Autogramm Maserati Gran Turismo Sport: Der PS-Pavarotti

Von Tom Grünweg

Maserati Gran Turismo Sport: Königlicher Krawall Fotos
Maserati

Dieses Auto ist wie ein Orchester auf Rädern, der Fahrer sein Dirigent und das Gaspedal der Taktstock. Kein anderer Sportwagen klingt so betörend wie der Maserati Gran Turismo. Frisch überarbeitet wird das große Coupé jetzt noch stimmgewaltiger.

DER ERSTE EINDRUCK: Dieser Klang! Man muss den Maserati Gran Turismo nur anlassen, schon ist es um einen geschehen. Sollen Designer und Ingenieure weiter in den Details schwelgen, die gerade an dem großen Coupé verbessert wurden - wer dieses Auto wirklich verstehen will, der schließt am besten die Augen und lauscht. Es erklingt ein Orchester mit acht Zylindern und 32 Ventilen, das in jeder Tonlage aus den beiden Endrohren mit dem aktiven Soundsystem (siehe TECHNIK ERKLÄRT) brabbelt, brüllt, bollert, grollt oder grummelt. Das ist große italienische Oper - mit PS statt Pavarotti.

DAS SAGT DER HERSTELLER: Die kleinen Retuschen des Designs - eine neue Frontschürze mit markanteren Lufteinlässen, neue Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht und das nachgeschärfte Heck - sollen den Gran Turismo Sport von außen näher an den Supersportwagen MC Stradale rücken. Im Innenraum, so die Italiener, wurde der Alltagsnutzen vergrößert. Etwa durch die neuen, schlankeren Sportsitze, die zwei Zentimeter mehr Kniefreiheit für die Hinterbänkler bedeuten.

Das Update für das Coupé war allerdings nur eine Fingerübung für das, was demnächst folgt. Mit drei neuen Modellen will Maserati die Jahresproduktion von derzeit gut 6000 auf 50.000 Fahrzeuge im Jahr 2015 steigern. Wie das funktionieren soll? Durch eine Modelloffensive, die zum Jahreswechsel mit der neuen Limousine Quattroporte beginnt, im Herbst 2013 mit einer komplett neuen, kleineren Limousine fortgesetzt wird und 2014 mit einem SUV-Modell nach dem Vorbild der Studie Kubang abgerundet werden soll.

DAS IST UNS AUFGEFALLEN: Wie schnell und sportlich man den Grand Turismo über die Landstraßen rund um seine Heimat Modena treiben kann. Auf langen Geraden ist das bei dieser Leistung kein Kunststück. Doch trotz der fast zwei Tonnen Leergewicht und knapp fünf Meter Länge schlägt sich der Gran Turismo auch in engen Kehren wacker. Dabei hilft das spürbar straffere Fahrwerk und die direkte Lenkung im Sportmodus. Trotzdem würden dem Auto ein paar Zentner weniger nicht schaden. Dann müsste Maserati die Federn und Dämpfer auch nicht so steif machen, dass es einem bei verschärfter Gangart die Plomben aus den Zähnen schüttelt.

Und wo wir gerade dabei sind: Das fesche Design, der faszinierende Sound und das samtweiche Leder der Edelschneiderei Poltrona Frau können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Innenraum mal gründlich aufgemöbelt werden müsste. Navigation und Klimasteuerung wirken wie von vorgestern, viele Schalter kann man aufgrund des riesigen Lenkrads eher ahnen als sehen, und für ein Auto dieses Formats geht es nicht nur im Fond ziemlich eng zu. In der ersten Reihe wiederum sitzt man bei Konkurrenzmodellen wie dem BMW 6er und dem Jaguar XK besser.

DAS MUSS MAN WISSEN: Es bleibt beim V8 mit 4,7 Litern Hubraum. Allerdings steigt die Leistung um 10 auf 460 PS und das maximale Drehmoment liegt nun bei 520 Nm (+ 20 Nm). Weil zudem die beiden Getriebevarianten schneller schalten, ist der Gran Turismo noch flotter. Die Beschleunigung von 0 auf 100 ist in 4,7 Sekunden möglich und Schluss ist jetzt erst bei 300 km/h. Die Verbrauchsangabe hat zwar bei Fahrzeugen dieser Kategorie allenfalls theoretischen Wert, bleibt aber unverändert bei 15,2 Litern für die Automatikversion und 16,4 für die Variante mit elektrohydraulischem Getriebe.

In den Handel kommt das geliftete Coupé im Juli. Mit Automatik kostet der Gran Turismo Sport dann 123.620 und mit Schaltgetriebe 129.120 Euro. Beim Coupé wird es aber nicht bleiben: Noch in diesem Sommer gibt es dieselben Neuerungen auch für das baugleiche Gran Cabrio.

DAS WERDEN WIR NICHT VERGESSEN: Den Genuss, mit dem wir dieses V8-Orchester mit dem rechten Fuß dirigiert haben, die fanfarengleichen Zwischengasstöße beim Herunterschalten, das Aufbrüllen beim Beschleunigen und das Donnergrollen, das uns durch die engen Schluchten des Apennin begleitet hat. Wer mit diesem Auto auf der Straße ist, dem kann die Skala gestohlen bleiben.

