Cadillac, Chrysler, Ford, Lincoln, Bentley oder Rolls-Royce - was bei Treffen von Autoklassikern über die Flaniermeile rollt, kennt Margaret Dunning buchstäblich aus eigener Erfahrung. Bei vielen der heute als Oldtimer hoch gehandelten Wagen saß sie schon am Steuer. Und zwar zu einer Zeit, als diese Autos noch Neuwagen waren. Die zierliche Dame mit dem offenherzigen Lachen ist 102 Jahre alt. Ihr eigenes aktuelles Auto dagegen erst 82.
Es handelt sich um einen Packard 740 aus dem Baujahr 1930, der auch heute noch strahlt wie am ersten Tag. Perfekt restauriert, mittlerweile 22-mal lackiert und sehr viel öfter auf Hochglanz poliert, war der cremefarbene Roadster mit dem Schwiegermuttersitz hinter dem Passagierabteil der erste Oldtimer, der vom Classic Car Club of America die Höchstwertung von 100 Punkten erhielt. Dieser Triumph erfüllt Mrs. Dunning noch heute mit Stolz, auch wenn er schon ein paar Jahrzehnte her ist.
Margaret Dunning saß schon mit neun Jahren am Steuer eines Autos. Mit zwölf erbte sie von ihrem Vater einen Ford Model T, als Teenager reparierte sie erstmals Autos - und überhaupt: Sie schwärmt für die Benzinkisten, seit sie denken kann. Den Packard, den sie heute noch fährt, kaufte sie Ende der vierziger Jahre - da galt das Auto bereits als Klassiker.
Mit 106 PS durch Michigan
Ein Zufall bescherte ihr den Wagen: Eine Freundin war damals gerade schwanger und stellte ihrem Mann ein Ultimatum. "Wenn du glaubst, dass ich unser Kind in so einer alten Karre herumfahre, dann hast du dich geschnitten", fasst Dunning die damalige Situation zusammen. Der werdende Vater verkaufte ihr daraufhin das Auto.
Seitdem hat Dunning den Roadster nicht nur immer und immer wieder repariert und restauriert, sondern sie ist ihn auch regelmäßig gefahren. "Allerdings zeigt der Zähler lediglich 27.000 Meilen an, weil der immer mal wieder zurückgestellt wurde", sagt die rüstige Dame. "Aber ich bin ein Vielfaches davon gefahren."
Auch heute sitzt sie noch regelmäßig am Steuer. Mindestens einmal im Monat holt sie den Wagen aus der Garage, lässt den 6,3 Liter großen und 106 PS starken Achtzylinder anspringen und kurvt anschließend durch Michigan. Vorher jedoch werden Handtücher aufs Trittbrett und auf den Wagenboden gelegt - schließlich soll nichts schmutzig oder zerkratzt werden.
Nach dem Ölstand schaut sie selbst
Sogar um den Service kümmert sie sich persönlich. "Zündkerzen auswechseln und nach dem Ölstand schauen ist doch selbstverständlich", sagt Dunning. "Nur zum Polieren des riesigen Prunkschiffs ruft sie mittlerweile ein paar Freunde an", sagt einer ihrer Begleiter.
Um den Packard herum hat Dunning, die zwischendurch sogar Präsidentin des bundesweiten Oldtimerclubs der USA war, eine ordentliche Autosammlung aufgebaut. Wie viele Fahrzeuge sie genau hat, weiß die Dame selbst nicht so recht. Ein paar Modelle hat sie bereits an Museen gestiftet, und weil es keinen Erben gibt, will sie die Sammlung weiterhin verkleinern. "Aber der Packard ist mein Lieblingsauto, den gebe ich bestimmt nicht her", sagt sie.
In diesem Jahr nahm Margret Dunning zum ersten Mal am Concours d'Elegance in Pebble Beach teil; bislang war die 102-jährige noch nie eingeladen worden. Natürlich fuhr sie im Packard vor. Selbstredend saß sie am Steuer, als der Altauto-Konvoi über den legendären 17-Miles-Drive zuckelte und auch als es darum ging, den Wagen über die Rampe vor die Jury zu fahren. Bei dieser Gelegenheit übergab ihr der US-Talkshow-Star und Autonarr Jay Leno einen Ehrenpreis.
Das Concours-Wochenende hat sie ein wenig erschöpft, aber zugleich noch ein bisschen stolzer gemacht auf sich und ihren Packard. Jedenfalls denkt Margaret Dunning nicht im Traum ans Aufhören. Es macht ihr einfach unbändigen Spaß. "Solange mir keiner den Schlüssel abnimmt, fahre ich einfach weiter."
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