Maybach Coupé von Xenatec Protziger Umbau mit sattem Preisaufschlag

Ein neuer Maybach? Während Daimler mit Blick auf die Zukunft der Luxus-Flaggschiffs noch immer zaudert, fährt ein Karosseriebauer aus Weinsberg jetzt voran und baut das Nobelauto als Coupé. Der Preisaufschlag von fast 400.000 Euro scheint die Kunden nicht zu stören.


Auf das Thema Maybach spricht man bei Daimler derzeit besser niemanden an. Denn knapp zehn Jahre nach der Wiedergeburt der Luxusmarke fahren die feudalen Dickschiffe (Preis ab 405.671 Euro) noch immer weit unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. Zwar sollte ein vorsichtiges Facelift in diesem Frühjahr den Maybach 57 und die Langversion Maybach 62 vor allem bei statusbewussten Kunden in China weiter salonfähig machen, doch so richtig rund läuft es nicht für das dickste Ding von Daimler.

Dass der Maybach das falsche Auto zur falschen Zeit war, das gibt man hinter vorgehaltener Hand mittlerweile auch bei Daimler zu. Doch neben dem hohen Preis und der flauen Konjunktur kämpft das Auto inzwischen auch mit einer Reihe hausgemachter Probleme. Konstruiert auf Basis der vorangegangenen S-Klasse ist der Wagen heute schlichtweg veraltet. Statt den Prunkwagen in Würde zu beerdigen oder endlich wieder in die Offensive zu gehen, hält Daimler den Maybach in einer Art Wachkoma - bis zu einer definitiven Vorstandsentscheidung. Unterdessen gab es neugestaltete Scheinwerfer, einen Fernsehbildschirm im Großformat oder das Sondermodelle Maybach Zeppelin mit einem 8000 Euro teuren Parfumspender.

Doch jetzt springt ein Karosseriebauer aus Weinsberg in die Bresche und rüttelt Maybach wenigstens ein bisschen wieder auf. Die Firma Xenatec aus Weinsberg in der Nähe von Heilbronn baut nämlich jene Karosserievariante, die sich viele Maybach-Kunden schon lange gewünscht haben: ein repräsentatives Coupé. Der Zweitürer soll vor allem in den USA, im Nahen Osten und in China das Geschäft neu beleben. Der Entwurf für das Coupé stammt von einem Designer, der sich mit Maybach bestens auskennt: Fredrik Burchhardt. Aus seiner Feder stammte bereits der für den Reifenhersteller Fulda gebaute Rekordwagen Exelero; der vor sechs Jahren vorgestellte Prototyp weckte bei potenziellen Interessenten erstmals den Wunsch nach einem Coupé.

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Maybach Zeppelin: Luxus für Schnüffler
Basis des gut 5,70 Meter langen Modells ist der Maybach 57S, der weitgehend in Handarbeit komplett neu eingekleidet wird. Der 2+2-Sitzer erhält neue, verlängerte Türen, ein gekürztes Dach und veränderte Scheiben; zudem sind die Radläufe des Coupés weiter ausgestellt, um Platz für die neuen 21-Zoll-Felgen zu machen. Und neue Front- und Heckschürzen gibt es auch. Sie lassen den Prunkwagen noch protziger wirken.

Die Technik wird komplett von Maybach übernommen

Während die Xenatec-Mitarbeiter den Wagen auch innen zum Teil neu möblieren, um den Karosserieumbau zu kaschieren, bleibt unter der Haube alles beim Alten: Dort sitzt der bekannte, sechs Liter große und 612 PS starke V12-Motor aus Sindelfingen, der mit Rücksicht auf das Gewicht, die Bremsen und die Reifen bei 275 km/h elektronisch abgeriegelt wird.

Exklusiv wie das Auto ist auch sein Preis: Kostet schon der normale Maybach 57S 465.290 Euro, wird für das Coupé fast das Doppelte fällig. Das bedeutet für einen deutschen Käufer 803.250 Euro und macht das Auto zum vermutlich teuersten Modell "Made in Germany". Und das ist nur der Grundpreis, denn sämtliche Extras aus der Maybach-Manufaktur sind auch für das Coupé lieferbar. Nach oben hin gibt es also kaum eine Grenze. Ein Verkaufshindernis ist das offenbar nicht. Kaum machten im Sommer die ersten Gerüchte über das Coupé die Runde, war das erste Auto auch schon verkauft.

Bislang baute Xenatec vor allem gepanzerte Limousinen

Die Firma Xenatec ist in der PS-Branche durchaus ein Begriff: Hervorgegangen aus dem Sonderfahrzeughersteller ThyssenKrupp Drauz Nothelfer liefern die bislang eher im Stillen agierenden Autobauer Spezialumbauten und Sonderschutzlimousinen für Prominente und Potentaten in zahlreiche Länder. "Darüber hinaus baut Xenatec für verschiedene deutsche Automobilhersteller Prototypen und Testfahrzeuge", sagt Xenatec-Sprecherin Yvonne Kristen.

Gut sind offenbar auch die Beziehungen zum Maybach-Mutterhaus. Während die Schwaben sonst empfindlich reagieren, wenn ihre Autos verändert werden, gaben sie den Weinsbergern ihren Segen und liefern die Basisfahrzeuge sogar direkt an Xenatec. "Wir stehen der Kooperation mit Xenatec positiv gegenüber und bauen auf ein gegenseitig vertrauensvolles Verhältnis", sagt Patrick Marinoff, der bei Daimler die Marke Maybach leitet. Was sollte er auch gegen das Projekt einzuwenden haben: Das Coupé sieht ordentlich aus, und jedes gelieferte Basisfahrzeug päppelt die Statistik auf und bringt Geld in die Kasse. Zudem wird Maybach endlich mal wieder wahrgenommen.

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