Mängel-Report: Jeder siebte Bus fällt beim TÜV durch

Busse in Deutschland gelten nach Angaben des TÜV als das sicherste Reisemittel. Trotzdem fällt jedes siebte Fahrzeug bei der jährlichen Hauptuntersuchung durch. Immerhin eine Zahl beruhigt: Nur 0,2 Prozent der Busse mussten aus dem Verkehr gezogen werden.

Reisebusse in München: Prüfer beanstanden besonders oft die Beleuchtung Zur Großansicht
DPA

Reisebusse in München: Prüfer beanstanden besonders oft die Beleuchtung

Berlin - Der Fuhrpark der deutschen Veranstalter von Busreisen ist in einem schlechten Zustand. Knapp 14 Prozent der Fahrzeuge hätten ihre Plakette erst nach einem Werkstatt-Besuch erhalten, teilte der TÜV-Verband am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des Bus-Reports 2011 mit. Ausgewertet wurden die Ergebnisse von 50.000 Hauptuntersuchungen. Dabei stellten die Prüfer Mängel an fast jedem zweiten Fahrzeug fest.

In 13,8 Prozent der Fälle ging es um erhebliche Mängel, die einen Werkstattbesuch erforderlich machten; geringe Mängel wiesen 30,5 Prozent auf. Völlig verkehrsuntauglich sind allerdings nur wenig Busse. Aus dem Verkehr gezogen werden musste nur jeder 500. Bus (0,2 Prozent) - insgesamt rund 100 Fahrzeuge.

Besonders häufig beanstandete der TÜV Mängel an der Beleuchtung (19,4 Prozent). Es folgten Fehler an Motor und Antrieb (5,2 Prozent), an den Achsen (5,0 Prozent) und Rost an tragenden Teilen (4,9 Prozent). Die Bremswirkung war bei 4,0 Prozent aller Busse eingeschränkt, bei 2,6 Prozent stellte der TÜV ein zu großes Lenkungsspiel fest.

Im Schnitt 8,8 Jahre alt

Besonders die betagten Fahrzeuge fielen negativ auf, besonders, wenn es um die schweren Mängel ging. So lag die Beanstandungsquote in diesem Bereich bei einem einjährigen Bus bei 4,5 Prozent, nach sieben Jahren hatte sie sich fast verdreifacht (12,4 Prozent). Bei 20-jährigen Bussen registrierten die Experten in 26,9 Prozent der Fälle erhebliche Mängel. Die in Deutschland zugelassenen Busse haben nach Angaben des TÜV ein Durchschnittsalter von 8,8 Jahren.

Trotz dieser Zahlen bleiben die Mängelwächter bei ihrer Aussage, Busse seien das sicherste Verkehrsmittel. Als Grund nennt Klaus Brüggemann vom TÜV-Verband die gesetzlichen Auflagen. So müsse der Fahrer vor der Abfahrt eines Busses bestimmte Kontrollen durchführen. Die hohe Zahl vermeidbarer Mängel beispielsweise bei der Beleuchtung sehe er allerdings als Indiz dafür, "dass diese Abfahrtskontrollen nicht so ganz ernst genommen werden". Auch Öllecks im Motorraum, die ein hohes Brandrisiko beinhalteten, seien bei einer solchen Kontrolle erkennbar. "Das sollte eigentlich nicht zu einer Mängelquote von 12 Prozent führen."

Busse müssen in Deutschland jedes Jahr zur Hauptuntersuchung und ab dem dritten Jahr viermal jährlich zu einer Sicherheitsüberprüfung. Der TÜV rief Busunternehmen auf, gerade bei älteren Fahrzeugen rechtzeitig Instandhaltungsarbeiten vorzunehmen. Verbraucher wiederum, die eine Busreise planten oder organisierten, sollten die Angebote genau prüfen und nicht nur auf den Preis achten. Sicherheit gebe es nicht zum Nulltarif. "Wenn der Einzelne immer weniger bereit ist, für einen hohen Qualitätsstandard Geld auszugeben, spart er am Ende auch an der Sicherheit."

