Mehr Reichweite für Elektroautos: Kraftwerk am Haken

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Die beschränkte Reichweite von Elektroautos spornt Ingenieure zu immer neuen Lösungen an. In den USA etwa könnte bald ein Anhänger mit eingebautem Kraftwerk auf den Markt kommen, um den Aktionsradius von E-Mobilen zu vervierfachen. Interessenten brauchen jedoch Geduld.

Energie aus dem Anhänger: Reichweite im Schlepp Fotos

In den großen US-amerikanischen Städten laufen längst die Vorbereitungen für die Zeit, in der die Autos elektrisch fahren werden. Die Zahl der Ladestationen an den Straßen steigt permanent. In der Provinz jedoch wird es wohl noch sehr lange dauern, bis Elektroautos flächendeckend mit Energie versorgt werden können. Die 160 Kilometer Reichweite, die zum Beispiel Nissan für das jüngste Elektroauto Leaf verspricht, dürften daher auf dem platten Land kaum genügen. Das zumindest glaubt Wil Cashen, der Gründer des Unternehmens EMAV aus Wakerusa im US-Staat Indiana. Cashen präsentiert jetzt eine ebenso simple wie praxistaugliche Lösung zur Erweiterung der E-Auto-Reichweite. Power Regeneration Unit, kurz: PRU, heißt das Konstrukt, mit dem er Elektrofahrzeuge zu Dauerläufern machen will.

Im Kern ist eine PMU nichts anderes als ein simpler Kfz-Anhänger, auf dem neben zusätzlichen Akkus gleich auch noch ein so genannter Range Extender montiert ist. Dieser Dieselmotor mit lediglich 0,8 Liter Hubraum treibt einen Generator an und produziert während der Fahrt den Strom für den Antrieb des Autos. Die Idee ist nicht neu. Denn solch ein Notstromaggregat steckt auch an Bord des Chevrolet Volt (baugleich mit dem kommenden Opel Ampera) und ist prinzipiell aus Studien wie Jaguar C-X75 oder Audi A1 E-Tron bekannt. Der gravierende Unterschied: Während Volt, Ampera & Co. den Zusatzmotor permanent mit sich herumschleppen müssen, nehmen PRU-Kunden das Kraftwerk nur dann an den Haken, wenn sie auf eine längere Reise gehen. Auf dem Weg zur Arbeit oder der absehbaren Fahrt zum Einkaufen bleibt der Ballast einfach in der Garage.

Für das Konzept, das zunächst auf kompakte Fahrzeuge wie den Nissan Leaf oder die von Chrysler bereits angekündigte Elektroversion des Fiat 500 ausgelegt ist, wirbt Cashen mit eindrucksvollen Zahlen: Die Zusatzbatterie hat 70 Kilowattstunden, und der Generator produziert aus etwa 22 Litern Dieselkraftstoff genügend Strom für mehr als 1000 Kilometer elektrische Fahrt. "Damit schließen wir die Lücke zwischen dem elektrischen Stadtverkehr und der alltäglichen Nutzung von Autos", wird der Firmenchef in US-Medien zitiert. Und ganz nebenbei erweitert es den bescheidenen Stauraum der kleinen E-Mobile. Denn trotz Akkus, Motor und Generator bleiben drei Viertel der Ladefläche im Anhänger frei für Gepäck.

Hightech-Anhänger mit separatem Antrieb

Ganz so trivial, wie es auf den ersten Blick wirkt, ist das Kleinkraftwerk im Anhänger allerdings nicht. Um den Motor des Zugfahrzeugs zu entlasten, hat der Einachser einen eigenen Antrieb, dessen Geschwindigkeit über Sensoren an der Deichsel mit dem Tempo des Zugwagens synchronisiert werden soll. Außerdem plant Cashen eine Online-Verbindung mit Google Earth, um die Ladezyklen der Akkus an die Topographie anzupassen und nicht mit leerer Batterie ausgerechnet an eine Steigung zu gelangen. Kein Wunder also, dass Cashen mit einem Preis von 15.000 Dollar für den schlauen Anhänger kalkuliert.

