEX als Anlageobjekt, heute das Superauto oder warum werden in Singapore so viele Ferraris und Kollegen mit km Leistung von wenigen 100s bis untere 1000s angeboten - die wurden scheinbar nie gefahren, oder vom Haendler in die Garage und einmal getankt.
2. dem ist wohl so...
andy69 17.03.2013
Zitat von ManRaiFrueher wars die ROLEX als Anlageobjekt, heute das Superauto oder warum werden in Singapore so viele Ferraris und Kollegen mit km Leistung von wenigen 100s bis untere 1000s angeboten - die wurden scheinbar nie gefahren, oder vom Haendler in die Garage und einmal getankt.
... und damit auch die allseits bekannte Angriffssfläche "Umweltschwein" ad absurdum geführt. Diese Autos fahren so gut wie nicht sondern stehen nur zum Anschauen in Räumen. Wer sichs leisten kann - von mir aus.
3. Ich kann jeden Sammler verstehen
donjeta 17.03.2013
Sehr gerne würde ich einen LaFerrari in meinem Schlafzimmer begutachten. Vor dem Zubettgehen gäbe es ein Küsschen - Traum, werd wahr.
4. hahaha
bonbox 17.03.2013
Wer ein schönes Auto erstanden hat und für Ewigkeiten in die Garage als Anlage verbannt , nun gut . Wenn würde ich damit fahren , um einen Fahrspaß zu haben . Das Leben ist zu kurz um einen gewissen Motorisierten Spaß in der Garage vergammeln zu lassen . Außerdem ist es nur ein Auto .
5. Luxusautos
hubertrudnick1 17.03.2013
Zitat von sysopIn Genf lässt sich herrlich Geld verprassen, schließlich zeigen Hersteller wie Rolls-Royce, Bentley oder McLaren auf dem Salon ihre neuesten Produkte. Die Hersteller freuen sich über eine wachsende Nachfrage - und wissen doch, dass manche der Autos zwar gekauft, aber nicht richtig gefahren werden. Luxusmodelle auf dem Autosalon: Rolls-Royce, Bentley, Ferrari, McLaren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/luxusmodelle-auf-dem-autosalon-rolls-royce-bentley-ferrari-mclaren-a-887431.html)
Luxusautos sind und bleiben auch nur das was sie sind, einfach nur ein Auto, wobei die Bestizer etwas mehr Geld in ihren Taschen haben, aber ein Auto zu einem Kunstobjekt zu verklären ist auch nur was für Leute die die Schönheit der Welt nur auf ein technisches Produkt reduzieren wollen. Für alle anderen ist und bleibt ein Auto ein ganz normaler Gebrauchsgegenstand und nicht mehr. HR
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