Statistisch gesehen sei das Risiko, mit einem Pkw zu verunglücken, um ein Vielfaches höher, sagte Brüggemann. Aber schwere Busunglücke der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass im Falle eines Unfalls häufig viele Tote und Schwerverletzte zu beklagen seien. Im Juni 2007 waren auf der Autobahn zwischen Magdeburg und Halle 13 Menschen bei einem Busunglück ums Leben gekommen. Gut ein Jahr später, im November 2008, starben bei Hannover 20 Menschen, als ein Bus in Flammen aufging und komplett ausbrannte.

rom/dapd

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1. .
dale_gribble 27.10.2011
Zitat von sysopBusse*in Deutschland gelten nach Angaben des TÜV als das sicherste Reisemittel. Trotzdem fällt jedes siebte Fahrzeug bei der jährlichen Hauptuntersuchung durch. Immerhin eine Zahl beruhigt: Nur 0,2 Prozent der Busse mussten aus dem Verkehr gezogen werden. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,794215,00.html
"Fehler in der Beleuchtung?" Ich glaube, dass da ein Skandaelchen gezaubert werden soll wegen ein paar kaputten Nummernschildlampen...
2. Ich kenne Länder ...
unifersahlscheni 27.10.2011
... da käme nur jeder 700ste Bus gerade mal so durch den (deutschen) TÜV...!
3. Au weia...
valen-tin 27.10.2011
Zitat von sysopBusse*in Deutschland gelten nach Angaben des TÜV als das sicherste Reisemittel. Trotzdem fällt jedes siebte Fahrzeug bei der jährlichen Hauptuntersuchung durch. Immerhin eine Zahl beruhigt: Nur 0,2 Prozent der Busse mussten aus dem Verkehr gezogen werden. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,794215,00.html
... ein wirklich erschreckendes Ergebnis. Fast ein Drittel weisen "geringe Mängel" auf. Darunter kann man von der defekten Kennzeichenbeleuchtung bis zu leichtem Lenkungsspiel so ziemlich alles verstehen, was nicht besonders sicherheitsrelevant ist. "bei 20 jährigen Bussen..." Ich lach mich gleich tot. Wieviel von denen sind denn da überhaupt noch regelmäßig auf der Straße? 5?10?100? Viel mehr dürften es wohl nicht sein. Ich möchte die Fahrgäste sehen, wenn da ein 20 Jahre alter Reisebus vorfährt, bei dem nämlich keineswegs die heute üblichen Annehmlichkeiten wie klimaanlage, WC etc. selbstverständlich waren. Zumindest für den Bereich der fernreisbusse halte ich die Aussage hinsichtlich des Durchnittsalters für zu hoch angesetzt. Das würde in etwa eine Laufleistung von über 800.000 km bedeuten, um diese zu erreichen, wären schon umfangreiche und damit teure Arbeiten an Motor und Antriebsstrang notwendig. Und, last but not least, lieber Autor, ein KOM ( Kraftomnibus) mit mehr als 8 Sitzplätzen muss zwar ab dem dritten Jahr nach Erstzulassung vierteljährlich zur SP ( Sicherheitsprüfung), aber das erste Mal muß er nach 18 Monaten zur SP und danach bis zum dritten Jahr halbjährlich. Ein bischen mehr Gründlichkeit bei der Recherche wäre wohl angebracht. Ich kann nur einem Punkt in diesem Artikel voll zustimmen: Wer ausschliesslich nach dem Preis entscheidet, muss sich nicht wundern, was dann für ein Bus vorfährt.
4. Als Viehtransporter keine Zulassung
Hercules Rockefeller 27.10.2011
Was im deutschen ÖPNV rollt, würde als Viehtransporter keine Zulassung bekommen. Immerhin, ÖPNV härtet ab. Hartplastikschalen, die der Anatomie Quasimodos oder eines Kleiderständers nachempfunden sind-da baut sich schnell eine zentimeterdicke Hornhaut um die Wirbelsäule herum auf, da lacht man über jeden Bandscheibenvorfall. Im Winter wird wahlweise nicht geheizt, oder der Bus auf Saunatemperatur gebracht. Ich überlegte schon oft, ob ich ein paar Steine mitbringe und zur Freude aller einen Aufguss mache. Im Sommer ist es wieder umgekehrt, eine Klimaanlage ist zwar vorhanden, das Greisenvolk muckt aber beim kleinsten Luftstoß auf ("es zieht"), so wird das famose Gerät niemals angeschaltet. Dazu zahlt man fürstliche Premiumpreise, man wähnt sich in einer Reihe mit dem Scheich von Dubai, nur das dieser dafür den Ferrari volltankt. Ja, ÖPNV ist wirklich toll. Sicherheit braucht man nicht, wer die normale Fahrt überlebt, den kann auf Erden nichts mehr schrecken...
5. Frage
Altesocke 27.10.2011
Zitat von sysopKnapp 14 Prozent der Fahrzeuge hätten ihre Plakette erst nach einem Werkstatt-Besuch erhalten, teilte der TÜV-Verband am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des Bus-Reports 2011 mit.
Mit Ausnahme der unter 5 Jahre alten Busse, gehe ich mal davon aus, das 100% VOR dem Tuev-Besuch in einer 'Werkstatt' waren, und das davon dann weitere 14% erneut 'eingeliefert' werden muessen. Ist das bei PKW's besser, eigentlich?
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