Bislang hat der Reichweiten-Verlängerer allerdings noch einen Haken - er existiert bislang nur als Plan. Doch immerhin baut Cashens Firma bereits Anhänger für Jeep-Fahrer, die über den offiziellen Chrysler-Tuner Mopar vertrieben werden. Deshalb klingt es nicht unglaubwürdig, wenn Cashen für Anfang 2011 den ersten Prototypen ankündigt und vollmundig verspricht: Spätestens wenn Elektroautos in größerer Stückzahl durch die USA stromern, soll der Verkauf der PRU beginnen.

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insgesamt 46 Beiträge
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1. das dumme sind nur die Abgase
kalumeth 04.11.2010
Zitat von sysopDie beschränkte Reichweite von Elektroautos spornt Ingenieure zu immer neuen Lösungen an. In den USA etwa könnte bald ein*Anhänger mit eingebautem Kraftwerk auf den Markt kommen, um den Aktionsradius von E-Mobilen zu vervierfachen. Interessenten brauchen jedoch Geduld. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,727011,00.html
Was war nochmal gleich der Sinn eines E-Antriebs? CO2 aus dem Abgas zu verbannen? Was im E-Kraftwerksschlot sowieso gang und gäbe ist, wird nun einfach in den Anhänger verlagert. Wieviel Augenwischerei brauchen wir noch, um endlich aufzuwachen? ein vergleichbarer Gesamtwirkungsgrad eines E-Antriebs, Kraftwerks-, Leitungs- und Ladewirkungsgrade mit einbezogen, ist NICHT höher, als beim modernen Verbrennungsmotor.
2. Auf Thema antworten
c.PAF 04.11.2010
Genau das habe ich mir auch gedacht. OK, ein Verbrauch von 2,2 Litern pro 100km ist schon nicht schlecht. Aber wo ist dann der reine E-Antrieb geblieben? Für mich ist das nichts anderes als ein Auto mit (sparsamen) Verbrennungsmotor. Sicher nicht schlecht, aber auch keine Sensation. Verbrennungsmotoren zum Antrieb gibt es schon länger...
3. Selbst wenn ...
iGelb 04.11.2010
Zitat von kalumethWas war nochmal gleich der Sinn eines E-Antriebs? CO2 aus dem Abgas zu verbannen? Was im E-Kraftwerksschlot sowieso gang und gäbe ist, wird nun einfach in den Anhänger verlagert. Wieviel Augenwischerei brauchen wir noch, um endlich aufzuwachen? ein vergleichbarer Gesamtwirkungsgrad eines E-Antriebs, Kraftwerks-, Leitungs- und Ladewirkungsgrade mit einbezogen, ist NICHT höher, als beim modernen Verbrennungsmotor.
Ihre Annahmen stimmen. Das Szenario wäre doch: Ich fahre 95% der Zeit mit leichten Akkus und einer Reichweite bis 100km, beispielsweise in der Stadt. Mein Auto verbraucht ca. 12 kWh/100km, dies entspricht der Energiemenge von etwas mehr als einem Liter Benzin. Dann plane ich eine weite Strecke und hänge diesen Anhänger an. 22l/1000km entspricht 2,2 l/100km. Das muss ein verbrennungsmotorgetriebenes Fahrzeug erst mal nachmachen. Der Anhänger könnte auch zusätzlichen Stauraum für meine lange Reise bieten und könnte beispielsweise gemietet werden. Daraus ergibt sich doch ein Gesamtenergieverbrauch, der mit Verbrennungsmotoren so nicht umsetzbar ist.
4. Worueber wird eigentlich diskutiert?
energieinfo 04.11.2010
