Von Tom Grünweg
Mazda schwört auf die Mittelklasse. Die Zahl der Kunden ist zwar weiter rückläufig, doch für Kundendienstchef Andreas Schmidt hat dieses Segment eine zentrale Bedeutung. Schließlich hat dort mit der ersten Generation des Mazda 6 die Neuausrichtung der Marke begonnen. Und selbst kurz vor dem Ende der Laufzeit der ersten Baureihe verkaufte Mazda davon in Deutschland 2007 noch mehr Exemplare als von jedem anderen Modell.
Jetzt bekommt die Mittelklasse neuen Schub. Denn seit wenigen Tagen steht zu Preisen ab 22.400 Euro die zweite Generation des Bestsellers bei den Händlern. Allerdings können die Japaner mit diesem Pfund noch nicht so recht wuchern. Schließlich sind Limousine und Fünftürer bei uns weit weniger gefragt als der Kombi, der aus Gründen des Produktionsanlaufs mit ein paar Wochen Verspätung auf den Markt kommt. Doch am 11. April hat das Warten für Familienväter und Lademeister ein Ende: Dann rundet der Wagen mit dem Extraplatz im Heck für einen Aufpreis von 1000 Euro auf die Limousine die Baureihe vorerst ab.
Auch der Kombi ist beim Generationswechsel gewachsen und überragt seinen Vorgänger mit 4,77 Metern um beinahe acht Zentimeter. Außerdem ist er drei Zentimeter länger die beiden anderen Verisonen. Weil aber nicht nur die Überhänge, sondern auch der Radstand um fünf Zentimeter gestreckt wurde, genießt man nun mehr Platz auf allen Plätzen. Und der Kofferraum wächst natürlich weiter. Er schluckt jetzt bei voller Bestuhlung 519 Liter und bei dachhoher Beladung 1751 Liter. Den Premium-Kombis aus dem deutschen Süden ist er damit um fast 20 Prozent voraus, und dem Branchenprimus VW Passat nimmt er immerhin 20 Liter ab.
Während vorn im Auto viel Engagement im hochwertigen Ambiente steckt und deshalb zum Beispiel ein aufwendiges, aber auch etwas verspieltes Beleuchtungskonzept für die Instrumente sowie ein pfiffiges Bediensystem für das Multifunktionslenkrad entwickelt wurden, haben sich die Entwickler hinten keine Neuheiten zu bieten. Das Karakuri-System, mit dem sich die beiden asymmetrischen Teile der Rückbank mit einem einzigen Handgriff flach legen lassen, ist nach wie vor genial. Und auch die von der Papierfaltkunst Origami inspirierte Laderaumabdeckung, die sich beim Öffnen automatisch nach hinten faltet und nach oben schwingt, ist eine hübsche Idee. Das war's dann aber auch. Denn Zurrösen, ein Geheimfach im Souterrain und die Option auf ein Gepäckhaltesystem bieten alle anderen auch. Die Chance, mit einer elektrischen Heckklappe, einem umklappbaren Beifahrersitz, einer verschiebbaren Rückbank oder einem 220-Volt-Anschluss zu punkten, hat Mazda vorerst vertan.
Gewichtsersparnis war das Entwicklungsziel
Wie für alle Varianten des neuen Mazda 6 gilt auch für den Kombi eine strenge Diät. "Angesichts der besseren Ausstattung und des neuen Formats hätte das Auto beim Generationswechsel eigentlich 90 Kilo schwerer werden müssen als bislang", sagt Hagime Matsumara aus dem Entwicklungsteam. "Tatsächlich allerdings ist er um 50 Kilogramm leichter geworden", erklärt der Ingenieur und verweist auf die hochfesten Stähle, die leichtere Innenraumauskleidung oder die neuen Magnete in den Lautsprecherboxen, mit denen Kilo für Kilo Gewicht gespart wurde. Weil der neue Mazda 6 zudem windschnittiger ist als der alte, verbrauchen die Motoren nun sechs bis zwölf Prozent weniger als früher.
Das merkt man schon bei den drei Benzinern, die bei 1,8 bis 2,3 Litern Hubraum eine Leistungsspanne von 120 bis 175 PS abdecken. Noch deutlicher wird das aber beim Dieselmotor, der nun mit etwas Verspätung für alle Modellvarianten nachgereicht wird. Der Selbstzünder hat zwei Liter Hubraum, aus denen er 140 PS und 330 Nm schöpft. Gut gedämmt und zu ordentlicher Laufruhe erzogen, reicht das nicht für weltbewegende, aber für grundsolide Fahrleistungen.
Kein Sportmotor, sondern ein sparsamer Diesel
Wer halbwegs geschickt die sechs Gänge wechselt, kommt so im Kombi in 10,9 Sekunden auf 100 km/h und mit etwas Geduld auf ein Spitzentempo von 197 km/h. Zugegeben: Vor allem die deutsche Konkurrenz bietet mehr Leistung und damit mehr Fahrspaß. Aber dafür kassiert Mazda zum vergleichbaren 143-PS-Benziner einen eher mageren Aufpreis von 1200 Euro, und der Verbrauch ist mit 5,7 Litern fast schon vorbildlich. Der als Öko-Modell gefeierte VW Passat Blue Motion zum Beispiel schafft als Kombi nur einen halben Liter weniger.
Und wem es an der Leistung mangelt, dem spendet vielleicht die Zukunft Trost: Zwar freut sich Kundendienstchef Schmidt nicht umsonst, dass "die Familie jetzt wieder komplett" ist. Doch so ganz am Ende ist Mazda mit der Produktplanung noch nicht. Zumindest ein größerer und stärkerer Diesel mit wohl 2,2 Litern Hubraum und etwa 185 PS ist für den Herbst beschlossen. Und auch eine Neuauflage der Tuningvariante MPS mit dann annähernd 300 PS ist im Gespräch. Schließlich sollte der Mazda 6 auch einmal so sportlich fahren, wie er mittlerweile aussieht.
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