Der Fall Marco Reus "Eine Nachlässigkeit der Behörden"

Erst jetzt ist aufgeflogen, dass Marco Reus keinen Führerschein besitzt - obwohl der Fußballer innerhalb von drei Jahren fünfmal geblitzt wurde. Wie kann das sein?

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Auf dem Fußballplatz gilt der Dortmunder Profi Marco Reus als sprintstarker Kicker. Auf der Straße ist er ebenfalls gerne schnell unterwegs: Bereits fünfmal ist der 25-Jährige seit September 2011 mit seinem Auto laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung schon geblitzt worden. Umso verwunderlicher ist es, dass erst im März 2014 bei einer Verkehrskontrolle herauskam: Der Nationalspieler hat gar keinen Führerschein.

Wie kann es sein, dass das so lange nicht auffiel?

"Das ist eine Nachlässigkeit der damit verbundenen Behörden", sagt Frank-Roland Hillmann, Fachanwalt für Verkehrsrecht. Ihm zufolge ist das jedoch keine Seltenheit bei Bußgeldverfahren. "Das normale Vorgehen ist: Sie bekommen einen Anhörungsbogen, den Sie ausfüllen müssen. Wenn Sie die Tat zugeben und das Bußgeld begleichen, landet der Bogen bei einem Sachbearbeiter, und die Sache ist erledigt", sagt Hillmann. Bei der enormen Anzahl von Fällen pro Tag könne gar nicht bei jedem einzelnen mit der gebotenen Gründlichkeit überprüft werden, ob eine gültige Fahrerlaubnis vorliege

Flensburg prüft erst ab vier Punkten

Reus hatte seine Bußgeldbescheide offenbar immer brav beglichen. Außerdem waren seine Temposünden nicht so gravierend, dass er in Flensburg viele Punkte sammelte. Denn in der Verkehrssünderdatei werden Bußgelder wegen Geschwindigkeitsübertretungen zunächst "nur zur Kenntnis genommen", so Fachanwalt Hillmann - erst ab vier Punkten gebe es eine sogenannte Ermahnung, bei der eine fehlende Fahrerlaubnis auffallen könne.

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Marco Reus: Ein Fan von kleinen und großen Autos
Auch ob der Wagen dabei auf Reus zugelassen sei oder nicht, spiele keine Rolle - laut Hillmann kann man in Deutschland auch als Fahrzeughalter eingetragen sein, ohne eine Fahrerlaubnis zu besitzen.

Die zuständige Bußgeldstelle in Dortmund wollte sich zu dem Fall auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht äußern. Auch die Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft Dortmund konnte keine Angaben machen, warum nicht bei den früheren Vergehen schon aufgefallen war, dass Reus keinen Führerschein besaß.

Reus droht der "Idiotentest"

Trotz seiner dreisten Fahraktionen darf der Nationalspieler jetzt auf Gnade hoffen: Die Staatsanwaltschaft kündigte bereits an, keine Führerscheinsperre gegen ihn verhängen zu wollen. Ihm solle nicht die Möglichkeit verbaut werden, das Ablegen einer Fahrprüfung nachzuholen, sagte die Sprecherin der Ermittlungsbehörde.

Allerdings droht ihm eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU): Nämlich dann, wenn die Führerscheinstelle, bei der er seine Fahrprüfung anmeldet, "Fahreignungszweifel" gegen ihn hat. "Und in diesem Fall", so Verkehrsanwalt Hillmann, "sind Zweifel durchaus angebracht."

Bisher beschränkt sich die Strafe für Reus auf ein Bußgeld. Das ist allerdings gewaltig: Insgesamt 540.000 Euro kosten ihn die Auto-Eskapaden. Die Höhe berechnet sich aus 90 Tagessätzen zu je 6000 Euro netto. Laut "Bild"-Zeitung geht die Staatsanwaltschaft bei Reus damit von einem Netto-Monatseinkommen von 180.000 Euro aus.

Diese Summe kommt nicht nur durch das Gehalt von Borussia Dortmund zustande, sondern auch durch Sponsorengelder. Der Fußballer wirbt unter anderem für eine limitierte Sonderedition des Opel Adam "powered by Marco Reus" und für ein "Hot Wheel"-Spielzeugauto von Mattel.

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smh/AFP/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 173 Beiträge
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Seite 1
spon-1274700444768 18.12.2014
1. Großkreutz, Klopp, Reus..
Watzke, Zorc.....die Liste der Arroganz wird länger und länger. Oft wurde Bayern als - sportliches und wirtschaftliches - Vorbild genannt. Mittlerweile scheint der Knigge des schlechten Bayern-Benehmens das Vorbild zu sein. Natürlich gibt es immer wieder "normale" Bürger, die ebenfalls ohne Führerschein fahren. weil sie Prüfungsangst o.ä. haben. Nur hier gibt es halt die Vorbildfunktion. Und auch dafür werden Leistungssportler teilw. extrem gut bezahlt. Ich bin gespannt, wie das in einer Malocher-Stadt wie Dortmund ankommt. Denn die Leute da sind grundehrlich und für solche Sperenzchen kaum zu haben. Und dann noch der Tabellenstand.....
morx 18.12.2014
2.
"Trotz seiner dreisten Fahraktionen darf der Nationalspieler jetzt auf Gnade hoffen: Die Staatsanwaltschaft kündigte bereits an, keine Führerscheinsperre gegen ihn verhängen zu wollen." Ach wie schön, weihnachtliche Gnadenakte. Ich möchte auch mal berühmt sein.
myoto 18.12.2014
3. Jaja, der arme Mann
Bloß nicht die Möglichkeit zum Führerschein nachmachen nehmen. Wäre bei armen und normalen Leuten natürlich genauso gelaufen!
jujo 18.12.2014
4. ...
Alle Menschen sind gleich, Profiußballer und Nationalspiekler sind offensichtlich gleicher!
spon-1203783564503 18.12.2014
5. Mal ohne schwarzgelbe Brille
gesehen ist die Äußerung der Staatsanwaltschaft ja schon interessant. Da ist also ein Marco Reus, der sich ohne Problme ein Jahr lang ein Taxi leiten kann und diesem soll keine Führerscheinsperre auferlegt werden. Man könnte ihm ja die Zukunft verbauen. Ob die Staatsanwaltschaft das wohl bei jedem 25 jährigen so anwendet? Immerhin ist er 5 Jahre ohne Führerschein gefahren da kann sich Herr Reus auch nicht mit: "war ein Versehen" rausreden. Spannend wird wohl auch was Herr Löw und der DFB zu dem Vorfall sagt, immerhin kann er ja kein so kein Vorbild für die Jugend sein.
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