Virtuelle Bauanleitung für Autos Marta zeigt's allen

Tablet-Computer könnten bald zur Grundausstattung von Werkzeugwagen gehören: Augmented-Reality-Programme sollen Automechanikern die Arbeit erleichtern und als virtuelle Bauanleitung dienen. VW stellt jetzt ein solches System vor - passend zu seinem ambitioniertesten Modell.

Volkswagen

Moderne Autos haben einen großen Nachteil: Ihre Technik ist so komplex, dass der durchschnittliche Fahrzeugbesitzer selbst mit kleinen Reparaturen überfordert ist. Mal eben die Motorhaube hochklappen und mit Zange und Schraubenzieher ein Problem lösen - diese Zeiten sind vorbei. Jetzt gibt es aber eine Hoffnungsträgerin für Hobbybastler: Marta.

Auf diesen Namen hat der Autohersteller Volkswagen eine Augmented-Realtity-Software getauft, die die Wartung von Fahrzeugen erleichtern soll. Er steht für Mobile Augmented Reality Technical Assistance. Das Programm wird auf einen Tablet-Computer geladen. Es erkennt einzelne Bauteile und liefert die dazu passende Reparaturanleitung.

Exklusiv für den XL1

Marta funktioniert so: Zunächst wird über ein Menü eine Anwendung ausgewählt, zum Beispiel "Scheinwerfer ausbauen". Dann wird die Kamera des Tablets auf die entsprechende Stelle des Fahrzeugs gerichtet und die Bauteile gescannt. Marta listet nun auf, welches Werkzeug nötig ist. Anschließend wird jeder Arbeitsschritt virtuell demonstriert und Zusatzinformationen angezeigt. Auf dem Display bekommt man sozusagen ein Livevideo mit Anweisung zu sehen.

Mit Marta, heißt es bei VW, können "Arbeitspunkte schneller und eindeutig identifiziert werden". Zum Einsatz kommt das Programm erstmals beim VW XL1, der in einer Kleinserie von 250 Stück gebaut wird. Der 100.000 Euro teure High-Tech-Hybrid ist laut VW-Markenvorstand Ulrich Hackenberg "eher ein Leuchtturm als ein Geschäftsmodell" und soll zeigen, welches Potenzial heute bereits in der Technik steckt. Das gleiche gilt für Marta: "Es ist ein Forschungsprojekt, das bisher einzig für den XL1 konzipiert wurde", sagt eine VW-Sprecherin.

Nicht bloß eine App

Dass Marta irgendwann auch mal einfache Anweisungen für den Golf, den Polo oder andere Massenmobile gibt, ist laut Anett Gläsel-Maslov derzeit noch eine "Vision". Gläsel-Maslov ist Sprecherin des Münchner IT-Unternehmens Metaio, das auf Augmented-Reality-Technologien spezialisiert ist und Marta für VW entwickelt hat. Ein solches System, sagt sie, hatte sich Werner Schreiber, der Leiter von Volkswagens Konzernforschung, schon lange gewünscht. Kommende Woche wird er es auf der Technologie-Konferenz insideAR vorstellen.

"Die Entwicklung hat zehn Jahre gedauert", sagt Gläsel-Maslov. "Marta ist nicht nur eine App, sondern ein sehr komplexes Programm". Die Kosten für das Projekt sind Geheimsache. Wann es reif für die Großserie ist, will derzeit weder bei VW noch bei Metaio jemand abschätzen.

Marta bleibt also zunächst ein paar Mechanikern vorbehalten, die sich bei ausgewählten VW-Händlern um die Wartung der XL1 kümmern. Ihre kleinen Schwestern stehen aber bereits zum Runterladen für jedes iPhone bereit: Wer zum Beispiel einen neuen Audi A3 oder Opel Insignia fährt, kann sich mit einer App über mehrere hundert Funktionen seines Wagens informieren - ebenfalls mittels Augmented Reality. Eine "Bedienungsanleitung der Zukunft" gibt es damit schon. Echte Hobbyschrauber, die mehr als den Ölstand ablesen wollen, müssen sich aber noch gedulden.

cst

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insgesamt 11 Beiträge
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Mertrager 04.10.2013
1. Polarisiert
Zwischen "Zange und Schraubenzieher" und "MARTA" ist ein weiter Bereich. Dieser ist die eigentliche Normalität bei Autoreparaturen. Er umfasst auch die Bereiche der professionellen Reparaturen und der privaten Wartung. Da dies alles komplett ausgeblendet wird, ist der Bericht ein schmaler Pfad, da die Stellung von Marta bezogen auf die Realität kaum nachvollzogen werden kann.
eichhorns@web.de 04.10.2013
2. Warum iOS???
Wohl nur die "Marketing-Experten" von VW können erklären, warum die App auf auf einem Betriebssystem vorkommt, das in der Realität keine Rolle spielt. Wer nimmt denn bitteschön eins der völlig überteuerten Apple-Geräte mit in die Werkstatt? Alle am Markt erhältlichen Android-Geräte sind sowohl besser als auch kostengünstiger als iPad & Co.
Andreas-Schindler 04.10.2013
3.
Zitat von eichhorns@web.deWohl nur die "Marketing-Experten" von VW können erklären, warum die App auf auf einem Betriebssystem vorkommt, das in der Realität keine Rolle spielt. Wer nimmt denn bitteschön eins der völlig überteuerten Apple-Geräte mit in die Werkstatt? Alle am Markt erhältlichen Android-Geräte sind sowohl besser als auch kostengünstiger als iPad & Co.
Es soll ja nicht für Jedermann sein und wahrscheinlich auch nur für die Teureren Vertragswerkstätten. Wäre ja Geschäftsschädigend wenn jeder Schrauber mit sein Smartphone am Straßenrad wieder sein VW selber Reparieren könnte wie noch vor 20 Jahren.
jensvolker 04.10.2013
4. Die Realität ist subjektiv...
... wie man hier mal wieder sieht. Natürlich ist die App nicht für jedermann gedacht. Wichtig ist, dass sie zumindest in einer kontrollierten Umgebung funktioniert, und da hat iOS gegenüber der fragmentierten Android-Welt eindeutige Vorteile. Kann ich leider auch nichts für.
Bluemoon 04.10.2013
5. Plug-in-Hybrid
bedeutet, dass man die Batterien auch an der Steckdose aufladen kann (Plug=Stecker). Und nicht, dass man beide Motoren gleichzeitig benutzen kann. Bitte nochmal in der Wikipedia nachlesen, lieber cst.
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