Mega City Vehicle BMW gründet eigene Marke für Stromer-Flotte

Seit Apples iMac gilt das i im Namen als Synonym für Fortschritt: Das Image will sich jetzt auch BMW zunutze machen. Unter dem Label BMW i sollen künftig innovative Mobilitätslösungen entstehen. Die Taufparty blieb allerdings ohne Hauptdarsteller: Das Auto zur Marke kommt erst 2013.

Aus München berichtet


Große Botschaften erfordern große Gesten: Das ganze Wochenende über hat in München deshalb der so genannte Vierzylinder geglüht und eine Lichtshow die BMW-Firmenzentrale, das Museum und die angrenzende Markenwelt in bunte Farben getaucht. Schließlich hatten die Bayern tags drauf nicht weniger als die Geburt einer neuen Marke zu verkünden. Unter ihr will der Autokonzern neue Modelle und Dienstleistungen für eine neue Zeit verkaufen, die geprägt ist von wachsenden Ballungsräumen, knapper werdenden Ressourcen und der Sorge um die Umwelt.

Die Arbeit daran läuft unter dem Codenamen "Project i" bereits seit vier Jahren, und seit ein paar Monaten spricht man in München immerhin schon einmal vom "Mega City Vehicle", das als erster elektrischer BMW und Flaggschiff der neuen Marke im Jahr 2013 in Serie gehen soll. Doch wer angesichts des ganzen Brimboriums auf weltbewegende Neuschöpfungen gehofft hat, sah sich getäuscht. Am Ende zauberten Vertriebschef Ian Roberston, Entwicklungsvorstand Klaus Dräger und Chefdesigner Adrian van Hoydonk lediglich einen neuen Namen aus dem Hut: Aus "Project i" wird "BMW i", und aus dem Mega City Vehicle der i3.

Kaum überraschender ist das zweite Modell der Marke, das kurz nach dem i3 in Serie gehen soll: Es ist der bislang als "Vision Efficient Dynamik" bekannte Hybrid-Sportwagen mit Plug-In-Technik, der künftig als i8 vermarktet wird. Und dann verrät Dräger noch ein Geheimnis, auf das selbst Grundschüler gekommen wären: "Drei ist nicht die kleinste und Acht nicht die größte Zahl, und dazwischen ist noch viel Platz. Wir haben also alle Optionen, um die neue Marke zu entwickeln."

Das Chassis kehrt zurück

Dass BMW für die neuen Modelle überhaupt eine neue Marke gründet, die vor allem innovativ und inspirierend sein will, rechtfertigen die Bayern nicht zuletzt mit dem Konstruktionsprinzip der neuen Autos: Sie bestehen aus einem Chassis - dem so genannten Drive-Modul-, in dem Motor, Akkus, Elektronik und Fahrwerk zusammengefasst sind, und der Karosserie - Life-Modul genannt. Dieser montierte Aufbau besteht erstmals bei einem Großserienfahrzeug weitgehend aus Karbon und bringt neben der größeren Sicherheit einen deutlichen Gewichtsvorteil: "So können wir das Mehrgewicht der Batterie beinahe kompensieren", sagt Entwicklungschef Dräger und stellt gegenüber Elektrofahrzeugen in Stahlbauweise ein Minus von 300 Kilogramm in Aussicht.

Bislang kam Karbon vornehmlich in der Formel 1, im Flugzeugbau und bei einigen Supersportwagen zum Einsatz, weil jedes einzelne Teil aufwendige Handarbeit erforderte. BMW arbeitet derzeit gemeinsam mit dem Zulieferer SGL Carbon intensiv daran, das Produktionsverfahren radikal vereinfachen und beschleunigen. Den Weg für die Zusammenarbeit hatte Susanne Klatten aus der BMW-Eigentümerfamilie Quandt vor zwei Jahren mit ihrer Beteiligung an SGL Carbon geebnet. Davon alarmiert, hat die Konkurrenz mittlerweile bereits nachgezogen: Daimler hat letzten Herbst eine entsprechende Kooperation mit dem japanischen Spezialisten Toray vereinbart, und vor ein paar Tagen vermeldete auch Audi eine Liaison mit dem Karbonzulieferer Voith.

Die neue Marke und ihre Modelle lässt sich BMW einiges Kosten. Offiziell sind zwar nur 400 Millionen Euro eingeplant, um das Werk Leipzig fit für die Produktion der i-Palette zu machen. Doch dabei wird es nicht bleiben. Branchenkenner beziffern den Investitionsbedarf für ein neues Modell samt neuer Plattform auf etwa eine Milliarde Euro - neue Fertigungstechnologien wie die Karbonverarbeitung nicht mit gerechnet.

