Unterm Hammer Auto zum Abheben

Für manche Autos muss man einfach mehr bieten: SPIEGEL ONLINE zeigt Fahrzeuge mit berühmten Vorbesitzern und Raritäten, die versteigert werden. Diesmal: Ein (fast) echter Rennwagen.

Patrick Ernzen / RM Sotheby's

Von Christian Frahm


Unterm Hammer: Ein Mercedes-Benz AMG CLK GTR, Baujahr 1998.

Warum mitbieten? Erstens, weil es von diesem Modell weltweit nur 25 Stück gibt. Zweitens, weil dieser abgefahrene Rennwagen eine Straßenzulassung hat und es wohl kein spektakuläreres Auto mit Stern auf der Haube gibt, mit dem man Morgens auf den Firmenparkplatz rollen kann. Und drittens: mehr Heckspoiler geht nicht.

Seinen Ursprung hat der Wagen in der GT1-Rennserie. Mercedes trat im Jahr 1997 mit dem CLK GTR in dieser Meisterschaft an - ein Rennwagen allein reichte dafür laut Reglement allerdings nicht. Zur Teilnahme an dieser Rennserie mussten 25 sogenannte Homologationsmodelle des Rennwagens gebaut werden. Also Fahrzeuge mit Straßenzulassung, die der Rennversion aber möglichst nahe kommen. Mercedes-Haustuner AMG baute daher in einer Kleinserie das Modell AMG CLK GTR - einen Supersportwagen mit Straßenzulassung, dessen Name auch aus dem Abkürzungsrap "MfG" der Fantastischen Vier stammen könnte.

Nur vier Monate Entwicklungszeit

Viel Zeit hatten die AMG-Ingenieure dafür allerdings nicht. Lediglich vier Monate blieben den Tuning-Spezialisten, um die Rennversion und ein entsprechendes straßenzulässiges Homologationsmodell zu bauen. 128 Tage später fuhr der CLK GTR seine ersten Runden auf der Rennstrecke, am Steuer saßen Mercedes-Veteran Bernd Schneider und ein aufstrebendes Talent aus Österreich, Alexander Wurz. Der Test lief vielversprechend, AMG-Chef Hans-Werner Aufrecht erklärte verschmitzt, der Wagen "fährt (…) und sieht gut aus". Dem Bau von zwei Rennautos und des ersten Homologationsmodells stand daraufhin nichts mehr im Wege, das rund vier Monate nach Projektstart präsentiert wurde.

Durch das extreme Aussehen des Wagens war Mercedes jede Menge Aufmerksamkeit gewiss, mehr als 300 potenzielle Käufer meldeten sich für die 25 Exemplare der Straßenversion AMG CLK GTR beim Stuttgarter Autohersteller. Am Ende verließen 20 Coupés und fünf als Roadster-Variante die Werkshallen der Tuningschmiede.

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AMG CLK GTR: Rarer Renner

Der jetzt vom kanadischen Auktionshaus RM Sotheby's zur Versteigerung angebotene Wagen trägt die Nummer 9 und ist beinahe noch ein Neuwagen, der Kilometerstand liegt bei 1439 Kilometern. Die dürften der Wagen jedoch recht zügig zurückgelegt haben: Angetrieben wird der 1360 Kilogramm schwere Rennwagen von einem V12-Motor mit 6,9 Litern Hubraum und 630 PS. Die verhelfen dem straßentauglichen Silberpfeil zu rennstreckentauglichen Fahrleistungen, in 3,8 Sekunden beschleunigt der Rennwagen auf 100 Kilometer pro Stunde, Schluss ist erst bei 320 km/h.

Im Gegensatz zur Rennversion bietet "Nummer 9" jedoch ein paar Extras. Darunter sind beispielsweise ABS, eine Klimaanlage, kleine Staufächer für ein wenig Gepäck - auf einen Kofferraum müssen Käufer dieses Wagens verzichten - sowie eine Lederausstattung. Das sequenzielle Sechsgang-Schaltgetriebe hingegen ist, genau wie der V12-Motor, identisch mit den Komponenten des GT1-Rennwagens.

