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27. Oktober 2011, 09:05 Uhr

Mängel-Report

Jeder siebte Bus fällt beim TÜV durch

Busse in Deutschland gelten nach Angaben des TÜV als das sicherste Reisemittel. Trotzdem fällt jedes siebte Fahrzeug bei der jährlichen Hauptuntersuchung durch. Immerhin eine Zahl beruhigt: Nur 0,2 Prozent der Busse mussten aus dem Verkehr gezogen werden.

Berlin - Der Fuhrpark der deutschen Veranstalter von Busreisen ist in einem schlechten Zustand. Knapp 14 Prozent der Fahrzeuge hätten ihre Plakette erst nach einem Werkstatt-Besuch erhalten, teilte der TÜV-Verband am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des Bus-Reports 2011 mit. Ausgewertet wurden die Ergebnisse von 50.000 Hauptuntersuchungen. Dabei stellten die Prüfer Mängel an fast jedem zweiten Fahrzeug fest.

In 13,8 Prozent der Fälle ging es um erhebliche Mängel, die einen Werkstattbesuch erforderlich machten; geringe Mängel wiesen 30,5 Prozent auf. Völlig verkehrsuntauglich sind allerdings nur wenig Busse. Aus dem Verkehr gezogen werden musste nur jeder 500. Bus (0,2 Prozent) - insgesamt rund 100 Fahrzeuge.

Besonders häufig beanstandete der TÜV Mängel an der Beleuchtung (19,4 Prozent). Es folgten Fehler an Motor und Antrieb (5,2 Prozent), an den Achsen (5,0 Prozent) und Rost an tragenden Teilen (4,9 Prozent). Die Bremswirkung war bei 4,0 Prozent aller Busse eingeschränkt, bei 2,6 Prozent stellte der TÜV ein zu großes Lenkungsspiel fest.

Im Schnitt 8,8 Jahre alt

Besonders die betagten Fahrzeuge fielen negativ auf, besonders, wenn es um die schweren Mängel ging. So lag die Beanstandungsquote in diesem Bereich bei einem einjährigen Bus bei 4,5 Prozent, nach sieben Jahren hatte sie sich fast verdreifacht (12,4 Prozent). Bei 20-jährigen Bussen registrierten die Experten in 26,9 Prozent der Fälle erhebliche Mängel. Die in Deutschland zugelassenen Busse haben nach Angaben des TÜV ein Durchschnittsalter von 8,8 Jahren.

Trotz dieser Zahlen bleiben die Mängelwächter bei ihrer Aussage, Busse seien das sicherste Verkehrsmittel. Als Grund nennt Klaus Brüggemann vom TÜV-Verband die gesetzlichen Auflagen. So müsse der Fahrer vor der Abfahrt eines Busses bestimmte Kontrollen durchführen. Die hohe Zahl vermeidbarer Mängel beispielsweise bei der Beleuchtung sehe er allerdings als Indiz dafür, "dass diese Abfahrtskontrollen nicht so ganz ernst genommen werden". Auch Öllecks im Motorraum, die ein hohes Brandrisiko beinhalteten, seien bei einer solchen Kontrolle erkennbar. "Das sollte eigentlich nicht zu einer Mängelquote von 12 Prozent führen."

Busse müssen in Deutschland jedes Jahr zur Hauptuntersuchung und ab dem dritten Jahr viermal jährlich zu einer Sicherheitsüberprüfung. Der TÜV rief Busunternehmen auf, gerade bei älteren Fahrzeugen rechtzeitig Instandhaltungsarbeiten vorzunehmen. Verbraucher wiederum, die eine Busreise planten oder organisierten, sollten die Angebote genau prüfen und nicht nur auf den Preis achten. Sicherheit gebe es nicht zum Nulltarif. "Wenn der Einzelne immer weniger bereit ist, für einen hohen Qualitätsstandard Geld auszugeben, spart er am Ende auch an der Sicherheit."

Statistisch gesehen sei das Risiko, mit einem Pkw zu verunglücken, um ein Vielfaches höher, sagte Brüggemann. Aber schwere Busunglücke der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass im Falle eines Unfalls häufig viele Tote und Schwerverletzte zu beklagen seien. Im Juni 2007 waren auf der Autobahn zwischen Magdeburg und Halle 13 Menschen bei einem Busunglück ums Leben gekommen. Gut ein Jahr später, im November 2008, starben bei Hannover 20 Menschen, als ein Bus in Flammen aufging und komplett ausbrannte.

rom/dapd

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