Weltpremiere McLaren 570 S Nichts leichter als das

Bei der New York Autoshow debütiert der neue Sportwagen McLaren 570 S - ein direkter Konkurrent zum Porsche 911. Der Wagen ist nicht nur schneller, sondern wiegt auch deutlich weniger als der Sportwagen-Klassiker.

McLaren

Aus New York berichtet


Wird es jetzt langsam eng für die deutsche Sportwagen-Ikone? Bislang machte McLaren mit dem Hybrid-Superportwagen P1 allenfalls dem schwäbischen Hightech-Renner 918 Spyder Konkurrenz. Doch jetzt will die zivile Abteilung des britischen Formel-1-Rennstalls dem wichtigsten Modell aus Zuffenhausen ans Leder - dem 911. In New York stellte das Unternehmen das erste Exemplar einer neuen Baureihe vor, den 570 S der "Sport Series".

Nach den Sparten "Ultimate Series" mit dem Modell P1 und "Super Series" mit dem Typ 650 S folgt damit ein Fahrzeug, das deutlich unter 200.000 Euro kosten soll. Und damit durchaus als Alternative für den Porsche 911 in Frage käme, dessen Top-Varianten Turbo (165.000 Euro) oder GT3 RS (182.000 Euro) ebenfalls in dieser Preisklasse spielen.

"Mit dem 570 S bringt McLaren die DNA seiner Supersportwagen in das Sportwagensegment", heißt es bei den Briten zur Weltpremiere. Der Anspruch ist auf den ersten Blick erkennbar, denn das Design des 4,53 Meter langen und 1,20 Meter hohen Zweisitzers ähnelt so sehr dem des 650 S, dass man vor allem von vorn und von der Seite kaum einen Unterschied erkennt.

Ein Kofferraum zum Angeben

Auch die Technik des Coupés mit den markanten Schmetterlingstüren nimmt Anleihen beim größeren Auto: Hier wie dort röhrt hinter den Sitzen ein 3,8 Liter großer V8-Motor mit Doppelturboaufladung; im 570 S entwickelt die Maschine 570 PS. Die Leistung wird mittels eines Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes an die Hinterräder geschickt, was zu Fahrleistungen führt, die Porsche-Fahrer gar nicht gerne hören dürften: Von 0 auf 100 beschleunigt der Wagen in 3,2 Sekunden, Tempo 200 ist nach 9,5 Sekunden erreicht und die Höchstgeschwindigkeit gibt McLaren mit 328 km/h an. Da würde sogar ein Porsche 911 Turbo S (Spitze 318 km/h) im Rückspiegel immer kleiner.

Die McLaren-Entwickler sprechen über den 570 S als "Sportwagen für alle Tage". Das Auto sei auf Fahrkomfort und Alltagstauglichkeit fokussiert. Nun, was man eben so unter Alltagstauglichkeit versteht, im Segment der brachialen Edelrenner; etwa ein Surround-Sound-System mit 1280 Watt, einen schicken Infotainment-Touchscreen sowie einen Kofferraum mit 144 Liter Fassungsvermögen. Es sei "das größte Gepäckabteil in dieser Klasse", rühmen die McLaren-Leute mit typisch englischem Humor.

Dabei lässt sich auch ohne Fahreindruck schon sagen: Der 570 S ist ein mühsam gezähmter Rennwagen. Das belegt nicht zuletzt die in dieser Klasse einzigartige Konstruktion aus einer Aluminium-Karosserie auf einem Karbon-Chassis. Weil das Kohlefaser-Bauteil lediglich 80 Kilogramm wiegt und McLaren jede Menge zusätzlicher Leichtbauoptionen anbietet, lässt sich das Trockengewicht des Zweisitzers auf 1313 Kilo drücken. "Das sind mehr als 160 Kilo weniger als beim leichtesten Konkurrenten", prahlen die Briten mit Blick auf Porsche 911 und Audi R8.

McLaren zündet die Absatzrakete

Vertriebschef Jolyon Nash nennt das unter dem Codenamen P13 entwickelte Sports-Series-Modell das "wahrscheinlich wichtigste Auto in unserer kurzen Geschichte". Der 570 S werde nicht nur die Sportwagenwelt, sondern auch das Geschäft bei McLaren dramatisch verändern und den Absatz glatt verdoppeln - jedenfalls ist das der Plan.

Geht die Kalkulation auf, setzt sich die McLaren-Erfolgsstory fort. Im Jahr 2011 verkaufte McLaren gerade mal 149 Sportwagen, im vergangenen Jahr jedoch setzten die weltweit 68 Händler bereits 1648 Fahrzeuge ab - etwa zehn Prozent davon in Deutschland. Vor ein paar Tagen wurde in Woking der McLaren mit der Nummer 5000 gebaut, und wenn die Sports Series komplett ist, sollen allein davon 4000 Exemplare pro Jahr ausgeliefert werden.

An Porsche orientiert sich die britische Marke auch bei der Modellplanung. So soll die Super Series weit aufgefächert werden. Geplant sind neben dem jetzt vorgestellten Auto ein schwächeres Einstiegsmodell, eine offene Variante, und auch über eine geräumigere GT-Version gibt es bereits Gerüchte in der britischen Fachpresse. In einem Punkt jedoch wird sich McLaren auch in Zukunft fundamental von den Autobauern in Zuffenhausen unterscheiden, wie Vertriebschef Nash am Rande der Enthüllung in New York zu Protokoll gab. "Einen Geländewagen wird es von McLaren auch in Zukunft nicht geben."

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
Untertan 2.0 02.04.2015
1. Kaufargument
---Zitat--- die Höchstgeschwindigkeit gibt McLaren mit 328 km/h an. Da würde sogar ein Porsche 911 Turbo S (Spitze 318 km/h) im Rückspiegel immer kleiner. ---Zitatende--- Bekomme ich denn beim Kauf dieses Wagens auch die Straße dazu, auf der ich mit einem Porsche Wettrennen fahren kann? Oer ist das bloß eine rein theoretische Betrachung ohne jede praktische Relevanz?
Anna Ampel 02.04.2015
2. Finger noch dran?
Bei der Überschrift habt ihr euch stilistisch schwer einen abgebrochen. Wie heißt es so treffend: Wenn man nur einen Hammer hat, sieht alles aus wie ein Nagel :-)
WeEmm2010 02.04.2015
3. Ich denke ja !
Auf die Eingangsfrage "Wird es jetzt langsam eng für die deutsche Sportwagen-Ikone? " kann es nur eine Antwort geben: JA!
Bueckstueck 02.04.2015
4.
Ob er denn auch in Kurven so schnell und schneller als ein 911 ist, wissen wir jetzt immer noch nicht.
schwarzeruhu 02.04.2015
5. Bildschirm
Mit Autos ist das wie mit Uhren in den 80ern - jeder wollte eine mit Digitalanzeige und Taschenrechner. Heute Retro und Lustig - aber eine richtige Uhr hat Zeiger und Mechanik. Diese ganze Bildschirmbedienerei wird in 5 Jahren überall sein und in 10 Jahren haben die teuren Automobile dann wieder echte Zeiger.
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