Weltpremiere Mazda MX-5 Retter oben ohne

Cabrios sind out. Die Zulassungszahlen für offene Autos sind eingebrochen, viele Modelle gestrichen. Eigentlich ein mieser Zeitpunkt für die Premiere des neuen Mazda MX-5. Schafft er trotzdem die Trendwende? Es wäre nicht das erste Mal.

Mazda

Die Zeiten für offene Autos waren schon mal sonniger. Peugeot streicht die Cabrio-Varianten der Modelle 208 und 308, Ford verzichtet auf eine Neuauflage des Focus Cabriolets und ob der VW Eos einen Nachfolger erhält, scheint höchst ungewiss. Weltweit ist die Nachfrage nach Autos mit Klappdach in den vergangenen zehn Jahren um 44 Prozent eingebrochen und dümpelt aktuell bei knapp einer halben Million Neuzulassungen pro Jahr, vermeldete jüngst das "Handelsblatt".

Keine Frage, das Cabrio steckt in der Krise. Doch mitten in den Abgesang auf die einstigen Traumwagen platzt die Weltpremiere eines Hoffnungsträgers: Zeitgleich ist in Barcelona, Tokio und im kalifornischen Monterey der neue Mazda MX-5 enthüllt worden.

Seit der Zweisitzer vor 25 Jahren debütierte, wurden weltweit 945.000 Exemplare ausgeliefert. Damit ist er der meistverkaufte offene Sportwagen der Welt. Der MX-5 gilt deshalb als Retter der Roadster. "Er kam auf den Markt, als sich die traditionellen Modelle aus England gerade verabschiedet hatten", erinnert sich der US-Journalist Bob Hall. Hall war es, der 1979, am Ende eines Interviews mit dem damaligen Madza-Chefentwickler, den Anstoß für die Entwicklung gegeben hatte. "Dieses Auto wurde so erfolgreich, dass ihm vom Fiat Barchetta über den Mercedes SLK, den Audi TT und den BMW Z4 bis zum Porsche Boxster etliche Hersteller nachgeeifert haben."

Darum sind Cabrios unbeliebt geworden

Jetzt hofft die Branche auf eine Wiederholung des Wunders. "Der neue MX-5 muss dem dahinsiechenden Segment neues Leben einhauchen. Das wird keine einfache Aufgabe", sagt Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Denn der Bedeutungsverlust der Cabrios liegt Bratzel zufolge vor allem an der harten Konkurrenz: Zum einen drängten SUV- und Crossover-Modelle die offenen Autos immer weiter in ihre Nische zurück. Zum anderen kehrten Frauen - früher besonders eifrige Cabrio-Kundinnen - diesen Wagen mittlerweile den Rücken zu. "Autokäuferinnen entscheiden sich stattdessen öfter für einen spritzigen Kleinwagen und bestellen den dann mit Schiebe- oder Faltdach", sagt Bratzel.

In Wachstumsmärkten wie China oder Südamerika schließlich sei es zu heiß, zu schwül oder zu staubig, um Spaß an einem offenen Auto zu haben. Dazu kämen hausgemachte Probleme der Hersteller, erklärt Bratzel. "Cabrios und Roadster haben in den vergangenen Jahren nicht gerade mit großen Innovationen aufgewartet und deswegen auch keine Aufmerksamkeit auf sich gezogen."

Das Leichtgewicht hat noch mehr abgespeckt

Zumindest letzterem Kritikpunkt hat der MX-5 etwas entgegenzusetzen. Denn die vierte Generation sieht nicht nur hinreißend aus, sondern profitiert auch von Mazdas Skyactiv-Technologie. Zu ihr gehören hoch verdichtete Benzin-Motoren, knackig kurz gestufte Getriebe und leichte Karosseriestrukturen.

Schon die bisherigen MX-5-Generationen waren die Fliegengewichte unter den Roadstern. Das neue Modell speckte nochmals mehr als hundert Kilogramm ab - dank Hauben und Kotflügeln aus Aluminium, eines Gerippes aus hochfesten Stählen und eines kompakteren Formats. Außerdem sitzt der Schwerpunkt des neuen MX-5 weiter unten als beim Vorgänger und die Position des Fahrersitzes wurde etwas weiter nach hinten verlegt.

Die Motoren, ausnahmslos Vierzylinder-Benziner mit Direkteinspritzung, sind längs eingebaut und treiben die Hinterräder an. Zum Start wird es ein 1,5-Liter-Aggregat mit etwa 130 PS und eine Zwei-Liter-Variante mit rund 160 PS geben. In der Summe verspricht das jede Menge Fahrdynamik.

Das Klappdach hat ausgedient

Mazda-Projektleiter Nobuhiro Yamamoto sagt es so: "Man muss den neuen MX-5 nur anschauen, damit man Herzklopfen bekommt." Das liegt auch am nach wie vor verwendeten Textilverdeck. Das Kunststoff-Klappdach, seit 2006 als Option für den Wagen angeboten, ist glücklicherweise aus dem Programm verschwunden. Auf diesem puristisch gemachten Auto wirkte es von Anfang an deplaziert. Beim Preis wird sich dagegen nicht viel ändern, die neue Basisvariante wird ungefähr 25.000 Euro kosten und damit rund 1000 Euro teurer als das aktuelle Einstiegsmodell sein.

Ob der neue MX-5 wie das Vorgängermodell vor 25 Jahren tatsächlich noch einmal die Trendwende schafft und eine Roadster-Renaissance auslöst, wird sich in etwa einem Jahr zeigen: Dann soll er in Deutschland auf den Markt kommen. Mindestens ein offenes Modell hat dem Zweisitzer bereits seine Entstehung zu verdanken: Auf Basis des MX-5 baut Mazda auch einen neuen Spider für den Fiat-Konzern.



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insgesamt 139 Beiträge
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hobbyleser 04.09.2014
1. Zweifel sind angebracht
Der MX5 hat ein Problem: Nicht vorhandenes Image. Bei einem Convertible geht es eben um Stil. MX5-Fahrer hingegen scheinen hier eine Art Methadon für ein stilvolles Oben-Ohne-Gefährt gefunden zu haben, was aber nur bei ihnen selbst wirkt.
ergoprox 04.09.2014
2. Super
Tolle Seitenlinie, endlich ist er optisch nicht mehr so brav.
Champagnerschorle 04.09.2014
3. Mazda kanns
Oh, wie bist du schön...
Michaelf76 04.09.2014
4. mx5
Der neue sind nicht schlecht aus aber ich bleibe dabei. Die erste Generation, der Typ NA, IST was Design und Fahrverhalten unübertroffen. Besonders das Modell Jahr 1994 mit S Paket mit 131ps ist mein Favorit.
typ200 04.09.2014
5. Kaufe ich
Wenn er so kommt, wie gezeigt, dann ist er schon bestellt.
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