Maybach Exelero: Darth Vader hängt am Gas

Von Jürgen Pander

Weißer Rauch, rotes Licht und ein pechschwarzes Auto - Sternenkrieger Darth Vader hätte seinen Auftritt nicht bedrohlicher inszenieren können. Doch im Tempodrom zu Berlin schlug nicht das Imperium zurück, sondern Rennfahrer Klaus Ludwig trat aufs Gas: im außergewöhnlichen Maybach Exelero.

Maybach Exelero: In kühler Morgenluft erreichte der 2,8-Tonner mehr als 350 km/h

Maybach Exelero: In kühler Morgenluft erreichte der 2,8-Tonner mehr als 350 km/h

"Schwarz. Breit. Stark." Mit diesen Worten wirbt die Reifenfirma Fulda für ihre Produkte. Das ist nicht sonderlich originell, und so versuchen die nordhessischen Gummispezialisten, ab und an mit einem spektakulären Fahrzeug, das auf ihren Pneus dahinrollt, auf sich aufmerksam zu machen. Jetzt ist es wieder so weit. Zur Markteinführung des Hochgeschwindigkeits-Breitreifens Fulda Carat Exelero sollte erneut ein spektakuläres Auto für Furore sorgen. Man erinnerte sich an einen ähnlichen Fall aus dem Jahre 1938 - das war der Beginn des "Projekts Exelero".

Damals schrieb die Firma Fulda den Auftrag für ein Auto aus, das "dauerhaft Hochgeschwindigkeitstests von mehr als 200 km/h absolvieren konnte". Die Karosseriebauer Dörr und Schreck in Frankfurt nahmen an und konstruierten auf Basis eines Maybach SW 38 ihr legendäres Stromlinienfahrzeug, das einen auch heute noch absolut konkurrenzfähigen cW-Wert von 0,26 aufwies. Kaum war das Auto fertig, begann Deutschland den Zweiten Weltkrieg - und in den Wirren der folgenden Jahre verlieren sich die Spuren des formschönen Versuchswagens.

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Maybach Exelero: Mit 351,45 km/h durch die Lichtschranke

Jetzt allerdings wurden die alten Fotos wieder hervorgekramt und der Kontakt zu Maybach reaktiviert. Abermals sollte ein Prototyp entstehen, der groß, schwer und sehr schnell sein musste, um die Fähigkeiten des neuen Pneus unter Beweis zu stellen. Das Einzelstück sollte ein Sportcoupé auf Basis des Maybach 57 S werden. Der Zwölfzylindermotor mit Biturbo-Aufladung wurde auf knapp sechs Liter Hubraum aufgebohrt, so dass er eine Leistung von 700 PS (515 kW) und ein Drehmoment von 1020 Newtonmeter entwickelt. Die Technik hatten die Maybach-Männer im Griff, für die Karosseriegestaltung wandten sie sich an die Fachhochschule Pforzheim und dort an den Studiengang Transportation Design.

Vier Studenten entwarfen das kühne, böse, in Details bizarre Äußere des 5,89 Meter langen Autos, das 2,14 Meter breit und 1,39 Meter hoch ist. Ein Zweisitzer in Übergröße. Ein Auto wie aus einem Film - und genau da lauerte die Gefahr. "Wir wollten unter allen Umständen vermeiden, dass der Wagen wie ein Batmobil aussieht. Die Farbe Schwarz war vorgegeben, also verzichteten wir auf jegliche Andeutungen von Flossen, Flügeln oder irgendwelchen senkrechten Elementen", sagt Lutz Fügener, Professor an der Fachhochschule.

Wild und zugleich geschmeidig sieht das Riesencoupé aus. Es steht auf Fulda-Reifen der Dimension 315/25 ZR 23, eine Kombination, die jedem TÜV-Prüfer den Schweiß auf die Stirn treibt, obgleich die Pneus natürlich amtlich zugelassen sind. Wie überhaupt das ganze Auto. Der TÜV-Süd begleitete sogar die Hochgeschwindigkeitstests auf der Rennstrecke im italienischen Nardo. Rennfahrer Klaus Ludwig schnallte sich in den Schalensitz und trat aufs Gas. "Man sollte schon ehrfürchtig und vor allem hellwach sein, wenn man ein 2,8 Tonnen schweres Auto auf mehr als 350 km/h beschleunigt", sagt der Rennveteran. Leicht nervös sei der Wagen schon geworden bei dem hohen Tempo, aber insgesamt habe die Fahrt "im dunkelgrünen Bereich" stattgefunden. Ludwig: "Ich bin Rennfahrer, kein Stuntman."

Geklappt hat der Sprung über die 350-km/h-Marke erst im zweiten Anlauf. Am Abend des 30. April war bei 348 km/h Schluss. Am anderen Morgen dann, früh um 7.30 Uhr, als es noch angenehm kühl war, startet Ludwig zu einem zweiten Versuch. Und diesmal waren die Lader noch nicht überhitzt, als er durch die Lichtschranke pfeilte. 351,45 km/h registrierten die Instrumente. Das Entwicklungsziel war erfüllt, der Auftraggeber zufrieden. Jetzt kann Fulda mit dem Auto für seine neue Reifenserie werben, ohne große Worte zu machen. Denn man sieht dem Maybach Exelero gleich an, worauf es ankommt: "schwarz, breit, stark".

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