14. Januar 2013, 09:24 Uhr

Weltpremiere des Mercedes CLA

Der neue Baby-Benz

Aus Detroit berichtet Tom Grünweg

Mercedes hat bei der Detroit Auto Show seine kleinste Limousine enthüllt. Mit dem CLA will der Autohersteller die Kompaktklasse aufmischen. Aber taugt das Modell wirklich als "Stilrebell", wie Mercedes sagt?

Mercedes' jüngstes Modell bedient sich in Sachen Design gleich bei drei Baureihen aus der Produktfamilie - und hat einen erfolgreichen Urahnen: Der CLA ist die elegante Ableitung der Baureihen A- und B-Klasse und so etwas wie der kleine Bruder des CLS. Der Wagen basiert auf der neuen Frontantriebsplattform und soll, genau wie Anfang der achtziger Jahre der Baby-Benz 190 , die Marke verjüngen und neue Kundenschichten erschließen. Und zwar nicht nur in Europa, sondern vor allem in China und in den USA - denn die Autokäufer dort lieben Limousinen.

Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche präsentierte den neuen Mercedes CLA nun am Vorabend der Autoshow in Detroit. Die kleine Limousine, die im Stil eines viertürigen Coupés gestaltet ist, wird ab April bei den Händlern stehen. Davor sind noch Premierenauftritte bei der Fashion Week in Berlin Ende Januar und Anfang März auf dem Autosalon in Genf geplant.

Wie schon bei der neuen A-Klasse setzt Mercedes auch beim CLA auf eine frische Optik. Die Resonanz auf die Studie, die vor knapp einem Jahr in Peking vorgestellt wurde, sei überwältigend gewesen, sagte Zetsche in Detroit. Immer wieder kam die Aussage, man solle das Auto genau so bauen. "Genau das tun wir jetzt", sagt er. Designchef Gordon Wagener nannte das neue Modell, das eine von Mercedes sonst ungewohnte Frische und Modernität ausstrahlt, einen "Stilrebellen".

Besonders stolz sind die Entwickler auf den geringen Luftwiderstand des Autos: Der Cw-Wert von 0,22 verspreche eine hervorragende Aerodynamik - und damit auch Vorteile beim Verbrauch, denn der Spritdurst sinkt mit dem Luftwiderstand. Laut dem Hersteller ist derzeit kein anderes Serienfahrzeug windschnittiger als der CLA. Abgesehen von der ansprechenden und aus mancher Perspektive durchaus spektakulären Optik ist die kleine Limousine aber vergleichsweise einfach gestrickt.

Nach der Premiere gleich wieder versteckt

Die Technik unterscheidet sich nämlich kaum von jener der A- und B-Klasse: Es gibt die gleiche Infotainment-Technologie bis hin zur iPhone-Integration, die identischen Assistenzsysteme von der aktiven Spurführung bis zum elektronischen Schutz vor Auffahrunfällen sowie die bekannten Motoren. Angeboten wird der Fünfsitzer als Benziner CLA 180 mit 122 PS, als 156 PS starker CLA 200 und als CLA 250 mit 211 PS. Und wer lieber Diesel tankt, wird mit dem CLA 200 CDI mit 136 PS oder dem CLA 220 CDI mit 170 PS bedient. Angeführt wird das Portfolio vom CLA 45 AMG mit rund 350 PS. Für sämtliche Karosserievarianten wird ein Allradantrieb verfügbar sein.

Die kleinste Limousine von Mercedes kostet als billigste Variante 28.977 Euro - ziemlich genau 5000 Euro mehr als die vergleichbare A-Klasse. Innerhalb der Mercedes-Modellpalette ist das durchaus logisch; die nächst größere Limousine der C-Klasse ist um rund 4000 Euro teurer.

Die Konkurrenz von Mercedes wird sich über die selbstbewusste Preisgestaltung der Schwaben freuen, denn sie eröffnet Spielräume für ihre vergleichbaren Modelle. Audi nämlich hat ebenfalls für dieses Jahr die Limousine der A3-Baureihe angekündigt, und auch BMW wird dem Vernehmen nach bald einen viertürigen 1er mit Stufenheck vorstellen.

Mercedes verhüllte den brandneuen CLA nach der Präsentation übrigens gleich wieder unter Tüchern. Denn mit dem offiziellen Start der Auto Show in Detroit soll die volle Aufmerksamkeit der komplett überarbeiteten E-Klasse gelten. Schließlich sei die Runderneuerung dieser Baureihe die tiefgreifendste und teuerste Modellpflege aller Zeiten gewesen, heißt es bei Mercedes. Da würde ein aufdringlicher Jungspund wie der CLA nur die Show stehlen.


URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH