Mazda-Legende: Die Wende kam mit dem MX-5

Von Jürgen Pander

Die Mauer war gefallen, Deutschland feierte die wieder gewonnene Einheit. Wer in diesem Glückstaumel noch etwas Aufmerksamkeit für Autos aufbrachte, rieb sich erneut die Augen: Die japanische Marke Mazda revolutionierte mit dem MX-5 die Autowelt - und sich selbst.

Mazda-Jubiläen: Die etwas andere Marke Fotos
Jürgen Pander

Die japanische Firma Mazda war schon immer ein wenig anders. In Deutschland jedoch, wo der Autobauer aus Hiroshima seit 1972 aktiv ist, wurde Mazda zunächst mit eher farblosen Durchschnittsautos verbunden. Mittelklasse-Limousinen wie etwa der Typ 626 oder Schrägheckmodellen wie der Mazda 323 prägten hierzulande das Bild der Marke. Niemand drehte sich nach diesen Wagen um, obgleich die Qualität herausragend war. Der Mazda 323 wurde mit dem "Goldenen Lenkrad" ausgezeichnet - bemerkt hatte das jedoch kaum einer, denn am Tag der Verleihung, dem 9. November 1989, fiel die Berliner Mauer. Wen interessierte da ein Auto aus Fernost?

Parallel zur großen politischen Wende in Deutschland gelang Mazda dann dennoch die Imagewende - und zwar mit einem Sportwagen, der 1989 in den USA unter dem Namen Miata debütierte und ab 1990 als MX-5 in Europa verkauft wurde. Der zweisitzige Roadster löste einen regelrechten Hype aus. "Autofahren darf auch Spaß machen", warb Mazda in Deutschland für den flotten Wagen - den es anfangs nur in rot, blau und weiß gab.

Die bis dahin fast ausgestorbene Spezies kleiner, leichter, offener Sportwagen lebte plötzlich wieder auf. Fiat, BMW, Mercedes, Rover und Toyota brachten vergleichbare Typen auf den Markt, der MX-5 aber blieb die Messlatte. Seit dem Jahr 2000 übrigens steht das Modell als "meistverkaufter Roadster der Welt" im Guinness-Buch der Rekorde.

Zum 20-jährigen Jubiläum des inzwischen in der dritten Generation gebauten Roadsters bietet Mazda das hierzulande auf 500 Exemplare limitierte Sondermodell "20th Anniversary" mit 1,8-Liter-Benziner (126 PS) zum Preis von 21.990 Euro. Vor 20 Jahren kostete der Wagen mit den neckischen Klappscheinwerfern 35.500 Mark und unter der Haube steckte ein 1,6-Liter-Benziner mit 115 PS. Das reichte völlig aus, um den 955 Kilogramm leichten Wagen mit Hinterradantrieb sportlich zu bewegen und bei zurück geklapptem Stoffverdeck eine fast schon vergessene Art des Autofahrens neu zu erleben.

Mit dem Mazda MX-5 gelang eine Neupositionierung des Markenimage

Mit dem MX-5 erwarb sich Mazda auch in Europa jenen Status, den die Marke in Japan seit jeher hatte - nämlich ein besonders unkonventioneller Automobilhersteller zu sein. Und der Roadster kam an; schnell schlossen sich die Besitzer zu Fanclubs zusammen und prägten auch so für den Kultstatus.

Das Unternehmen Mazda wurde vor 90 Jahren unter dem Namen Toyo Cork Kogyo in Hiroshima gegründet - die Firma stellte ursprünglich Korkersatz her. Das änderte sich, als der gelernte Schmied Jujiro Matsuda auf den Chefsessel kam. Das erste Fahrzeug ging 1931 ging in die Serienproduktion - ein dreirädriges Nfz mit dem Namen Mazda-Go. 1940 war dann der erste Prototyp einer viersitzigen Limousine fertig, doch der Krieg und insbesondere der Atombombenabwurf auf Hiroshima, bei dem das Werk zur Hälfte zerstört wurde, machten allen Plänen den Garaus.

Vor 50 Jahren baut Mazda das erste echte Auto

Erst 1960 war Mazda mit dem Kleinwagen R 360 erneut in der Lage, einen Pkw zu bauen. Noch am Tag seiner Vorstellung, so vermerkt es die Unternehmenschronik, wurden 4500 Kaufverträge abgeschlossen. Schon kurz darauf verkaufte Mazda in Japan mehr Autos als jede andere Marke. Beflügelt vom Erfolg suchten die Verantwortlichen nach einer Möglichkeit, den Vorsprung durch unkonventionelle technische Lösungen zu sichern - sie fanden sie in Felix Wankels Kreiskolbenmotor und schlossen einen Vertrag mit dem deutschen Hersteller NSU.

Mazda baute ab 1967 den futuristisch wirkenden Sportwagen Cosmo mit einem Zweischeiben-Kreiskolbenmotor. Vollmundig warb die Marke zu dieser Zeit, sie sei das "kreativste Automobilunternehmen der Welt". Zwar waren die Japaner tatsächlich recht innovativ, denn einen V6-Motor mit 1,8 Liter Hubraum oder eine Allradlenkung hatte sonst kaum ein anderer Hersteller im Angebot. Trotzdem setzten sich diese Extravaganzen auch bei Mazda nicht durch und verschwanden wieder.

Die unerschütterliche Treue zum Wankelmotor

Beim Thema Wankelmotor allerdings blieben die Japaner stur - und dem Aggregat bis heute treu. Die Marke bietet als einzige ein Serienauto mit diesem Antrieb an, nämlich den Sportwagen RX-8. Dazu experimentiert Mazda seit dem Debüt des Konzeptautos HR-X im Jahr 1991 mit Wankelmotoren, die mit Wasserstoff betrieben werden und völlig emissionfrei arbeiten. Der jüngste Prototyp in der Reihe ist der Mazda RX-8 Hydrogen RE, ein Wagen mit Zweischeiben-Wankelmotor, der wahlweise mit Benzin oder Wasserstoff betrieben werden kann. Die Ingenieure in Japan halten gerade das exotische Wankelprinzip für ideal, um Wasserstoff zu verfeuern.

Bis eine ganz neue Antriebstechnik die Autoindustrie umwälzen wird, setzt auch Mazda bei den Serienautos auf die inzwischen bekannten Komponenten. Dazu gehören etwa Start-Stopp-Automatik, Gewichtsreduzierung oder Benzindirekteinspritzung. Eine neue, ganz große Wende ist bei Mazda vorerst jedenfalls nicht in Sicht.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
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1. Einfach schön
Rainer Girbig 31.05.2010
Der Wagen war einfach schön. Ein optischer Wiedergänger des Lotus Elan, dazu flott und preiswert. Herz, was begehrtst Du mehr?
2. Immer noch!
***p.k*** 31.05.2010
Zitat von Rainer GirbigDer Wagen war einfach schön. Ein optischer Wiedergänger des Lotus Elan, dazu flott und preiswert. Herz, was begehrtst Du mehr?
Der Wagen ist immer noch schön! Mein Exemplar ist inzwischen 19 Jahre alt und knapp 300 Tkm gelaufen und ich freue mich jeden Tag mit ihm zu fahren. Und hoffe natürlich, das auch in 30 Jahren noch sagen zu können.
3. Spielzeug
wolltsnursagen 01.06.2010
Zitat von Rainer GirbigDer Wagen war einfach schön. Ein optischer Wiedergänger des Lotus Elan, dazu flott und preiswert. Herz, was begehrtst Du mehr?
N richtiges Auto und kein Sekretärinnenporsche?
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