Weltpremiere des Mercedes CLA: Der neue Baby-Benz

Aus Detroit berichtet Tom Grünweg

Weltpremiere Mercedes CLA: Tusch und weg Fotos
Daimler

Mercedes hat bei der Detroit Auto Show seine kleinste Limousine enthüllt. Mit dem CLA will der Autohersteller die Kompaktklasse aufmischen. Aber taugt das Modell wirklich als "Stilrebell", wie Mercedes sagt?

Mercedes' jüngstes Modell bedient sich in Sachen Design gleich bei drei Baureihen aus der Produktfamilie - und hat einen erfolgreichen Urahnen: Der CLA ist die elegante Ableitung der Baureihen A- und B-Klasse und so etwas wie der kleine Bruder des CLS. Der Wagen basiert auf der neuen Frontantriebsplattform und soll, genau wie Anfang der achtziger Jahre der Baby-Benz 190 , die Marke verjüngen und neue Kundenschichten erschließen. Und zwar nicht nur in Europa, sondern vor allem in China und in den USA - denn die Autokäufer dort lieben Limousinen.

Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche präsentierte den neuen Mercedes CLA nun am Vorabend der Autoshow in Detroit. Die kleine Limousine, die im Stil eines viertürigen Coupés gestaltet ist, wird ab April bei den Händlern stehen. Davor sind noch Premierenauftritte bei der Fashion Week in Berlin Ende Januar und Anfang März auf dem Autosalon in Genf geplant.

Wie schon bei der neuen A-Klasse setzt Mercedes auch beim CLA auf eine frische Optik. Die Resonanz auf die Studie, die vor knapp einem Jahr in Peking vorgestellt wurde, sei überwältigend gewesen, sagte Zetsche in Detroit. Immer wieder kam die Aussage, man solle das Auto genau so bauen. "Genau das tun wir jetzt", sagt er. Designchef Gordon Wagener nannte das neue Modell, das eine von Mercedes sonst ungewohnte Frische und Modernität ausstrahlt, einen "Stilrebellen".

Besonders stolz sind die Entwickler auf den geringen Luftwiderstand des Autos: Der Cw-Wert von 0,22 verspreche eine hervorragende Aerodynamik - und damit auch Vorteile beim Verbrauch, denn der Spritdurst sinkt mit dem Luftwiderstand. Laut dem Hersteller ist derzeit kein anderes Serienfahrzeug windschnittiger als der CLA. Abgesehen von der ansprechenden und aus mancher Perspektive durchaus spektakulären Optik ist die kleine Limousine aber vergleichsweise einfach gestrickt.

Nach der Premiere gleich wieder versteckt

Die Technik unterscheidet sich nämlich kaum von jener der A- und B-Klasse: Es gibt die gleiche Infotainment-Technologie bis hin zur iPhone-Integration, die identischen Assistenzsysteme von der aktiven Spurführung bis zum elektronischen Schutz vor Auffahrunfällen sowie die bekannten Motoren. Angeboten wird der Fünfsitzer als Benziner CLA 180 mit 122 PS, als 156 PS starker CLA 200 und als CLA 250 mit 211 PS. Und wer lieber Diesel tankt, wird mit dem CLA 200 CDI mit 136 PS oder dem CLA 220 CDI mit 170 PS bedient. Angeführt wird das Portfolio vom CLA 45 AMG mit rund 350 PS. Für sämtliche Karosserievarianten wird ein Allradantrieb verfügbar sein.

Die kleinste Limousine von Mercedes kostet als billigste Variante 28.977 Euro - ziemlich genau 5000 Euro mehr als die vergleichbare A-Klasse. Innerhalb der Mercedes-Modellpalette ist das durchaus logisch; die nächst größere Limousine der C-Klasse ist um rund 4000 Euro teurer.

Die Konkurrenz von Mercedes wird sich über die selbstbewusste Preisgestaltung der Schwaben freuen, denn sie eröffnet Spielräume für ihre vergleichbaren Modelle. Audi nämlich hat ebenfalls für dieses Jahr die Limousine der A3-Baureihe angekündigt, und auch BMW wird dem Vernehmen nach bald einen viertürigen 1er mit Stufenheck vorstellen.

Mercedes verhüllte den brandneuen CLA nach der Präsentation übrigens gleich wieder unter Tüchern. Denn mit dem offiziellen Start der Auto Show in Detroit soll die volle Aufmerksamkeit der komplett überarbeiteten E-Klasse gelten. Schließlich sei die Runderneuerung dieser Baureihe die tiefgreifendste und teuerste Modellpflege aller Zeiten gewesen, heißt es bei Mercedes. Da würde ein aufdringlicher Jungspund wie der CLA nur die Show stehlen.

