Radweg in Meerssen Wo Autos sich verdünnisieren sollen

Eine niederländische Kleinstadt wollte mehr Platz für Radfahrer schaffen - und schrumpfte die Fahrspur für Autos auf einen halben Meter. Im Alltag wird es trotzdem selten zu Problemen kommen.

Die Kuileneindestraat im Niederländischen Meerssen
ROB ENGELAAR/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Die Kuileneindestraat im Niederländischen Meerssen


Links und rechts je ein roter Fahrradstreifen, dazwischen verläuft die schwarze Fahrspur für Autos - in der Mitte der Straße verengt sie sich jedoch zu einem Nadelöhr, schmaler als ein durchschnittlicher Radweg. Was wirkt wie ein Kunstinstallation oder das Ergebnis nachlässiger Bauarbeiter ist von der niederländischen Gemeinde Meerssen durchaus beabsichtigt: Gehwege und Fahrradspuren wurden von der zuständigen Gemeinde verbreitert, auf Kosten der normalen Fahrspur für Autos.

Damit treibt Meerssen auf die Spitze, was viele Stadtplaner auch in Deutschland schon längere Zeit fordern: nämlich die Straße zwischen den Verkehrsteilnehmern neu zu verteilen.

Da die betroffene Straße in Meerssen nicht an allen Stellen gleich breit ist, die Radwege aber immer gleich groß sein sollten, entstand so ein Weg für Autofahrer, der an der schmalsten Stelle nicht mehr als 0,5 Meter misst. Ein VW Golf ist aber etwa 1,80 Meter breit - und kann somit gar nicht die Spur halten. Im Alltag dürfte die vermeintliche Engstelle dennoch kein Problem sein: Die roten Radwege sind mit einer gestrichelten Linie abgegrenzt und dürfen von Autofahrern befahren werden - solange dort niemand in die Pedale tritt. Autofahrer im roten Bereich wird es sicher häufiger geben, denn die Straße darf sogar in beide Richtungen befahren werden.

ene



insgesamt 39 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
7eggert 20.07.2018
1.
Zum Bild: Wieder mal ein Beispiel, wo es sicherer für Alle wäre, keine Radwege anzulegen.
Leser161 20.07.2018
2. Und das soll jetzt was?
Gerne freie Fahrt für freie Radler und Infrarstrukturverbesserung für uns. Aber was genau soll das? Wie im Text geschrieben kann kein Auto die Engstelle passieren ohne auf den Radstreifen zu fahren. Was ja auch voll okay ist, aber dann soll man sich doch einfach die Malerei sparen und sagen die Strasse gehört allen und alle nehmen aufeinander Rücksicht. Auch mal schauen das Autos einen als Radler überholen können. Also Autofahrer auch mal ein paar Meter hinter einem Radler herrollern statt überholen zu "müssen". Fertig ist der Lack.
c_pp 20.07.2018
3.
Ist halt so ein psychologisches Ding. Hier in der Stadt wurden auch Radwege gemalt, die man als Autofahrer überfahren muss, wenn Gegenverkehr auf der Straße ist. Dennoch werden die Radfahrer mit deutlich mehr Seitenabstand überholt als es üblicherweise der Fall ist.
zwischen_durch 20.07.2018
4. Großartig!
An diesem Beispiel sieht man sehr schon, wie sonst mit Radfahrern umgegangen wird. Jeder Autofahrer, der sich darüber aufregt, sollte besser überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, den Radfahrern generell den Platz einzuräumen, den sie benötigen und nicht Pseudo- und Placebo-Fahrradwege, die für Radfahrer eine große Gefahr darstellen.
Stäffelesrutscher 20.07.2018
5.
Zitat von Leser161Gerne freie Fahrt für freie Radler und Infrarstrukturverbesserung für uns. Aber was genau soll das? Wie im Text geschrieben kann kein Auto die Engstelle passieren ohne auf den Radstreifen zu fahren. Was ja auch voll okay ist, aber dann soll man sich doch einfach die Malerei sparen und sagen die Strasse gehört allen und alle nehmen aufeinander Rücksicht. Auch mal schauen das Autos einen als Radler überholen können. Also Autofahrer auch mal ein paar Meter hinter einem Radler herrollern statt überholen zu "müssen". Fertig ist der Lack.
Diese Malerei bremst die Autofahrer ab. Jeder Id**t erkennt, dass er sich hier zurückhalten muss. Während in Deutschland Fahrradstraßen als Schleichwege missbraucht werden - nee, nicht »Schleich«wege, denn obwohl in Fahrradstraßen per definitionem Tempo 30 gilt und Autofahrer dorr Radfahrer keinesfalls behindern dürfen, brettern die Autofahrer dort gerne auch mit 40 bis 55 km/h durch. Ach ja: Das ist jetzt die wahrscheinlich weltweit einzige Stelle, an der die »Autofahrspur« schmaler ist als ein Auto. Möchte SPON mal Fotos all der Stellen veröffentlichen, an denen »Radwege« schmaler sind als ein Fahrrad? Das dürfte in die Millionen gehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.