Die wenigen Menschen, die dieses Auto je im Straßenverkehr zu Gesicht bekommen, werden mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit wie vom Blitz getroffen stehen bleiben und sich fragen: Was war das denn bitte?
Wenn sie sich vom ersten Schreck erholt haben, werden sie erst ihr Gehirn und dann vermutlich das Internet durchkramen nach Autos, von denen sie meinen, dass sie so ähnlich aussehen. Es wird vergeblich sein. Denn es gibt dieses seltsame Gefährt nur einmal. Ein einziges Mal.
Unlängst meldete sich ein Stammkunde bei der Abteilung "Special Operations" von McLaren (MSO). Der Mann, von dem die britische Sportwagenschmiede weder Namen noch Herkunft verrät, besitzt bereits die Supersportwagen F1, SLR und 12C des Hauses, und wollte jetzt noch ein wirklich individuelles Fahrzeug. Für ihn bauten die Experten in Woking das Modell X-1, ein Unikat, das technisch auf dem Supersportwagen 12C basiert , bis auf das Dach, die Frontscheibe und die Seitenscheiben jedoch kein Karosserieteil vom diesem übernimmt.
Ein Auto für Batman
"'Mit was für einem Auto würde wohl ein Superheld wie Batman zur Oper fahren?' Das war die Frage, auf die er von uns eine Antwort wollte", sagt Hong Yeo über den Auftrag. Der junge Koreaner gehörte zum Design-Team von McLaren-Chef-Stylist Frank Stephenson und erinnert sich gut, wie zu Beginn der Arbeiten vor drei Jahren so genannte Mood-Bords zusammen gestellt wurden. Alles, was den Geschmack des Kunden traf und der Inspiration dienlich war, wurde zusammengetragen, erläutert Yeo das Procedere.
Die Mischung auf dieser "Stimmungstafel" des Bestellers war ziemlich exquisit. Es fanden sich darauf unter anderem ein Facel Vega von 1964, ein1959er Buick Electra, ein Mercedes 540K sowie ein Citroën SM, dazu Gebäude wie den Guggenheim-Museen in New York und Bilbao, Uhren und - eine Aubergine. "Die Farbe und das Finish hatte es dem Kunden einfach angetan", sagt der Designer, der inzwischen für Samsung arbeitet und Mobiltelefone oder CD-Spieler gestaltet.
Aubergine klingt schräg, passt aber zum Auto. Denn der Wagen, der bei McLaren entstand, ist rundherum schräg. Schon die Front mit ihren feinen, senkrechten Chromleisten ist eigenwillig und die gestreckte Flanke mit den verkleideten Radhäusern hinter den riesigen Lufteinlässen für den V8-Mittelmotor ist unvergleichbar.
Fünf weitere Exemplare wären möglich
Und das Heck schließlich ist so einzigartig, dass schon gar keiner mehr fragt, wo die schlichte Eleganz des Originals geblieben sei. Wuchtige, nach hinten verlängerte Seitenteile mit schrägem Abschluss, viereckige Auspuffendrohre, so groß wie Schuhkartons und über allem eine Motorabdeckung, die auch das Vorschiff eines Tankers zieren könnte.
Die bizarre Karbonkarosserie des X-1 ist von Hand gebaut. Doch im Kern ist der Wagen ein reinrassiger Straßenrenner geblieben. Der Motor leistet 625 PS, das Gewicht liegt nahezu unverändert bei den 1400 Kilogramm des normalen Coupés und die Aerodynamik der merkwürdig geformten Karosserie wurde auf der Rennstrecke bereits getestet. Mit Tempo 300 zur Oper zu rauschen dürfte für Batman deshalb kein Problem sein.
Offiziell ist der X-1 ein Einzelstück. Aber er müsse es nicht bleiben, sagt Designer Yeo. "Wir haben alle Werkzeuge so ausgelegt, dass der Kunde noch fünf weitere Fahrzeuge bauen lassen könnte." Für den ein oder anderen Rempler ist damit also auch vorgesorgt.
McLaren-Designchef Stephenson sieht den X-1 durchaus auch als Werbung in eigener Sache. "Der Wagen zeigt auch, wie weit unser Special Operations- Team ein Auto tatsächlich individualisieren kann." Das nämlich würden die Briten angesichts von mehreren Millionen Pfund für den X-1 künftig gerne häufiger machen. Zwar werde schon jetzt jeder vierte 12C mit umfangreichen Sonderwünschen bestellt, sagt Stephenson. Doch leider investiere bislang kaum jemand so viel Zeit und Geld in ein Auto wie der X-1-Anonymus.
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