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insgesamt 122 Beiträge
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1. Hach, wie stylisch
kopfschütteler 14.01.2013
Zitat von sysopAber taugt das Modell wirklich als "Stilrebell", wie Mercedes sagt?
Na, in jedem Fall tut es das. Wenn die Jungs aus dem Schwäbischen sogar schon das eigens eingeflogene Pressemobil mit Proll- ähem Verzeihung, Privacy-Verglasung ausstatten. Endlich ein Mercedes, der nicht mehr stilbildend sein will, sondern versucht, durch dezent eingebrachte Extras den Geschmack der Masse zu reflektieren. Nur bei den Felgen wurde die zunehmende Styling-Infantilisierung leider nicht berücksichtigt. Hier hätte es m. E. ruhig etwas mehr Bling sein können. Sehr gespannt bin ich auch schon auf die Lightshow (vorne sowie hinten). Hoffentlich haben die Bremsleuchten des Kleinen eine ähnlich netzhautkräuselnde Wirkung wie die der aktuellen E-Klasse. Fazit: Der Affe will Zucker. Hier kriegt er welchen! Willkommen im Mainstream.
2. Letztes Bild
Katzebextra 14.01.2013
Wohw, ein neuer 3er
3. o Gott, o Gott...
sargeantangua 14.01.2013
Zitat von sysopAber taugt das Modell wirklich als "Stilrebell", wie Mercedes sagt? Mercedes CLA auf der Detroit Auto Show vorgestellt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/mercedes-cla-auf-der-detroit-auto-show-vorgestellt-a-877299.html)
Stilrebel - höher kann man es nicht hängen? Das Ding schaut aus wie alle Autos in den letzten Jahren. Villeicht sollte man mal Designer einstellen, die sich nicht seit dem Kindergarten Manga Comics reimgezogen haben. Dann wird es auch was mit "Stilrebellen". Aber so? Nä.
4. Mercedes goes Batmobil
Alias_aka_InCognito 14.01.2013
Der Babybenz 190er war damals die sprichtwörtliche Mercedes-Qualität und -Anmutung im handlichen Kleinformat. Endlich war auch für die, die sich keine E- oder S- Klasse leisten konnten, ein Benz erschwinglich. Zudem fuhr er sich traumhaft gut und war äusserst robust bis unzerstörbar. Diese neue A-Klasse mit dem alten 190er gleichzusetzen, grenzt für echte Fans wie mich an Blasphemie. Der alte 190er wurde geschätzt wegen seiner neuen, etwas biederen Sachlichkeit, die mit Bruno Sacco einzug gehalten hatte, nachdem die Zeit der barocken, verchromten Formen der 60er und 70er Jahre nicht mehr zeitgemäß waren. Und ich finde, es wird Zeit, dass auch heute im Automobildesign eine neue Sachlichkeit einzieht, denn was wir heute haben, ist ein Zusammenwürfeln von verschiendensten Designelementen, die meist überflüssig sind und mehr Schein als Sein ausstrahlen. Die vielen Falten, gebogenen Linien, der überdekorierte Kühlergrill und die pathetischen Scheinwerfer strahlen keine schwäbische Ernsthaftigkeit aus, wie man es von einem echten Mercedes gewohnt war. Clean, nüchtern und Sachlich war aber der alte 190er, und dahin sollte Mercedes zurück, wenn es seine alten Käuferschichten zurückgewinnen will.
5. schlimm
lindejung 14.01.2013
Das aktuelle Design ist schlicht eine Katastrophe: unsinnige, hässliche Bügelfalten überall im Blech, panikartig-stupid aufgerissene Fischmäuler mit dem inzwischen exzessiv gefleddertem SEC-Grill als einzigem originellen Merkmal in der Frontansicht. Man muss nur den Test machen und auf Fotos die Sterne zudecken: was bleibt ist geschmacklose, pseudodramatische und inkohärente Beliebigkeit in Plastik. Und rerum gespenstern die Qualitäts- und Entwicklungsdefizite weiter herum, die der schlechteste Manager der deutschen Wirtschaftsgeschichte mit seinem "shareholder value" zurückgelassen hat. Der hausinterne Ingenieuerdienstleister MBTEC wurde kürzlich verkauft - dafür wurde dann sicher Geld für noch mehr BWLer frei. Wenn nicht bald die Brennstoffzelle kommt kriegen die die Kurve nicht mehr.
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