Weltpremiere Mercedes-AMG GT Das gibt Ärger mit dem Nachbarn

Bisher war in Stuttgart und Umgebung genug Platz für zwei Autobauer. Doch jetzt hat Mercedes einen Sportwagen vorgestellt, der Porsche schmerzen wird: den 911-Konkurrenten AMG GT.

Daimler

Von Zuffenhausen nach Sindelfingen sind es kaum mehr als 20 Kilometer, doch dazwischen liegen Welten. Denn in Stuttgart-Zuffenhausen sitzt Porsche, und in Sindelfingen liegt das Stammwerk von Mercedes. Jahrzehntelang pflegten die beiden Unternehmen eine fein differenzierte Koexistenz. Porsches Aushängeschild, das Modell 911, gilt als unantastbar in der Sportwagenwelt. Und Mercedes feiert die S-Klasse seit jeher als erfolgreichste Luxuslimousine der Welt.

Aber diese Balance gerät allmählich aus dem Gleichgewicht.

Die Revierübertretungen begannen mit Mercedes-Sportwagen wie dem SLR und SLS, sowie mit dem Porsche-Luxusmodell Panamera. Nun legt Daimler nach: Denn der jetzt vorgestellte Mercedes-AMG GT ist eine klare Kampfansage an den Evergreen Porsche 911.

"Mit dem GT starten wir erstmals in einem anspruchsvollen Sportwagen-Segment, das der Wettbewerb bereits hochkarätig besetzt hat", sagt Mercedes-Entwicklungsvorstand Thomas Weber. In seinen Worten steckt zwar viel Lob für die Konkurrenz. Aber Weber fügt hinzu, dass Mercedes "Sportwagen-Enthusiasten in aller Welt" beweisen will, "zu welcher Performance wir fähig sind".

Neuer V8-Turbomotor mit 510 PS

Entstanden ist der GT allerdings nicht in Sindelfingen, sondern in einem weiteren Epizentrum der Stuttgarter PS-Peripherie: in Affalterbach (die Kleinstand ist nur rund 20 Kilometer von Zuffenhausen entfernt), der Heimat von AMG. Das Unternehmen wurde als Rennstall gegründet und gehört inzwischen zu hundert Prozent Mercedes. "Werkstuner" wird AMG deshalb oft genannt, doch das hören die Verantwortlichen in Affalterbach nicht gern. Mit Verweis auf den selbst entwickelten und gebauten Flügeltürer SLS bezeichnen sie sich als eigenständiger Autohersteller.

Die AMG-Leute betonen das derzeit noch stärker als sonst, weil auch das neue Modell AMG GT auf das bewährte Muster aufbaut. Der Wagen basiert auf der gleichen Aluminium-Architektur wie der SLS, mit Front-Mittelmotor und siebenstufigem Doppelkupplungsgetriebe an der Hinterachse. "Transaxle" heißt diese Bauweise. Im Verbund mit einem tiefen Schwerpunkt sowie einer breiten Spur verspricht sie eine optimale Straßenlage.

Komplett neu ist dagegen der Antrieb. Während im SLS ein V8-Saugmotor mit 6,3 Liter Hubraum röhrte, fährt der AMG GT mit einem vier Liter großen V8 Motor vor. Als Ausgleich für den geringeren Hubraum erhält das Aggregat zwei Turbolader, die im "heißen V" des Motorblocks platziert sind.

Der normale GT schafft damit eine Leistung von 462 PS, der GT S 510 PS. Das Beschleunigungsvermögen von 0 auf Tempo 100 km/h gibt AMG mit 4,0 und 3,8 Sekunden an, die Spitzengeschwindigkeiten mit 304 und 310 km/h. Wenn Porsche-911-Fahrer da mithalten wollen, müssen sie schon zum Turbo-Modell greifen.

Eigentlich ist der GT fürs schnelle Fahren gemacht. Doch der Mercedes-Stern verpflichtet zu einem gewissen Luxus-Standard, und deshalb ist die knappe Kabine prall gefüllt mit Schaltern. Damit lassen sich die zahlreichen Komfort- und Assistenzsysteme von der Rückfahrkamera über die verstellbaren Dämpfer bis zur Fernlichtautomatik bedienen.

Der Einstiegspreis liegt bei mindestens 115.000 Euro

Wie sich der GT gegen den 911 schlägt, das wird sich frühestens bei den ersten Testfahrten Ende des Jahres zeigen. Doch schon bei der Preispositionierung zeigt sich, dass es Mercedes nicht an Selbstbewusstsein mangelt: Während der Porsche-Klassiker ab 90.417 Euro angeboten wird, kostet der AMG GT - so hört man hinter vorgehaltener Hand - mindestens 115.000 Euro. Vergleicht man den AMG-Renner jedoch mit dem Porsche Turbo, ist der Neue wiederum um rund 50.000 Euro billiger.

Schlussendlich wird die Rechnung zwischen Sindelfingen/Affalterbach und Zuffenhausen ohnehin offen bleiben. Denn während Mercedes bisher mit etwa 10.000 verkauften Exemplaren des SLS im Porsche-Revier räuberte, positionierte Porsche etwa 100.000 Panamera gegen die S-Klasse.



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insgesamt 79 Beiträge
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Seite 1
Greyjoy 09.09.2014
1.
Gefällt mir ganz gut muss ich sagen. Hoffentlich wird das nicht so ein Reinfall wie der SLS der leider nur zum Posen taugt.
monolithos 09.09.2014
2. Ein Auto aus dem Zerrspiegel?
Eieieieiei ... was ist das denn? Die hintere Hälfte dieses Autos mag ja noch als 911er Nachbau durchgehen. Aber die vordere Hälfte besteht ja nur aus Motorhaube. Hat sich da ein Entwickler mit den Maßen vertan? Oder sollte das ein Containerschiff werden?
patrick6 09.09.2014
3. Kaum zu glauben
...das der durchschnittliche 911er-Käufer auf so einen Daimler umsteigt. Klar, einige wird's geben, aber kaum die 'Masse'. Das Teil wird eher in den eigenen Reihen räubern (SL), weil es da nun etwas sportlicheres und günstigeres gibt.
walter_e._kurtz 09.09.2014
4. heißes V
Mal ´ne Frage in die Runde: Was ist mit dem "heißen V" gemeint? Etwa, daß Ansaug- und Abgastrakt (gegenüber herkömmlicher Anordung) vertauscht werden, damit man die Lader innerhalb des V unterbringen kann?
JKStiller 09.09.2014
5. Sieht aus
wie ein Hybrid, zusammen geschraubt aus Limousine und Sportwagen im 70-er Retrostil. Der Klassiker Silberpfeil ist kaum noch zu erkennen. Wer so was kauft, ist entweder Sammler oder blöd.
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