Autogramm McLaren Spider: Sturm und Klang
Leicht, stark - und jetzt auch offen: Der McLaren MP4-12C muss kaum einen anderen Supersportwagen fürchten. Nun gibt es den 625 PS starken Zweisitzer auch mit versenkbarem Hardtop. Es ist ein Sinnesrausch - auf Knopfdruck.
Der erste Eindruck: Schön, dass wir uns wiedersehen! Schon das Coupé des McLaren MP4-12C machte einen Heidenspaß. Und jetzt wird das Vergnügen noch etwas größer - und zwar um ziemlich genau zwei Quadratmeter. So viel etwa misst das zweigeteilte Dachelement, das sich auf Knopfdruck hinter die Sitze legt und dadurch den Blick zum Himmel und ein Fenster zum Fahrtwind freigibt. Und nicht nur das, sondern vor allem dringt durch die geöffnete Dachluke mehr vom grandiosen Achtzylinder-Sound in den Passagierraum.
Das sagt der Hersteller: "Kein Dach und keine Kompromisse", das ist der Slogan, mit dem McLaren-Markenchef Antony Sheriff den offenen Zweisitzer anpreist. "Die Strenge eines Sportwagens und den Spaß eines Cabrios - der 12C Spider bietet das Beste aus beiden Welten", tönt der Brite. McLaren als Formel-1-Rennstall weiß ohnehin, dass echte Sportwagen nach oben offen sind.
Das ist uns aufgefallen: Die Einheit von Mensch und Maschine predigen viele Sportwagenhersteller. Doch bei McLaren ist das nicht nur Gerede. Schon nach ein paar Metern Fahrt scheint man mit dem 12C tatsächlich zu verwachsen. Man bewegt den Wagen fast intuitiv und nimmt auch die engsten Kurven, ohne nachzudenken. Anbremsen, herunterschalten, einlenken, Gas geben, geradeziehen, hochschalten und wieder davon schießen, das alles wird eins und gelingt wie von selbst in einer Geschwindigkeit, die man mit normalen Autos kaum auf einer schnurgeraden Straße ausprobieren möchte.
So agil und leichtfüßig, präzise und berechenbar, scharf und schnell schafft das kaum ein anderer Sportwagen in dieser Preisklasse. Ein Lamborghini Gallardo sieht extremer aus, ein Audi R8 wirkt optisch präsenter und der Mercedes SLS verströmt mehr Charisma. Doch wenn es um das Sein und nicht den Schein geht, muss der McLaren keinen fürchten - mit Ausnahme vielleicht des ähnlich rassigen Ferrari 458.
All das bietet zwar auch das Coupé, doch im Spider ist das Erlebnis noch intensiver. Das gilt für das Gebrüll, wenn der Wagen in 3,1 Sekunden von 0 auf 100 stürmt und für den Sturm, der einem über die flache Frontscheibe hinweg an den Kopf knallt, wenn man sich Richtung Höchstgeschwindigkeit von knapp 330 km/h heran tastet.
Das muss man wissen: Der 231.650 Euro teure Spider kommt zwar erst in den nächsten Wochen auf die Straße, mehr als ein Jahr nach dem Coupé, aber er ist kein halbgarer Aufguss. Beide Autos wurden parallel entwickelt, so dass die Anforderungen des offenen Modells bereits bei der Konstruktion der tragenden Karbonzelle berücksichtigt wurden. Beim Spider mussten daher keine nachträglichen Versteifungen eingebaut werden, deshalb wiegt der Wagen mit 1376 Kilogramm nur 40 Kilogramm mehr als das Coupé. Diese Leichtigkeit im Vergleich zu den meisten Konkurrenten ist ein Hauptgrund dafür, dass der McLaren fast allen anderen Supersportwagen so locker davon fährt.
Ein anderer ist die so genannte Airbrake, deren spektakuläres Schauspiel man immer dann im Rückspiegel beobachten kann, wenn man jenseits von 95 km/h bremst. Dann kippt der große Heckspoiler nach oben und stellt sich so steil in den Wind wie die Landeklappen eines Jets. Dadurch wird das Heck auf die Straße gepresst und die Wirkung der aufpreispflichtigen Keramikbremsen verstärkt.
Das kompromisslose und trotzdem überraschend komfortable Fahrwerk sowie die Lenkung übernimmt der Spider vom Coupé. Und auch der von zwei Turboladern beatmete V8-Motor mit 625 PS und 600 Nm sowie die famos schnelle Doppelkupplung sind in beiden Typen identisch. Ganz anders ist natürlich das Dach. Es lässt sich nicht nur bis Tempo 30 betätigen, sondern es faltet sich so eng zusammen, dass man auch bei geöffnetem Verdeck durch ein kleines Fenster im Heck den Motor sehen kann. Und wenn es geschlossen ist, schluckt der Verdeckkasten zwei maßgeschneiderte Reisetaschen, die McLaren mitliefert. So wird der 12C zum wahrscheinlich einzigen Spider der Welt, der mehr Stauraum bietet als das dazugehörige Coupé.
Das werden wir nicht vergessen: Die irre Wirkung der separat versenkbaren Heckscheibe. Durch die Öffnung dringt bei geschlossenem Dach nicht nur Frischluft ein. Sondern vor allem drängt sich durch den breiten Schlitz ein imposanter Klangteppich, der jedes Soundsystem überflüssig macht. Ein Knopfdruck genügt, und man wähnt sich irgendwo auf einem Rockkonzert. Und zwar ganz vorn neben der Bühne, genau vor den Boxen.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
- alles aus der Rubrik Auto
- Twitter | RSS
- alles zum Thema Sportwagen
- RSS
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Dienstag, 23.10.2012 – 09:11 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 34 Kommentare
| Hersteller: | McLaren |
|---|---|
| Typ: | MP4-12C Spider |
| Karosserie: | Cabrio/Roadster |
| Motor: | V8-Benziner mit Twinturbo |
| Getriebe: | Siebengang-Doppelkupplung |
| Antrieb: | Heck |
| Hubraum: | 3.799 ccm |
| Leistung: | 625 PS (460 kW) |
| Drehmoment: | 600 Nm |
| Von 0 auf 100: | 3,1 s |
| Höchstgeschw.: | 328 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 11,7 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 279 g/km |
| Kofferraum: | 144 Liter |
| umgebaut: | 196 Liter |
| Gewicht: | 1.376 kg |
| Maße: | 4509 / 2093 / 1203 |
| Preis: | 231.650 EUR |
- Fotostrecke: Das Open-Air-Orchester
- McLaren MP4-12C: Renne sanft (14.03.2012)
- Luxusyacht mit Supersportwagen: Die Ahoi-Sause (29.07.2012)
- Unikat McLaren X-1: Fahren wie ein Superheld (27.08.2012)
- Weltpremiere McLaren P1: Das Ding aus einer anderen Welt (02.10.2012)
für die Inhalte externer Internetseiten.

