Mazda-Studie Shinari: Speedy gibt die Form vor

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Ikuo Maeda heißt Mazdas neuer Designchef, genannt aber wird er nur "Speedy". Warum, das wird beim Anblick der Studie deutlich, die Maeda für den Autosalon in Paris kreierte. Der Sportwagen zeigt eine neue Formensprache namens Kodo, die künftige Mazda-Modelle prägen soll.

Mazda-Studie Shinari: Neustart in der Formgebung Fotos

Er spricht langsam und bedächtig, doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Ikuo Maeda ist ein Tempo-Fan, verbringt jedes zweite Wochenende auf irgendeiner japanischen Rennstrecke und ist praktisch mit Autos aufgewachsen. Schon sein Vater war Designchef bei Mazda und entwarf unter anderem den Sportwagen RX-7. Ikuo Maeda folgte dem Berufsweg seines Vaters, wurde Autodesigner bei Mazda und gestaltete dort erstes eigenes Projekt den Sportwagen RX-8 ab. Das Wankel-Coupé kam im Unternehmen so gut an, dass Maeda jetzt selbst zum Chefdesigner berufen wurde - als Nachfolger des zu Renault gewechselten Laurenz van den Acker.

Seitdem arbeitete der 51-jährige, auf dessen Kreativkonto zuletzt der Kleinwagen Mazda 2 ging, an der Mazda-Formensprache der Zukunft. Sein Vorgänger van den Acker hatte die Nagare-Philosophie geprägt (japanisch für Fluss), jetzt jedoch soll eine ganz neue Designsprache umgesetzt werden: Kodo. Laut Mazda steht das für "Seele in Bewegung". Was das sein soll? Maeda nennt folgende Beispiele: ein Geparden vor dem Sprung, ein Schwertkämpfer vor dem entscheidenden Hieb, ein Bogenschütze, kurz bevor er den Pfeil von der Sehne lässt. "Man sieht höchste Anspannung, maximale Präzision und ahnt schon die gewaltige Energie, die hier gleich frei gesetzt wird", erkläutert er.

Wem das zu metaphysisch ist, dem zeigt Maeda die neue Studie namens Shinari, in der diese Ideen anschaulich werden sollen. Das viertürige Coupé ist für Maeda der neue Urmeter, an dem sich alle kommenden Mazda-Modelle messen lassen müssen. Mit scharfen Kanten und Flächen, die in sich verdreht sind wie Muskelstränge, dem stechenden Blick von punktförmigen Scheinwerfern und Heckleuchten und einer stolz ausdrückenden Frontpartie gibt der 4,88 Meter lange und 1,34 Meter hohe Wagen die künftige Form vor und verspricht eine ausgesprochen dynamische Zukunft für Mazda.

Auch im Innenraum wird die Weiterentwicklung deutlich. Weil es Maeda gerne sportlich mag und die Marke ein bisschen Adrenalin gut brauchen könnt, befinden sich drinnen vier dünne Schalensitze, die bei knapp drei Metern Radstand weit genug auseinander stehen, um allen Insassen ausreichend Bewegungsfreiheit zu gewähren.

Den besten Platz hat der Fahrer, der von den Instrumenten nahezu eingeschlossen wird. Er blickt in ein neues Cockpit mit drei klassischen Anzeigen, zwischen denen allerdings mehrere Monitoren platziert sind. Auf diesen und dem fast frei schwebenden Bildschirm neben dem Cockpit spielt die Bordelektronik Zusatzinformationen aus der Navigationsdatenbank, dem Musiksystem oder dem Internet ein, die nach drei unterschiedlichen Einsatzprofilen ausgewählt werden. Je nachdem ob man zur Arbeit fährt, in sportlicher Stimmung ist oder eher entspannt dahinrolen möchte, läuft in der Studie Shinari ein anderes Infotainment-Programm.

Tolle Studien, fades Modellprogramm - das soll sich ändern

Den frischen Wind der Studie und Maedas Sinn für Sportlichkeit hat Mazda derzeit bitter nötig. Denn obwohl van den Ackers Entwürfe in den vergangenen Jahren zu den Stars der Autoshows zählten, setzte die käuflichen Modelle in den vergangenen Jahren reichlich Staub an. Der neue Mazda 3 sieht beinahe aus wie das Vorgängermodell, der Modellwechsel beim Mazda 5 wirkt wie ein halbherziges Facelift, und die Überarbeitung des Mazda 6 erkennen selbst Stammkunden kaum. Evolution statt Revolution hieß offenbar das Motto, das Maeda jetzt mit "Kodo" wieder umkehren möchte.

Beim Anblick der Studie Shinari denkt der Betrachter sofort an einen künftigen Mazda-Sportwagen. Doch auf der Prioritätenliste der Marke stehen zunächst ganz andere Modelle. Und so werden Maeda und seine Kollegen Peter Birtwhistle aus dem Mazda-Design-Studio in Oberursel, Derek Jenkins aus Irvine in Kalifornien und Yasushi Nakamura aus Yokohama nicht müde zu betonen, dass die Kodo-Formensprache auch für weniger sportliche Modelle tauge.

Schon bald sollen die ersten Serienautos im Kodo-Design vorfahren

In Oberursel wird daher schon an Entwürfen für einen Kleinwagen im Kodo-Stil gearbeitet, der etwa 2015 den aktuellen Mazda 2 beerben könnte. Und Maeda sieht im Shinari bereits einen gestalterischen Vorboten des nächsten Mazda 6, der - etwas kürzer vielleicht, dafür ein bisschen höher - mit genau dieser optischen Spannung und Schärfe in knapp zwei Jahren auf den Markt kommen soll. Einen erster Eindruck, wie das Kodo-Styling an einem Serienauto aussieht, soll schon in gut einem Jahr der Nachfolger des CX-7 vermitteln, der auf der IAA im September 2011 in Frankfurt vorgestellt wird.

So dynamisch der neue Designchef seine Aufgabe auch angeht und die erste Studie auch wirkt - in der Praxis relativiert das Konzeptauto Shinari diesen Eindruck. Weil es schnell gehen musste mit dem Auto und weil der Motor möglichst leicht sein sollte, wurde kein V8- oder V6-Aggregat eingebaut, sondern magerer Vierzylinder aus dem Kleinwagen Mazda 2. Auch mit dem Tempo ist es bei dem millionenschweren Einzelstück aus der Feder von "Speedy" nicht weit her. Auf den handgeschnitzten Reifen des Prototypen steht der Hinweis "Do not use on highways" - Autobahnfahrten verboten.

Anmerkung der Redaktion: Mazda hatte zunächst angekündigt, den Wagen auf dem Autosalon in Paris zu zeigen. Nach neueren Angaben des Herstellers wird der Wagen nun doch nicht zu sehen sein.

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1. bb
traubensaftdance 05.09.2010
Außen HUI Innen FUI
2. besser
traubensaftdance 05.09.2010
Zitat von traubensaftdanceAußen HUI Innen FUI
Natürlich muss es Pfui heißen...
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