Das Paket aus einer ausgefeilten Aerodynamik und dem starken Zwölfzylinder machten den CLK GTR auf der Rennstrecke zu seiner Zeit so gut wie unschlagbar. Bereits im ersten Einsatz auf dem Hockenheimring stand Bernd Schneider auf der Pole Position und fuhr die schnellste Rennrunde. Am Ende des Jahres standen der Fahrertitel für Schneider und der Konstrukteurstitel für AMG auf der Habenseite. Die Dominanz des Wagens ging im Jahr darauf sogar so weit, dass die GT1-Klasse 1999 gestrichen wurde - es fanden sich schlichtweg keine Gegner mehr, die es mit dem Wagen aufnehmen wollten.

Stattdessen entwickelte Mercedes-Benz den Wagen zum CLR weiter, der 1999 bei den 24 Stunden von Le Mans siegen sollte. Auch die Tests dieses offensichtlich vom CLK GTR abgeleiteten Renners verliefen positiv, die Testphase im Windkanal blieb allerdings relativ kurz. Am Ende geriet der CLR jedoch, anders als sein Vorgänger, vermutlich gerade deshalb zum PR-Desaster. Bei den 24 Stunden von Le Mans überschlug sich zunächst der Wagen von Mark Webber einmal in der Qualifikation und, trotz kleinerer Umbauten, nochmals im Warmup.

Doch die Pechsträhne war damit noch nicht zu Ende, im Rennen wiederholte sich dieser Folgenschwere Unfall zum dritten Mal. Diesmal traf es das Auto von Peter Dumbreck, der bei der Anfahrt zur Indianapolis-Kurve abhob, sich mehrmals überschlug und neben der Strecke in der Botanik aufschlug. Wie schon zuvor blieb der Fahrer unverletzt, der Unfall war jedoch live im Fernsehen zu sehen. Mercedes-Benz nahm daraufhin den verbliebenen Wagen mit Bernd Schneider am Steuer aus dem Rennen, die Rennsportkarriere des CLR fand damit ein deutlich weniger ruhmreiches Ende als die seines Vorgängers.

Zuschlag! Das Auktionshaus erwartet einen Erlös von rund 4,6 Millionen Euro. Dafür bekommt der künftige Besitzer aber auch die originale Werkzeugkiste, Servicebücher, den Ersatzschlüssel und einen Erste-Hilfe-Kasten obendrauf. Und an Wert verloren hat der Wagen bisher jedenfalls nicht: Der Erstbesitzer der "Nummer 9", Stahl-Unternehmer Hermann Eschmann aus Gummersbach, erstand den Boliden damals für 3.074.000 DM - umgerechnet rund 1,57 Millionen Euro.

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
mucman 25.08.2018
1. Überschrift extrem unglücklich
Die Überschrift ist extrem unglücklich gewählt, wenn man sich das eingebettete Video von Peter Dumbrecks Horrorcrash anschaut. Zeugt nicht gerade von Sensibilität des Autors.
50&up 25.08.2018
2. 4,X Millionen
für eine Maschine die selbst von Profis nicht bedient werden kann, ergo als, vorsichtig ausgedrückt, Ausschuß/Schrott bezeichnet werden muß? Wes Geistes Kind muß man sein derartig Geld zu verbrennen?
fehleinschätzung 25.08.2018
3. klingt eher nach einem Reinfall
http://m.spiegel.de/auto/aktuell/pleiten-pech-und-mercedes-teuerstes-auto-der-welt-entpuppt-sich-als-pannenmuehle-a-421575.html
bluemetal 25.08.2018
4. Schön ?
Faszinierendes Auto. Das absurde ist, dass die Lichter hinten und vorne und auch die Front/Kühlergrill aus Zeit/Geldmangel (?) von einer braven billigen E- Klasse genommen wurde. Das sieht so dämlich aus. Auf den ersten laienhaften Blick wie eine bespoilerte und verbreiterte 90er Zuhälter-E-Klasse vom Hinterhof-Tuner. Natürlich auf den zweiten Blick erkennt man den Mittelmotor-Rennwagen, aber schön ist das Auto nicht, einfach nur (damals) schnell.
kajosch55 25.08.2018
5. Opas Autowahn
Wen interessieren dies meist völlig misslungenen Versuche so etwas wie Design zu schaffen? Oder die Uralt-Technik die drunter steckt? Ein paar reiche ältere Herren und ein paar mehr Möchtegerne, die ähnlich einfach wie der Schreiberling gestrickt sind. Wie wäre es mal mit was Neuem? Kann der alte MAnn nicht? Schade.
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