Autogramm Mazda 3: Schluss mit lustlos
Bislang war der Mazda 3 das Synonym für automobile Demenz. Wer ihm begegnete, hatte ihn sofort wieder vergessen. Das Design des neuen 3ers aber bleibt im Gedächtnis. Und wer einsteigt, freut sich über ein cleveres Innenraumkonzept und ordentliche Verbrauchswerte. Nur Details werfen Fragen auf.
Der erste Eindruck: Eine forsche Frontpartie, eine schlanke Taille und ein Heck, das man beim Vorbeigehen am liebsten tätscheln möchte - der neue Mazda 3 sieht viel leidenschaftlicher aus, als man es erwartet hätte.
Das sagt der Hersteller: Für Mazda ist der 3er das, was für VW der Golf ist. Ein Bestseller. "Weltweit haben wir in den letzten Jahren zehn Millionen Exemplare verkauft", sagt Mazda-Europachef Jeff Gaydon. "Damit macht der 3er ein Drittel unseres Gesamtvolumens aus."
Das ist uns aufgefallen: Dass der neue 3er auch so fährt, wie er aussieht: knackig. Das liegt nicht allein am neuen Fahrwerk und den bis zu 70 Kilo, um die das Auto leichter wurde. Sondern auch an einer neuen Sitzgeometrie, die den Fahrer zurück ins Zentrum des Geschehens rückt. Die Kontur der Lehne, die Position von Lenkrad, Pedalen und Schaltknauf - alles motiviert zum Zupacken und Mitmachen. Dieses Auto will nicht bedient, sondern gefahren werden und macht Schluss mit der lustlosen Beliebigkeit, die man von vielen japanischen Kompaktwagen kennt.
Der Fahrer wird im neuen 3er zum Gewinner des Generationenwechsels, für alle anderen bleibt alles beim Alten: Beifahrer und Hinterbänkler sitzen ordentlich, aber nicht überwältigend - vor allem, wenn man bedenkt, dass der Mazda 3 mit 4,47 Meter Länge eines der größten Autos in der Klasse ist und zum Beispiel den VW Golf um rund 20 Zentimeter überragt.
Dafür gefällt der neue 3er mit ein paar tollen Details im Innenraum. Der große, frei stehende Monitor über der Mittelkonsole zum Beispiel, der so nobel wirkt wie in der Mercedes A-Klasse und obendrein die Bühne für ein pfiffiges Infotainment-System mit Online-Navigation, Internet-Radio und vielen Apps ist; dann der Klavierlack auf den Konsolen in der Tür und die Chromrahmen um die Lüfterdüsen. Oder der prominent in die Mitte gerückte Drehzahlmesser, um den sich beim Starten ein feurig roter Ring legt, um den Anspruch der neuen Sportlichkeit zu unterstreichen.
Um so mehr wundert man sich allerdings über die lieblosen Anzeigen für Bordcomputer oder Klimaregelung. Die erinnern mit groben, grauen Pixeln an eine Zeit, als Digitaluhren noch als Revolution galten.
Das muss man wissen: Als Fünftürer startet der Mazda 3 ab Mitte Oktober zum Preis von 16.990 Euro; im Februar folgt dann die kompakte Stufenheck-Limousine (Länge 4,59 Meter), die mit einem stärkeren Basismotor und besserer Ausstattung mindestens 20.790 Euro kostet.
Wie schon CX-5 und Mazda 6 nutzt auch der neue 3er die sogenannte Skyactiv-Technologie, die gegen den allgemeinen Trend bei den Benzinern auf Downsizing und Aufladung verzichtet und zu der auch ein Leichtbaukonzept ohne teure Spezialstähle gehört. Trotzdem wird der Mazda 3 leichter und teilweise um bis zu 20 Prozent sparsamer, sagt Mazda.
Es gibt den Wagen zunächst mit einem 1,5 Benziner mit 100 PS und einem zweiten Otto-Motor, der aus 2,0 Litern Hubraum wahlweise 120 oder 165 PS schöpft. Außerdem ist ein 2,2 Liter großer Diesel mit 150 PS im Programm, der bei unserer Testfahrt eine gute Figur machte. Leise und laufruhig kommt der Motor auf bis zu 380 Nm Drehmoment und hat damit einen wunderbar kräftigen Antritt: Flott von der Ampel weg, mal eben überholen oder zum Dauerlauf auf die linke Spur, der Selbstzünder passt einfach zum sportlichen Anstrich - und wahrt an der Tankstelle halbwegs den Anstand. Die 4,1 Liter aus dem Normzyklus sind zwar nicht zu packen, aber eine Tankfüllung reichte im Test für knapp 900 Kilometer flotte Autobahnfahrt, reichlich Stadtverkehr und längere Überlandstrecken. Das macht einen Schnitt von 5,7 Litern und geht in Ordnung.
Das werden wir nicht vergessen: Den Blick auf das Head-up-Display, das Mazda "Active Driving Display" nennt. Jetzt müsse man den Blick nicht mehr senken und könne sich besser auf die Straße konzentrieren, argumentiert der Hersteller. Dummerweise projiziert das System die Daten nicht auf die Frontscheibe, sondern auf ein kleines Plexiglasschild, das beim Anlassen aus der Hutze über dem Cockpit klappt. Das ist nett gedacht und natürlich nicht so teuer wie die Lösung bei BMW und Co., doch dafür erinnert es an eine schlechte Bastellösung.
Zudem muss man den Blick doch absenken um auf das Plexiglasschild zu schauen und obendrein irritiert das System bei Dunkelheit mit Reflektionen in der Scheibe. Warum, fragt man sich, eifert Mazda in diesem Punkt Konkurrenten wie Peugeot und Citroën nach? Bei vielen anderen Details sind die Mazda-Leute doch ihren eigenen Weg gegangen - und damit viel weiter gekommen.
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| Hersteller: | Mazda |
|---|---|
| Typ: | 3 (2013) |
| Karosserie: | Kompaktwagen |
| Motor: | Vierzylinder-Diesel |
| Getriebe: | Sechsgang-Schaltgetriebe |
| Antrieb: | Front |
| Hubraum: | 2.191 ccm |
| Leistung: | 150 PS (110 kW) |
| Drehmoment: | 380 Nm |
| Von 0 auf 100: | 8,2 s |
| Höchstgeschw.: | 210 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 4,1 Liter |
| Kofferraum: | 364 Liter |
| umgebaut: | 1.263 Liter |
| Gewicht: | 1.395 kg |
| Maße: | 4465 / 1798 / 1450 |
| Versicherung: | 17 (HP) / 23 (TK) / 21 (VK) |
| Preis: | 24.390 EUR |
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