Deutsche Umwelthilfe Verdächtig hohe Abgaswerte bei Mercedes

Auf Opel und Renault folgt Daimler: Die Deutsche Umwelthilfe hat die Abgaswerte bei einer Mercedes C-Klasse gemessen - und dabei erneut Abweichungen zu den offiziellen Angaben festgestellt.

Abgastest der DUH: Eine Mercedes C-Klasse auf dem Rollenprüfstand in Bern
DUH

Abgastest der DUH: Eine Mercedes C-Klasse auf dem Rollenprüfstand in Bern


Mittlerweile sind es drei: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat erneut ein Fahrzeug auf die Stickoxid-Emissionen hin getestet - nachdem bei Labortests mit einem Opel Zafira und einem Renault Espace starke Abweichungen von den Angaben der Hersteller festgestellt wurden, hat jetzt auch die DUH-Untersuchung einer Mercedes C-Klasse erhöhte Werte ergeben.

Wie bei den vorangegangenen Messungen fand der Test auf der Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule in der Schweiz statt. Dort ließ die DUH einen Mercedes C 200 CDI mit Baujahr 2011, Abgasnorm Euro 5 und 66.560 km Laufleistung untersuchen.

Das Fahrzeug habe den NOx-Grenzwert mit 149 mg NOx/km laut DUH eingehalten, wenn es wie beim Prüfzyklus vorgeschrieben vorkonditioniert wurde. Die Vorkonditionierungen werden am Tag vor den eigentlichen Tests vorgenommen, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Um zum Beispiel zu gewährleisten, dass nicht Ablagerungen im Brennraum die Messergebnisse während des Zyklus negativ beeinflussen, besteht ein Teil der Vorkonditionierung darin, den sogenannten Außenstadtanteil des NEFZ-Zyklus zu fahren, und zwar exakt dreimal. Anschließend werden die Autos abgestellt und am darauffolgenden Tag "kalt" getestet.

Der Vorwurf der DUH ergibt sich nun aus Messungen, die mit warmem Motor durchgeführt wurden: Diese haben laut Angaben der Umweltschützer mehr als doppelt so hohe Werte mit 337 und 352 mg NOx/km ergeben. Für eine weitere Analyse seien schließlich zwei Zyklen mit kaltem und warmem Motor unmittelbar hintereinander durchgeführt worden. Diese Messungen hätten das gleiche Resultat ergeben - während im kalten Zustand ein regelkonformes Emissionsverhalten festgestellt worden sei, seien die NOx-Emissionen mit warmem Motor erneut um mehr als das Doppelte angestiegen.

TV-Magazin testet Mercedes und BMW auf der Straße

Auch das ZDF-Magazin "Frontal 21" hatte mit dem gleichen Mercedes sowie einem BMW 320d Tests von der Berner Fachhochschule vornehmen lassen, die höhere Werte als zulässig ergaben - allerdings wurden dabei die Laborwerte mit Analysen verglichen, die mit einem mobilen Messgerät (PEMS) ermittelt worden waren. Dabei wurde der Fahrzyklus - also unter anderem die Vorgaben zur Beschleunigung - nicht im Labor unternommen, sondern unter Realbedingungen nachgeahmt. Laut Angaben von "Frontal 21" geschah das auf einem stillgelegten Flughafengelände sowie auf einem verkehrsarmen Autobahnteilstück.

Nach Abzug der höchsten Messabweichungen zwischen Labormessgerät und PEMS habe der NOx-Wert für den BMW 320d auf der Straße bei 428 mg/km gelegen, "das 2,8fache des Laborwerts". Der Mercedes C200 CDI sei bei der PEMS-Untersuchung auf 420 mg/km NOx gekommen - "das 2,7fache des Laborwerts".

Mercedes wehrt sich gegen Vorwürfe

"Fahrzeuge von Mercedes-Benz entsprechen in vollem Umfang den geltenden Vorschriften", teilte Daimler am Mittwoch in einer Stellungnahme zu den Tests mit. Zuletzt sei wiederholt versucht worden, Automobilherstellern eine unrechtmäßige Beeinflussung der Emissionswerte ihrer Fahrzeuge nachzuweisen. "Den damit verbundenen Vorwurf der Manipulation weist die Daimler AG erneut auf das Schärfste zurück."

Daimler weist in der Mitteilung darauf hin, dass "im Vergleich zu den zertifizierten Normwerten im realen Fahrbetrieb üblicherweise Abweichungen auftreten", da andere Rahmenbedingung herrschen würden - beispielsweise Temperaturschwankungen.

Daimler und BMW kämpfen mit harten Bandagen gegen Unterstellungen, Abgaswerte zu manipulieren. Sie drohten der Umwelthilfe mit rechtlichen Schritten für den Fall, dass die Organisation behaupten sollte, es gebe unzulässige Abschalteinrichtungen. Die Testergebnisse nannte ein Daimler-Sprecher fragwürdig, weil die Berner FH auf Nachfrage über die genauen Rahmenbedingungen nicht informiert hätte.

Die Umwelthilfe erhob keinen Manipulationsvorwurf gegen Daimler, warf aber dem Bundesverkehrsministerium und dem Kraftfahrt-Bundesamt vor, die Aufklärung zu behindern. Die Flensburger Behörde prüft im Auftrag des Ministeriums seit Oktober Abgaswerte bei etlichen Modellen aller großer Hersteller, hat aber noch keine Ergebnisse veröffentlicht.

cst/Reuters

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insgesamt 309 Beiträge
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Seite 1
derjuergie 16.12.2015
1. Wem war das denn nicht klar
das hier im großen Stil betrogen wird? Ich schätze mal es wird nicht eine einzige Marke zu finden sein die clean ist.
spontanistin 16.12.2015
2. Geniale Testbedingungen!
Ähnlich optimierte Testbedingungen muss man also nur einfach auch für die Schadstoffe in Lebensmitteln einführen, damit eine Einheitlichkeit und keine Branchenbevorzugung bestehen bleibt! Ich warte jetzt auf entsprechende Initiativen der Industrie- und Branchenverbände! Sonst geht es noch weiter bergab mit unserem Rechtsstaat!
32deins 16.12.2015
3. Da isser wieder - der olle Stinker !
Stuttgart will doch unbedingt eine blaue Plakette und danach eine Hübsche in Pink. Die Plakettenindustrie wartet nur noch auf ihr go, nachdem der Bürger jetzt fast 10 Jahre Ruhe hatte.
huettenfreak 16.12.2015
4. Und wieder
Und wieder wird betrogen und geschummelt! Das ist also das Ende von Made in Germany.
L!nk 16.12.2015
5. BMWs Ausrede
Das beste der vorgestellten Tests bei F21 war ja der Kommentar von BMW zu deren überschrittenen Grenzwerten: Der Motor müsste beim Warmstart bzw. bei kalter Luft so geregelt werden, dass mehr Stickoxyde produziert werden, weil er andernfalls beschädigt werden würde. Ich meine, dass ein verantwortungsvoller Gesetzgeber es verbieten würde, diese Autos warm zu starten oder bei kaltem Wetter zu fahren, weil die gesetzlichen Grenzwerte überschritten werden.
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