Rücktritt ausgeschlossen ADAC-Präsident sieht sich als Garant der Aufklärung

Die Entrüstung über den Manipulationsskandal beim ADAC ebbt nicht ab. Bei Volkswagen denkt man sogar über die Rückgabe des Preises nach. Club-Präsident Peter Meyer hält jedoch von Rücktritt gar nichts.

ADAC-Präsident Meyer: Autobosse fordern Aufklärung
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ADAC-Präsident Meyer: Autobosse fordern Aufklärung


Berlin/München - Eine Demutsgeste und eine Entschuldigungsadresse an die Mitglieder müssen genügen. Drastischere Konsequenzen will ADAC-Präsident Peter Meyer nicht ziehen. Der "Bild"-Zeitung sagte Meyer auf die Frage, ob er schon an Rücktritt gedacht habe: "Nein. Wenn der Wind von vorne kommt, muss man das auch mal aushalten können. In diesem Fall bin ich auch der Garant für die Aufklärung in der Sache."

Meyer kündigte zudem Strukturreformen an, die mehr Transparenz schaffen sollen. "Wir sind jetzt in der Bringschuld, die Reputation wieder herzustellen." An der Führungsmannschaft will er jedoch festhalten. Doch es zeichnet sich bereits ab, dass es bei kosmetischen Änderungen nicht bleiben kann. Denn auch wenn sich derzeit alle auf die Forderung nach rascher Aufklärung beschränken - die ersten Absetzbewegungen sind bereits erkennbar.

Den Anfang macht der Wolfsburger Autoriese Volkswagen, dessen Golf am vergangenen Donnerstag vom ADAC in München mit dem "Gelben Engel" ausgezeichnet worden war. "Wir müssen jetzt sehen, wie wir mit dem Preis umgehen", sagte ein VW-Sprecher der "Süddeutschen Zeitung". In Wolfsburg wird derzeit nicht ausgeschlossen, dass man die Auszeichnungen wieder zurückgeben werde. Die Entscheidung darüber bleibe erst einmal offen, hieß es. Vieles hänge nun davon ab, wie der ADAC den Fall intern aufkläre.

Eine groß angelegte Anzeigen-Kampagne hat der Konzern bereits wieder abgeblasen. Auch BMW und Daimler, die in den vergangenen Jahren ebenfalls Träger des Preises waren, forderten eine umfassende Aufklärung.

Dobrindt fordert Rückkehr zu den Wurzeln

Angesichts der kritischen Nachfragen bemüht sich Meyer etwas hilflos um Schadensbegrenzung. Er warnte davor, die Glaubwürdigkeit des Autoclubs insgesamt in Frage zu stellen. Er schloss zugleich aus, dass bei den Ergebnissen anderer Tests, beispielsweise von Autobahnraststätten oder Kindersitzen, geschummelt wurde. "Unsere Technik- und Verbraucherschutztests werden nach festgelegten, stets nachprüfbaren Kriterien durchgeführt. Teilweise sind Zertifizierungsunternehmen an diesen Tests beteiligt", erklärte Meyer.

Der Vertrauensverlust kommt allerdings nicht von ungefähr: Der aufgedeckte Skandal hat größere Dimensionen als bislang angenommen, denn Ex-Kommunikationschef Michael Ramstetter schönte nach eigener Aussage nicht nur 2014, sondern auch in den Jahren zuvor bei der Umfrage zum Lieblingsauto der Deutschen die Zahlen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) riet dem Club zur Besinnung auf seine Kernkompetenz. "Der ADAC muss sich wieder mehr auf seinen ursprünglichen Auftrag konzentrieren, den Service für die Mitglieder und die Interessenvertretung der deutschen Autofahrer: Mehr um den einzelnen Autofahrer kümmern, weniger Show und Glitzer - der ADAC ist doch nicht Hollywood!"

mik/dpa

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Seite 1
Dr. Akula 21.01.2014
1. Wieso
Zitat von sysopDPADie Entrüstung über den Manipulationsskandal beim ADAC ebbt nicht ab. Bei Volkswagen denkt man sogar über die Rückgabe des Preises nach. Club-Präsident Peter Meyer hält jedoch von Rücktritt gar nichts. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/manipulationsskandal-adac-praesident-meyer-schliesst-ruecktritt-aus-a-944612.html
darf ein "Verein" überhaupt Firmen gründen, bzw. haben? Die ADAC-Firmen sind doch nie auf einer regulären Mitgliederversammlung beschlossen worden, aber mit dem Geld der MITGLIEDER gegründet/beschafft worden und das Risiko wurde über das Vereinsvermögen abgedeckt. Ähnliches gilt dann auch für TÜV, Rotes Kreuz usw. Alle Institutionen die letztlich nur "in sich ruhen", sich selbst gehören und von den Mitgliedern nicht kontrolliert werden (können) - der Fall "Coop" fällt mir dazu noch ein. Ist dieser Missbrauch tatsächlich vom deutschen Vereinsrecht gedeckt?
Demokrat aus BaWü 21.01.2014
2. Die CSU hat einen Zuträger in der ADAC-Hauptverwaltung
Ich vermute sogar stark, dass die CSU die PKW-Vignette erst dann derart forciert hatte, als sie wusste, dass sie gegen den schärfsten Gegner der Vignette etwas in der Hand hat. Um diesen zum Schweigen zu bringen.
rkinfo 21.01.2014
3. Ein Neuanfang beim ADAC ist nötig
Die Marke 'ADAC' ist derart ramponiert dass nur neue Köpfe und auch Trennung Verein vom Geschäftsbetrieb nötig wird. Aufzuarbeiten auch ob Lobbyisten den ADAC unterwandert haben und somit jener (längst) nicht mehr unabhängig wertet. Die Manipulation kann nur die Spitze des Eisberges an Verfehlungen sein !! Allerdings gibt es viele Freiwillige beim ADAC - so auch ich - welche eine Wiederherstellung des gutes Rufes erhoffen was aber sicherlich länger dauern wird.
wiebkedunker 21.01.2014
4. VW - Rückgabe
Die Entrüstung über den Manipulationsskandal beim ADAC ebbt nicht ab. Bei Volkswagen denkt man sogar über die Rückgabe des Preises nach. VW: Nachdenken ist gut - Rückgabe ist besser!
m_ocean 21.01.2014
5. was hat sich in Bayern/BRD geändert?
Zitat von sysopDPADie Entrüstung über den Manipulationsskandal beim ADAC ebbt nicht ab. Bei Volkswagen denkt man sogar über die Rückgabe des Preises nach. Club-Präsident Peter Meyer hält jedoch von Rücktritt gar nichts. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/manipulationsskandal-adac-praesident-meyer-schliesst-ruecktritt-aus-a-944612.html
....eigentlich nichts! Wie nach dem Dritten Reich keiner an irgendetwas Schuld haben wollte und alles leugnete, so haben auch heute nur wenige Führungskräfte und Politiker die menschliche Stärke Fehler einzugestehen und Konsequenzen für das eigene Versagen zu ziehen. Besonders in Bayern sind die Amtstuben und Gerichtssäle bis heute noch sehr sehr dunkel.......
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