Autogramm Maserati Quattroporte S Q4: Maserati rüstet ab

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Autogramm Maserati Quattroporte S Q4: Zwei Zylinder weniger Fotos
Maserati

Stärker, schneller, teurer als andere Limousinen - bislang waren Maseratis beim Auto-Quartett immer gut für einen Stich. Künftig gibt es den Quattroporte erstmals auch mit V6-Motor. Ein Abstieg? Nicht die Bohne.

Der erste Eindruck: Dieser Klang! Laut, tief und lustvoll grollt es unter der Haube des Maserati. Brabbelt da wirklich ein Sechszylindermotor? Während die V6-Aggregate von Audi, Mercedes oder BMW nur leise säuseln wie die Musik im Fahrstuhl, dreht der Maserati den Lautstärkeregler schon beim Anlassen heftig auf.

Das sagt der Hersteller: Bislang waren Leistung und Luxus das höchste Gut bei der italienischen Marke, jetzt sprechen die Verantwortlichen erstmals ernsthaft über Erreichbarkeit und Effizienz: Schließlich wird der Quattroporte durch den Verzicht auf zwei Zylinder um fast ein Drittel billiger als das V8-Modell und dazu um knapp zwei Liter sparsamer. Und aufgrund des Allradantriebs taugt die Limousine nun auch noch als Winterauto. "Mit dieser Kombination sprechen wir eine deutlich größere Kundenschicht an", sagt ein Maserati-Sprecher.

Das ist uns aufgefallen: Wie druckvoll der drei Liter große Doppelturbo-Motor mit 410 PS Leistung und 550 Nm Drehmoment zu Werke geht. Okay, jenseits von 200 km/h stürmt er nicht mehr ganz so vehement voran. Doch bei 4,9 Sekunden von 0 auf 100 und einem Spitzentempo von 283 km/h soll sich niemand beklagen.

Der letzte Sechszylindermotor wurde bei Maserati vor knapp 20 Jahren ausgemustert. Immerhin wird der neue V6 bei Ferrari gebaut, weshalb nicht nur die Leistung, sondern vor allem auch der Klang stimmt. Nach dem Fauchen beim Anlassen herrscht im normalen Betrieb erst einmal Ruhe, jenseits von 3000 Touren aber spielt sich der Motor wieder in den Vordergrund. Und sobald die Sporttaste gedrückt wird, öffnen sich zwei pneumatisch gesteuerte Klappen in den Auspuff-Endrohren und das heiße Abgas nimmt den direktesten - und lautesten - Weg ins Freie.

Weniger auffällig arbeitet die zweite Neuerung im Quattroporte, der Allradantrieb. Entwickelt wurde er vor allem mit Blick auf den US-Markt und höher gelegene Regionen in Zentraleuropa. Eine elektronisch gesteuerte Kupplung im Mitteltunnel verteilt die Antriebskraft. Sie ist im Normalbetrieb die meiste Zeit geöffnet, so dass der Q4 als Hecktriebler unterwegs ist. Registrieren die Sensoren jedoch erste Anzeichen von Schlupf, schließen sich die Kupplungsscheiben und leiten binnen 150 Millisekunden bis zu 50 Prozent der Kraft nach vorn. Spürbar ist das vor allem beim Anfahren, in schnellen Kurven und auf schlechtem Asphalt - zudem sieht der Fahrer es an einer Anzeige zwischen Tacho und Drehzahlmesser.

Nachdem die Produktion des Quattroporte in der Achtzylinderversion jetzt ein halbes Jahr läuft, hat sie sich offensichtlich eingespielt. Die bei der ersten Ausfahrt mit der Limousine bemängelten Schlampereien bei der Verarbeitung jedenfalls waren bei den aktuellen Testfahrzeugen ebenso abgestellt wie die lästigen Windgeräusche. Was leider bleibt, ist das kühle, nüchterne und nicht eben vornehme Ambiente, dem man den neuen US-Einschlag im Konzern und manche Teile von Chrysler ansieht.

Das muss man wissen: Maserati nutzt für die Modellbezeichnung lauter Kürzel, die auch bei Audi beliebt sind und nennt die neue Quattroporte-Variante S Q4. Verkauft wird das Auto ab Juni, die Preise für das neue Einstiegsmodell beginnen bei 107.695 Euro. Damit ist der Sechszylinder rund 40.000 Euro billiger als das V8-Modell und aktuell die billigste Art, einen Maserati zu fahren. Und im nächsten Jahr soll der Preis noch einmal um 3000 Euro fallen - dann gibt's das V6-Modell auch ohne Allradantrieb.

Einerseits ist der Quattroporte S Q4 das neue Einstiegsmodell, doch zugleich kann das Auto auch als technologischer Gruß aus der Zukunft gesehen werden. Denn die gleiche Antriebstechnik wird es im Herbst auch im kleinen Quattroporte-Bruder Ghibli geben, der vor wenigen Wochen auf der Motorshow in Shanghai enthüllt wurde. Und wenn im nächsten Jahr mit dem Levante erstmals ein Maserati-SUV an den Start gehen wird, dann ebenfalls mit dieser Antriebskonfiguration.

Das werden wir nicht vergessen: Wie wenig sich die Abrüstung im Maserati wie ein Abstieg anfühlt.

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1. wird ein Flop
mattin666 13.05.2013
Der Innenraum in dieser Preisklasse indiskutabel, von außen okay, mehr nicht. Höchstens was für Fans der Marke, alle anderen Individualisten greifen eher zum Jaguar, Lexus oder Infinity.
2. .....
kajoter 13.05.2013
Zitat von mattin666Der Innenraum in dieser Preisklasse indiskutabel, von außen okay, mehr nicht. Höchstens was für Fans der Marke, alle anderen Individualisten greifen eher zum Jaguar, Lexus oder Infinity.
Individualisten werden wohl eher Rad oder Bahn fahren. Oder meinten Sie Materialisten?
3. Nicht ohne Grund...
signalgrau 13.05.2013
werfen schon die ersten Ferrari/Maserati Händler Maserati aus ihrem Programm.
4. Das Raum-Zeit-Kontinuum wankt
kopfschütteler 13.05.2013
2001 ist schon knapp 20 Jahre her? Gut 10 wäre wohl zutreffender, um den Abschied der 2,0 und 2,8 l Motoren zeitlich einzuordnen. Aber egal, ist ja nur für SPON. Und die Leser fresen ja alles, gell?
5. ... so geht das nicht
Forumsbeitrag 13.05.2013
.... ein V6. Der hört sich an wie jede andere Kiste auch. Der V8 hat(te) - bei allen möglichen Schwächen des Fahrzeugs - immer für gute Laune (ja, ja ich weiß die Klimaerwärmung und so weiter...) gesorgt. Das kann der V6 mE nicht. Jedenfalls nicht so, wie es gute alte V8 gekonnt hat. So und nun alle Idealisten an die Front und raus den Knüppel!
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Fahrzeugschein
Hersteller: Maserati
Typ: Quattroporte S Q4
Karosserie: Limousine
Motor: V6-Biturbo-Benziner
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.979 ccm
Leistung: 410 PS (302 kW)
Drehmoment: 550 Nm
Von 0 auf 100: 4,9 s
Höchstgeschw.: 283 km/h
Verbrauch (ECE): 10,5 Liter
CO2-Ausstoß: 246 g/km
Kofferraum: 530 Liter
Gewicht: 1.920 kg
Maße: 5262 / 1948 / 1481
Preis: 107.695 EUR


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