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1. Wie? Zwei Getriebe? Wo ist die Erklärung?
Gerüchtsvollzieher 04.06.2012
Eine "schaltbare" Automatik und eine "nicht schaltbare" Automatik? Ferrari und Maserati haben sich trotz teilweise tollem Sounds durch ihren Schaltautomatik-Wahn (es gibt keine Handschalter mehr!) selber disqualifiziert, auch wenn jetzt sicher wieder viele schreien, daß die Formel 1-Fahrer ja auch nicht mehr richtig schalten. Nur so bekommt man vernünftige Werte im EU-Idioten-Zyklus hin, denn die Automatik-Getriebe lassen sich auf spritsparende Fahrweise programmieren, die Handschalter natürlich nicht. aber der Spass ist jetzt weg, da kann man auch an der Playstation fahren und "schalten", kommt auch günstiger...
2. Die Innenausstattung wirkt billig.
hartholz365 04.06.2012
Das sieht aus als hätte sie ein Opelkadetttuner selber gemacht und mittendrinn wäre das Geld fürs weisse Leder ausgegangen, weil er noch im dritten Lehrjahr als Blechpatscher ist.
3.
artbond 04.06.2012
Zitat von GerüchtsvollzieherEine "schaltbare" Automatik und eine "nicht schaltbare" Automatik? Ferrari und Maserati haben sich trotz teilweise tollem Sounds durch ihren Schaltautomatik-Wahn (es gibt keine Handschalter mehr!) selber disqualifiziert, auch wenn jetzt sicher wieder viele schreien, daß die Formel 1-Fahrer ja auch nicht mehr richtig schalten. Nur so bekommt man vernünftige Werte im EU-Idioten-Zyklus hin, denn die Automatik-Getriebe lassen sich auf spritsparende Fahrweise programmieren, die Handschalter natürlich nicht. aber der Spass ist jetzt weg, da kann man auch an der Playstation fahren und "schalten", kommt auch günstiger...
Oder man sieht ein das sich die Welt und die Technik weiterentwickelt... iich muss im Jahr 2012 mein Automobil auch nicht mehr ankurbeln, warum soll ich dann manuell Schalten? Das Argument der Sportlichkeit mag bei den alten Wandlergetrieben noch gestimmt haben, in Zeiten von DSG oder PDK macht Handschalten keinen Sinn mehr. Zum Thema Spass: ich persönlich finde es nicht spassig sondern lästig von Hand zu schalten und zu kuppeln, wenn das Auto das alleine viel besser macht. Vielleicht mal ein paar Hundert Euro investieren und einen Ferrari oder Porsche mit aktuellem Sportgetriebe ein paar Tage fahren...
4. Ökologisch unkorrekt
mauimeyer 04.06.2012
Das Auto ist so herrlich ökologisch/politisch unkorrekt. Wie will man diesen Sound in einem E-Mobil generieren. Der Motor ist ein mechanisches Kunstwerk und weit von den synthetischen Lösungen, die im CO2-wahn angedacht werden entfernt. Ich habe auch schon lange alle meine Quarz-Uhren entsorgt und freue mich über mechanische Armbanduhren - auch wenn die nicht genauer sind. Zum GT: Eine große formale Veränderung im Verhältnis zum Vorgänger ist Gott sei dank nicht auszumachen. Den tollen Motor hat der Vorgänger auch - Anmutung und Sound allemal. Und den gibt es schon als Spyder - mit das beste, was italienisches Design bisher geboten hat. Danke Masarati!
5.
benutzer5180 04.06.2012
Zitat von artbondOder man sieht ein das sich die Welt und die Technik weiterentwickelt... iich muss im Jahr 2012 mein Automobil auch nicht mehr ankurbeln, warum soll ich dann manuell Schalten? Das Argument der Sportlichkeit mag bei den alten Wandlergetrieben noch gestimmt haben, in Zeiten von DSG oder PDK macht Handschalten keinen Sinn mehr. Zum Thema Spass: ich persönlich finde es nicht spassig sondern lästig von Hand zu schalten und zu kuppeln, wenn das Auto das alleine viel besser macht. Vielleicht mal ein paar Hundert Euro investieren und einen Ferrari oder Porsche mit aktuellem Sportgetriebe ein paar Tage fahren...
Ein Handschalter involviert doch viel mehr. Man muss zum Teil einhändig in engen Kurven fahren, man hat einfach mehr zu tun. Eine Automatik nimmt die "Kunst" aus dem Autofahren. Stellen Sie sich vor, jemand baut eine Geige, die automatisch wie David Garret anfängt zu spielen, sobald man sie anlegt. Wäre das die perfekte Geige?
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Technik erklärt
Bypass-Ventile...

in den beiden Endrohren des Abgasstrangs sorgen für den speziellen Klang des Maserati Gran Turismo Sport. Drückt der Fahrer die Sport-Taste, öffnet sich eine Abkürzung in der Abgasanlage - eben das Bypass-Ventil. Das Resultat: Die heiße Abluft kann schneller entweichen und produziert dabei einen besonders voluminösen Sound.
Fahrzeugschein
Hersteller: Maserati
Typ: Gran Turismo Sport
Karosserie: Sportwagen/Coupé
Motor: V8-Benziner
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 4.961 ccm
Leistung: 460 PS (338 kW)
Drehmoment: 520 Nm
Von 0 auf 100: 4,7 s
Höchstgeschw.: 298 km/h
Verbrauch (ECE): 15,2 Liter
CO2-Ausstoß: 354 g/km
Kofferraum: 260 Liter
Gewicht: 1.880 kg
Maße: 4881 / 1915 / 1353
Preis: 123.620 EUR


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