Ein Akku, der vielleicht 1000 mal aufgeladen werden kann und 30000 Euro kostet, damit man eine Reichweite von vielleicht 200 Kilometern erhaelt, ist wirtschaftlich und energetisch unsinnig. Es waere hilfreich, wenn endlich in der Gesamtheit effiziente Elektrofahrzeuge auf den Markt gebracht wuerden: * Leichte Bauweise * hocheffizientes Dieselaggregat + kleine Batterie + vollelektrischer Antrieb also sozusagen ein "serielles Hybrid". Eine solche Bauweise ist kostenguenstig, relativ einfach aufgebaut und hat eine (sehr) hohe Reichweite. Die derzeit im Markt befindlichen Elektrofahrzeuge sind zwar sinnvoll, um Aufmerksamkeit zu erregen und den Markt zu testen. Aber eine Breitenwirkung ist von ihnen nicht zu erwarten ... es sei denn, jemand erfindet einen Akku mit 3000 Ladezyklen zum Preis von 5000 Euro für 400 km Reichweite. Aber da gibt es noch keinen Silberstreif am Horizont.
5. .
Traumflug 04.11.2010
Zitat von energieinfoEin Akku, der vielleicht 1000 mal aufgeladen werden kann und 30000 Euro kostet, damit man eine Reichweite von vielleicht 200 Kilometern erhaelt, ist wirtschaftlich und energetisch unsinnig. Es waere hilfreich, wenn endlich in der Gesamtheit effiziente Elektrofahrzeuge auf den Markt gebracht wuerden: * Leichte Bauweise * hocheffizientes Dieselaggregat + kleine Batterie + vollelektrischer Antrieb also sozusagen ein "serielles Hybrid". Eine solche Bauweise ist kostenguenstig, relativ einfach aufgebaut und hat eine (sehr) hohe Reichweite. Die derzeit im Markt befindlichen Elektrofahrzeuge sind zwar sinnvoll, um Aufmerksamkeit zu erregen und den Markt zu testen. Aber eine Breitenwirkung ist von ihnen nicht zu erwarten ... es sei denn, jemand erfindet einen Akku mit 3000 Ladezyklen zum Preis von 5000 Euro für 400 km Reichweite. Aber da gibt es noch keinen Silberstreif am Horizont.
Es sieht gar nicht so schlecht aus. Es gibt bereits Akku-Technologien, die 10.000 Ladezyklen erreichen und auch 600 km Reichweite sind schon drin. Es mangelt noch am Preis und an der Serienreife, doch das löst sich ja bekanntlich bei Massenproduktion mehr oder weniger von alleine. Das mit dem Anhänger finde ich eine gute Idee. Statt zusätzlichem Antrieb und zusätzlichen Batterien wäre mir jedoch ein günstigerer Preis und zusätzlicher Laderaum wichtiger. Dann wäre das Ding beinahe ideal für die gelegentliche Urlaubsreise.
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Österreich
Österreich: Befreiung von der einmaligen Verbrauchsabgabe (1602 Euro) und der Kfz-Steuer (403 Euro pro Jahr).
Norwegen
Fahrer von Elektroautos dürfen die Bus- und Taxispuren benutzen, und zudem sind alle Parkplätze kostenfrei.
Italien
1500 Euro Zuschuss für ein privat genutztes Elektroauto. Bei gewerblichen Fahrzeugen steigt der Bonus auf 4000 Euro. Stufenweiser Rabatt auf Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren (219 Euro pro Jahr).
Irland
50 Prozent Steuernachlass oder 2500 Euro Zuschuss für Fahrzeuge mit Hybrid- oder Flexfuel-Antrieb.
England
Ab 2011 sollen Käufer von Elektroautos mit einer Summe zwischen umgerechnet 2300 und 5000 Euro unterstützt werden - zunächst ist die Subvention begrenzt bis 2016.
Frankreich
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Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Honda Civic, Honda Insight
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Beispiele: Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz)
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

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