Melkus RS 2000: Neustart des Ost-Renners

Von Jürgen Pander und Markus Bruhn

Sepp Melkus sucht die Herausforderung, und es ist ein gewaltiger Wurf, den er plant. Auf der IAA will der Karosseriebauer aus Dresden einen Sportwagen mit Flügeltüren vorstellen und wiederholen, was seinem Großvater Heinz Melkus einst in der DDR gelang: eine Sensation.

In den nächsten Wochen sollen die Fahrtests auf Rennstrecken beginnen. "Wir machen das alles in Eigenregie", sagt Sepp Melkus, 26, Karosseriebauer und Fahrzeugproduzent in Personalunion. Der Chef der Melkus Sportwagenmanufaktur in Dresden ist familiär vorbelastet: Sein Großvater Heinz Melkus war Autokonstrukteur, Rennfahrer und einer der profiliertesten Vollgasexperten des ehemaligen Ostblocks. Im April 1969 stellte Heinz Melkus, Mitglied in der "Arbeitsgemeinschaft Sportwagen" der DDR einen atemberaubenden Sportwagen mit Flügeltüren und getuntem Wartburg-Zweitaktmotor vor.

Der Leichtbau-Renner mit 100 PS Leistung war bis zu 210 km/h schnell und wurde zum Dominator bei Rennveranstaltungen im Osten. Heinz Melkus beendete etwa 80 von insgesamt 200 Rennen siegreich. Und weil das Auto auch eine Straßenzulassung hatte, baute Melkus parallel zur Raserei bis 1979 insgesamt 101 Modelle des aufsehenerregenden Sportwagens.

"Ich erinnere mich noch genau daran, dass ich ein einziges Mal einen Melkus auf der Straße gesehen habe, zwischen Dessau und Oranienbaum", sagt Lutz Fügener, heute Professor für Transportation Design an der Hochschule Pforzheim. Die Form des damaligen Melkus hatten Designer der Kunsthochschule Berlin-Weißensee entworfen. Für das neue Modell, den Melkus RS 2000 engagierte Sepp Melkus den Designexperten Fügener, der in Berlin Mitgesellschafter der Designbüros Studio FT ist.

"Unsere Aufgabe war sehr klar definiert. Das technische Package stand bis auf den Millimeter fest. Das Auto sollte ohne Retro-Elemente die Brücke in die Vergangenheit schlagen - und natürlich Flügeltüren haben", sagt Fügener. Die Aufgabe lösten er und sein Kompagnon Jens Timmich mit Bravour, der neue Melkus RS 2000 erinnert an den Klassiker und wirkt zugleich frisch und modern.

Innovatives Türkonzept und Technik aus England

Außergewöhnlich ist vor allem das Türkonzept. "Der Wagen ist Coupé und Targa in einem", sagt Sepp Melkus. Die Scheiben in den Flügeltüren sollen versenkbar sein, dazu wird es ein Glaselement auf dem Dach geben, das ebenfalls variabel ist.

Überhaupt wird das Auto voller Überraschungen stecken. Die technische Basis unter der Kunststoffkarosserie stammt aus England, doch über den Motoren- und Chassislieferanten schweigt Melkus derzeit noch beharrlich. Melkus: "Wir geben sämtlichen Teilen, die wir einkaufen, ohnehin einen ganz eigenen Charakter. Der Motor etwa erhält ein spezielles Kompressorkit und eine neue Ölwanne." Verantwortlich für die Entwicklung solcher und anderer spezifischer Bauteile sowie für das Gesamtfahrzeug ist Sepps Vater Peter Melkus.

Die Idee zu einer kompletten Neuauflage des Sportwagens kam Sepp und Peter Melkus, die ein Autohaus mit den Marken BMW, Mini und Lotus in Dresden führen, nachdem sie vor drei Jahren damit begannen, den Ur-Melkus noch einmal nachzubauen. Fünf Autos waren geplant, 20 Modelle wurden ihnen dann förmlich unter den Händen weggekauft. Da ahnten sie, dass ein Neustart des Projekts erfolgreich sein könnte.

Absage an den weichgespülten Sportwagen

Der neue Melkus RS 2000 soll "kein komfortbasierter Sportwagen werden, sondern ein klassischer Rennwagen", erklärt der Firmenchef. "Es ist auch geplant, das Auto regelmäßig bei Rennen einzusetzen." 24 Fahrzeuge pro Jahr sollen in reiner Handarbeit in Dresden entstehen. Der Vierzylindermotor im Heck des Wagens soll 270 PS leisten und das Auto in weniger als fünf Sekunden auf eine Geschwindigkeit von 100 km/h beschleunigen. Als Preis sind cirka 100.000 Euro im Gespräch.

Warum aber sollte ein Sportwagenkäufer so viel Geld für ein nahezu unbekanntes Auto ausgeben, wenn er auch einen Porsche dafür haben könnte? "Es geht ums Fahrgefühl", erklärt Sepp Melkus seine Zuversicht, dass es solche Menschen geben werde. "Es ist etwas völlig anderes, mit einem Leichtbauauto wie dem RS 2000 unterwegs zu sein, als mit einem tonnenschweren Sportwagen." Außerdem genieße man mit einem Melkus tatsächlich absolute Exklusivität. "Wir bauen ja nur 24 Autos pro Jahr." Vorbestellungen werden übrigens schon entgegen genommen. Und auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt im September soll das Auto offiziell vorgestellt werden. Bis dahin ist es inkognito auf Testfahrten unterwegs - womöglich auch zwischen Dessau und Oranienbaum.

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