Autogramm Mercedes CLS Shooting Brake: Der Heckabteilungsleiter

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Autogramm Mercedes CLS Shooting Brake: Heck-Tick Fotos
Daimler

Wer beim Waschmaschinentransport eine gute Figur abgeben will, sollte den neuen Shooting Brake von Mercedes in Betracht ziehen. Und wer dann beim Anblick der Preisliste aus den Latschen kippt, fällt wenigstens auf den schönsten Ladeboden, den es in einem Auto aktuell zu kaufen gibt.

Der erste Eindruck: Was für Hintern!

Das sagt der Hersteller: Mit der Wiedereinführung des früher vor allem in England populären Shooting Brakes - also der Mischung aus Kombi und Coupé -will Mercedes sich als stilistischer Innovationsführer positionieren. Das neue Auto definieren die Schwaben als "Kombination für Kopf und Herz".

Will sagen: Wer in seinem Luxusliner partout eine Waschmaschine transportieren möchte, kann das auch. In Europa und Asien jedenfalls kalkuliert Mercedes mit einem Verkaufsanteil des Shooting Brakes von etwa 30 Prozent innerhalb der CLS-Baureihe. In den USA dagegen wir das Auto gar nicht erst angeboten.

Das ist uns aufgefallen: Welchen Eindruck der Shooting Brake von außen macht. Ob man das Auto schön findet oder nicht, ist Geschmacksache. Eins ist aber sicher: Während normale Kombimodelle im Straßenbild untergehen, ist dieses Auto mal wieder ein Blickfang, und sobald man ihn irgendwo abstellt, bleiben auch Passanten stehen und bilden sich eine Meinung.

Innen dagegen wirkt der Wagen fast schon unspektakulär, denn das Interieur ist aus dem CLS vertraut. Das gilt natürlich auch fürs Fahrverhalten; es gibt spürbare Differenzen zu einem konventionellen Kombi der E-Klasse. Der CLS liegt satter und straffer auf der Straße, wirkt etwas leichtfüßiger und agiler und verleitet den Fahrer eher zu einer forcierten Gangart.

Dazu muss gar nicht der V8-Benziner oder gar der AMG-Motor unter der Haube stecken - auch der V6-Diesel steht gut im Futter. Drei Liter groß und 265 PS stark, bietet er mit bis zu 620 Nm Drehmoment mehr Souveränität, die man zum gelassenen Reisen braucht. In der Regel rollt man mit knapp 2000 Touren wie in Watte gepackt dahin und freut sich daran, dass der Praxisverbrauch in der Nähe des Normwerts von 6,0 Litern bleibt. Und für kurze Überholvorgänge hält die Maschine ausreichend Reserven bereit.

Bei allem Sinn fürs Praktische im Schöngeistigen gibt es ein paar Patzer im Detail, die den Schwaben bei einem klassischen Kombi wohl nicht passiert wären. Bevor man zum Beispiel Kisten und Koffer auf die ebene Ladefläche bugsieren kann, muss man sie erst über eine erhöhte Brüstung hieven. Und der Blick nach hinten ist durch die schmalen Fenster und die breiten Karosseriesäulen derart eingeschränkt, dass man zum Kauf der Parksensoren und der Rückfahrkamera fast schon gezwungen ist.

Das muss man wissen: Das Auto wiegt etwa 60 Kilo mehr als der Viertürer, weil mehr Blech verbaut ist und Extras wie die luftgefederte Hinterachse sowie eine elektrisch öffnende Heckklappe an Bord sind. Aber Bodengruppe und Antrieb werden 1:1 übernommen.

Der Verkauf startet am 6. Oktober. Als Motorisierungen stehen ein Sechszylinder-Benziner mit 306 PS, ein V8-Benziner mit 408 PS sowie zwei Dieselaggregate mit 204 PS und vier Zylindern oder 265 PS und V6-Motor zur Verfügung. Jeweils die stärkeren Motoren kann man auch mit Allradantrieb bestellen. Und weil der Haustuner AMG derzeit kaum eine Lücke auslässt, steht der Shooting Brake auch als CLS 63 beim Händler und markiert mit bis zu 557 PS die Spitze im Modellprogramm.