Hohe Erwartungen

Und bei den Investitionen für neue Autos soll es nicht bleiben: Über eine Venture-Capital-Gesellschaft mit Sitz in New York wollen die Bayern bis zu 100 Millionen Euro ausgeben, um sich an innovativen Start-Up-Unternehmen zu beteiligen und die Marke so um zahlreiche Mobilitätsdienstleistungen zu erweitern. Waren die bislang über den Dienst "Connected Drive" nur innerhalb des Fahrzeugs verfügbar, will Robertson unter BMW i auch Angebote für Handys und mobile Computer machen.

Dabei ruhen die Hoffnungen vor allem auf so genannten "Location Based Services", die wie zum Beispiel der erste Kooperationspartner "My City Was" ortsbezogene Informationen so aktuell wie möglich aufbereiten. So erfährt man heute schon in New York und demnächst in weltweit 80 Städten in Echtzeit, wo welche Parkplätze frei sind, ob man statt des Autos besser die U-Bahn nimmt oder welche Durchgangsstraßen in der Stadt gerade dicht sind.

Selbst Car-Sharing ist für de Bayern unter der neuen Marke kein Fremdwort mehr, wenngleich die BMW-Mannen das Adjektiv "premium" dabei natürlich besonders häufig erwähnen.

Bleibt den Münchenern zu wünschen, dass sie die hohen Erwartungen, die sie mit dem i3 geweckt haben, am Ende auch erfüllen können - vor allem, wenn der Spannungsbogen noch zwei Jahre halten muss. "Wenn der Wagen nicht mindestens fliegen kann und in der Garage gleich noch die Wäsche erledigt, werden viele enttäuscht sein", sagte deshalb ein BMW-Kommunikator nur halbwegs im Scherz.

Da hilft es bei der Taufe auch nicht gerade, wenn die wichtigsten Protagonisten fehlen. Denn weder das entscheidende Auto noch eigentlichen den Taufpaten konnten die Bayern aufbieten. i3 und i8 sieht man zum ersten Mal vermutlich im Herbst auf der IAA in Frankfurt und der Vorstandsvorsitzende hat nur seine Vertreter geschickt. Dabei liegt sein Büro keine 500 Meter Luftlinie entfernt.



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Seite 1
mundi 22.02.2011
1. nur wenn Stromerzeugung an Bord mittels Brennstoffzellen möglich wäre
Zitat von sysopSeit Apples iMac gilt das i im Namen als Synonym für Fortschritt: Das Image will sich jetzt auch BMW zunutze machen. Unter dem Label BMW i will der sollen künftig innovative Mobilitätslösungen entstehen. Die Taufparty blieb allerdings ohne Hauptdarsteller: Das Auto zur Marke kommt erst 2013. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,747055,00.html
Der Elektroantrieb für ein Auto wäre erst dann ein Quantensprung, wenn die Stromerzeugung an Bord mittels Brennstoffzellen möglich wäre. Batterie als Stromquelle erinnern an die Zeit, wo Schaufelräder auf Schiffen die Rudermannschaft ersetzt hatten.
BEASTIEPENDENT 22.02.2011
2.
Wie albern ist das denn? Mann Mann Mann, was ist aus BMW geworden. erst dieser urplötzliche, vorschnelle und peinliche Abgang aus der Formel 1 und jetzt kupfern sie derart dummdreist bei Apple ab, OHNE etwas zu haben, das mit dem "i" bezeichnet wird. Ja, da kommt einem "i für Idiotie" wirklich in denn Sinn!
Grottenolm, 22.02.2011
3. sparmaßnahme?
das i hat bmw schonmal eingeführt, mitte der 80er als kennzeichen der elektronischen einspritzanlage... kreativ wäre anderes
gewgaw 22.02.2011
4. :)
So ein BMW ist eben für manche unerreichbar - die Foristen erinnern mich an den Fuchs und die Trauben.
Hans Blafoo 22.02.2011
5. Blafoo
Zitat von BEASTIEPENDENTWie albern ist das denn? Mann Mann Mann, was ist aus BMW geworden. erst dieser urplötzliche, vorschnelle und peinliche Abgang aus der Formel 1 und jetzt kupfern sie derart dummdreist bei Apple ab, OHNE etwas zu haben, das mit dem "i" bezeichnet wird. Ja, da kommt einem "i für Idiotie" wirklich in denn Sinn!
Ich empfand den Rückzug aus der Formel 1 als eines der besten Dinge, die BMW machen konnte. Das F1-Projekt hat im Jahr hunderte Millionen verschlungen, Titel sind nicht herausgesprungen und ich bezweifle, dass man viel Technik aus der Formel 1 in Serienwagen integrieren konnte. Bezüglich BMW i (das wird angeblich nicht wie das i in iPhone, sondern eben wie ein deutsches i ausgesprochen) bin ich mir aber auch noch nicht ganz im klaren, ob das bisher so clever war. Warum kündigt BMW schon 2,5-3 Jahre vor der Veröffentlichung ein neues Modell an und gibt dazu Ansätze, wie sie es realisieren wollen?! Ich verstehe den Sinn dahinter nicht, da wie es aussieht die Konkurrenz ja dann schnell nachzieht.
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