Maybach-Museum: Prunk in der Provinz

Aus Neumarkt berichtet

BMW in München, Mercedes in Stuttgart und jetzt Maybach in Neumarkt: Zum hundertsten Geburtstag der Marke präsentiert ein Privatier in der Oberpfalz Ende März die größte Sammlung der betagten Prunkkarossen der Öffentlichkeit. SPIEGEL ONLINE war schon vor Ort.

Auf Deutschlands Straßen gehören die edlen Schlitten der Marke Maybach zu den Exoten. Seit Mercedes die Luxusmarke im Jahr 2002 wieder zum Leben erweckte, wurden gerade einmal 2500 Autos verkauft; im vergangenen Jahr etwa gab es laut Mercedes-Statistik lediglich 300 Auslieferungen. Die Rarität hat Tradition. Die Fahrzeuge von Wilhelm und seinem Sohn Karl Maybach zählten stets zum automobilen Hochadel und standen in Preis und Prestige weit oberhalb von Mercedes. Die Stückzahlen waren entsprechend gering: Nur rund 1800 Fahrzeuge wurden zwischen 1919 bis 1941 gebaut. Und im Maybach-Register, eine Art Katalog der Luxuskarossen, werden heute nur noch 160 historische Maybachs geführt.

So rar wie auf der Straße sind Maybach-Exemplare daher auch in den Museen. Nur wenige Exemplare waren bislang ausgestellt; im neuen Mercedes-Museum etwa fehlt ein solcher Luxus-Oldie ganz. Jetzt jedoch bekommen die Prunkwagen eine neue Heimat: In Neumarkt in der Oberpfalz eröffnet in diesem Monat das weltweit erste und einzige Museum, das allein der Marke Maybach gewidmet ist und gleich 17 Autos ausstellt.

Der Motor des Projekts ist Helmut Hofmann, ein Spätberufener in Sachen Maybach. "Mein Vater war Kfz-Mechaniker, ich wurde daher früh zum Autonarren, doch die Marke Maybach habe ich für mich erst vor gut 20 Jahren entdeckt", erzählt er. Seither allerdings richtig. Denn dem ersten SW 38 Pullman-Cabriolet folgten mehr als ein Dutzend weiterer Luxuslimousinen, die er überall in der Welt aufkaufte und mit zum Teil abenteuerlichen Geschichten verbindet.

Prunkwagen und in Stücke gesägte Wracks

Entsprechend sehen die Fahrzeuge auch aus. Der Maybach SW 38 mit einem Landaulet-Aufbau von Erdmann und Rossi zum Beispiel ist noch immer ein in Stücke gesägtes Wrack, das Hofmann in Riga aus einer Scheune zog. Manche Exponate wie das Modell Zeppelin mit einem Aufbau der Firma Spohn aus Ravensburg stehen verbeult, rostig und mit löchrigen Lederpolstern auf platten Reifen. Doch immerhin sieben Maybach-Typen sind fahrfähig, und mancher könnte wohl ad hoc einen Concours d'Elegance gewinnen.

Noch sind die Hallen der ehemaligen Fahrradfabrik Express zwar leer, die Autos werden derzeit noch poliert und die Handwerker kämpfen mit dem engen Zeitplan. Doch ins große Eisentor am Eingang ist bereits das doppelte M, das Maybach-Logo, geschnitten, das auch die Kühler der Autos zierte. An den Fenstern prangen schon transparente Portraits von Wilhelm Maybach und seinem Sohn Karl, und die zwei größten Exponate sind auch schon eingetroffen: Ein von Maybach entwickelter Dieselmotor für die Bundesbahn-Lokomotive V200 sowie ein Panzerdiesel von MTU, der ebenfalls auf eine Maybach-Konstruktion zurück geht.

Museums-Eröffnung zum 100. Jubiläum der Firmengründung

Der Termin für die Eröffnung des Museums Ende März ist gut gewählt. Denn am 23. März jährt sich zum hundertsten Mal die Gründung der Maybach Motorenbau GmbH und damit der Beginn der Produktion unter eigenem Namen. Doch das Wirken Maybachs begann viel früher. Seit der Waisensohn Wilhelm Maybach in der Lehrwerkstatt des Reutlinger Bruderhauses seinem Lehrmeister Gottlieb Daimler begegnete, entwickelte sich eine Zusammenarbeit, die den Siegeszug des Autos erst ermöglichte. Maybach und Daimler wurden unzertrennlich, und wo der eine vor allem die Vermarktung vorantreibt, brachte der andere die Motoren zum Laufen und konstruiert den ersten Mercedes.

Als Gottlieb Daimler im Jahr 1900 starb, geriet Maybach, der König der Konstrukteure, in die Mühlen der Unternehmenspolitik - 1907 verließ er die Firma. Zwei Jahre später gründete er in Bissingen die Maybach Motorenbau GmbH, die 1912 nach Friedrichshafen an den Bodensee umzog. In den ersten Jahren wurden dort nur Motoren für Luft- und Wasserschiffe gebaut. Erst als der Versailler Vertrag Maybach die Fertigung von kriegstauglichem Gerät verbot, entdeckte er den Automobilbau erneut: 1919 lief der erste Versuchswagen W1; 1921 präsentierte Maybach als erstes Serienmodell den W3. Verliebt in Perfektion und Eleganz beschränkte sich der Konstrukteur auf Luxusfahrzeuge für die oberen Zehntausend und stieg zum Haus- und Hoflieferrat der Reichen und Mächtigen auf. Kein Auto beweist das besser als der 1930 vorgestellte Maybach Zeppelin, der als größtes deutsches Auto seiner Zeit gilt.

Auch ein aktueller Maybach steht im Museum

Hofmann schaut in dem neuen Museum allerdings nicht nur zurück. Sondern er hat auch die Neuauflage des Autos im Blick. So freut er sich nicht nur über die Unterstützung aus der Konzernzentrale in Stuttgart, die zum Maybach-Jubiläum gerade das Sondermodell Zeppelin aufgelegt hat. Er zeigt auch einen neuen Maybach sowie ein Tonmodell der Studie Exelero - und zerstreut damit den Verdacht, dass sich alte und neue Modelle der Marke nicht vertragen.

Mit den genialen Konstrukteuren verbindet Hoffman nicht nur die Faszination für luxuriöse Autos, sondern auch die Liebe zum Detail. Das merkt man im Museum selbst auf den Toiletten. Statt der üblichen Handtrockner hängen dort die Auspuffrohre eines Maybach, denen auf Knopfdruck Warmluft entströmt.

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Maybach-Museum: Die exquisite Autosammlung


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