Die Preise beginnen bei 61.761 Euro und liegen damit um knapp 2000 Euro über dem konventionellen CLS. Interessanter ist aber der Abstand von etwa 13.000 Euro zum T-Modell der E-Klasse. Daran kann man erkennen, wie teuer der Wechsel vom klassischen Familienauto hin zur Designer-Mobilie wirklich ist.

Das werden wir nicht vergessen: Den Schrecken beim Blick in die Preisliste. Das Studium der 60 Seiten mit Extras und Optionen hat etwas Dekadentes: Hier ein paar Tausender für den elegant schimmernden Lack, da ein paar Tausender fürs samtweiche Leder. Dazu noch Musikanlage, Navigation und ein Trupp zusätzlicher Assistenzsysteme zum Preis eines Kleinwagens.

Und wer noch mehr Geld ausgeben möchte, bestellt für 4700 Euro den extravaganten Ladeboden aus amerikanischer Kirsche mit Intarsien aus geräucherter Eiche. Ohne Ironie: Der sieht tatsächlich Klasse aus, auch wenn bei umgelegter Rückbank dann leider grauer Filz den Parkettboden bedeckt. Die Kunden scheinen sich an den strammen Optionspreisen kaum zu stören. Das knapp 1800 teure LED-Licht zum Beispiel kommt nach Angaben von Projektleiter Ruhl beim CLS auf eine Bestellquote von 95 Prozent.

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insgesamt 90 Beiträge
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1. (Erheblich) günstigere Alternative: Der Peugeot 508 RXH
xoxode 15.09.2012
Ein modernes Auto in tollem Look - und beim Peugeot werde ich mindestens 2x die Woche angesprochen, was für ein tolles, schickes Auto denn das wäre. Mit BMW, Mercedes oder Porsche ist mir das nie passiert, da kamen immer nur blöde Sprüche, eigentümliche bis beleidigende Handzeichen etc.
2. Omg
Sugafoot 15.09.2012
Mit solchen Dinger will Zetsche Audi und BMW die Stirn bieten??? SHM
3. Preis
ctwalt 15.09.2012
mit wenigen Ausstattungsoptionen bekommt man die 204 PS Basismotorisierung schon für ca. € 70.000,- . Ein wirklich gutes Angebot........ Wer kauft so einen Quatsch? € 4700,- für den Holzboden im Laderaum sind schon dreist!
4. Shooting Brake
hokutoriki 15.09.2012
ist wohl die dämlichste Typenbezeichnung der Autogeschichte. Da kann zwar Daimle nix für, aber man könnte ja auch mal mit bescheuerten Konventionen brechen.
5.
Käferfahrerin 15.09.2012
Zitat von xoxodeEin modernes Auto in tollem Look - und beim Peugeot werde ich mindestens 2x die Woche angesprochen, was für ein tolles, schickes Auto denn das wäre. Mit BMW, Mercedes oder Porsche ist mir das nie passiert, da kamen immer nur blöde Sprüche, eigentümliche bis beleidigende Handzeichen etc.
Nicht allen fällt es leicht Ironie zu erkennen. Aber Spaß beiseite: Ich finde diesen Mix von Kombi und Coupé beim CLS ziemlich hässlich, und einen Kofferraumboden aus Holz halte ich für eine Geschmacksverirrung.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Mercedes
Typ: CLS Shooting Brake
Karosserie: Kombi
Motor: V6-Turbodiesel
Getriebe: Siebengang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 2.987 ccm
Leistung: 265 PS (195 kW)
Drehmoment: 620 Nm
Von 0 auf 100: 6,6 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 6,0 Liter
CO2-Ausstoß: 159 g/km
Kofferraum: 590 Liter
umgebaut: 1.550 Liter
Gewicht: 1.910 kg
Maße: 4956 / 1881 / 1416
Preis: 65.628 EUR
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