Mercedes G 63 AMG 6x6 im Test: Irrsinn hoch drei

Aus Dubai berichtet

Autogramm Mercedes G 63 AMG 6x6: Schweres Sandspielzeug Fotos
Daimler

Der G 63 AMG hat als rasende Schrankwand eh schon einen hohen Gaga-Faktor. Dass es aber noch extremer geht, hat Mercedes jetzt bewiesen: Die Daimler-Ingenieure haben die Offroad-Ikone in ein Spielzeug für Scheichs verwandelt - mit drei Achsen, sechs Rädern und gigantischer Bodenfreiheit.

Der erste Eindruck: Vor dem Fahren kommt die Kletterpartie. Rund 70 Zentimeter sind es vom Wüstensand bis zum Trittbrett des Mercedes G 63 AMG 6x6. Schon das macht deutlich, dass an diesem Dreiachser vieles anders und vor allem etwas größer ist. Das Tolle daran: Hat man es erst einmal auf den Fahrersitz geschafft, ist der Überblick wirklich grandios.

Das sagt der Hersteller: Axel Harries, der Projektleiter der G-Klasse, nennt den 6x6 die Krönung der mittlerweile 34 Jahre währenden Bauzeit des Gelände-Klassikers. Gedacht ist das Auto als Spielmobil für Scheichs, die sonst schon alles in der Garage haben. Der nahe und mittlere Osten ist ohnehin eine fruchtbare Gegend für das Geschäft mit dem G-Modell. Rund tausend der insgesamt 9000 Fahrzeuge pro Jahr werden hierher verkauft, weit mehr als 90 Prozent davon in der teuersten AMG-Variante. Insofern rechnet sich Vertriebsleiter Mathias Geisen für das dreiachsige Sondermodell beste Chancen in Dubai, Katar oder Abu Dhabi aus. Der 6x6 sei extrem exklusiv, imposanter als alle Konkurrenten und extrem geländegängig.

Das ist uns aufgefallen: Wie mühelos der Koloss durch die arabische Wüste pflügt. Eben, auf der Straße, fühlte sich die Fuhre noch ein bisschen schwammig an, weil die Ingenieure vorsichtshalber schon mal ein wenig Luft aus den Reifen gelassen haben. Doch jetzt, auf dem gelben See aus Sand, sind die breiten Gummis perfekt. Obwohl 3,85 Tonnen schwer, sinkt der Wagen kaum ein, und dank der drei Achsen, die sich bisweilen abenteuerlich verschränken, verliert das Wüstenschiff nie den Bodenkontakt.

Wenn die Spielzeit im Sandkasten vorbei ist, genügt ein Griff zu den vier Drehschaltern in der Dachkonsole: Dann pumpt der eingebaute Kompressor die Reifen wieder auf. Das dauert gerade einmal zehn Sekunden. Es pfeift und zischt ein bisschen, wenn aus den vier 20-Liter-Flaschen mit je acht Bar Druck so viel Luft zurück in die einen Meter hohen Reifen strömt, dass man auch auf der Straße wieder schnell und sicher unterwegs sein kann.

Das muss man wissen: Technisches Highlight des 6x6 sind neben der Reifendruck-Kontrollanlage die sogenannten Portalachsen, die aus der Militärtechnik kommen. Bei ihnen stecken die Räder nicht mit der Nabe auf der Mitte der Achse, sondern können dank eines Portalgetriebes deutlich tiefer montiert werden. Ohne große Anpassung an der Karosserie konnten die Entwickler deshalb deutlich größere Räder anbringen und dadurch die Bodenfreiheit eindrucksvoll steigern. Während das normale G-Modell 21 Zentimeter hoch über die Dinge rollt, fährt der 6x6 mit den 37-Zoll-Walzen sogar über 46 Zentimeter hohe Brocken einfach hinweg; und die Wattiefe bei Wasserdurchfahrten steigt von 60 auf 100 Zentimeter.

Von außen macht der G 6x6 auf Radikal-Offroader, innen dagegen mimt er S-Klassen-Komfort. Weil der Radstand zwischen den ersten beiden Achsen größer wurde, gibt es im mit Leder und Karbon dekorierten Fond mehr Platz als je zuvor. Und selbst die Ladefläche ist nicht irgendeine Transportpritsche, sondern eine mit massivem Bambusholz vertäfeltes Gepäckabteil.

Bei den Motoren entschied sich Projektleiter Harries nicht für das Zwölfzylinderaggregat, das hätte die Achslastverteilung ungünstig beeinflusst, sondern für den 5,5-Liter-V8 von Mercedes AMG. Dessen Kraft wird über fünf Differentialsperren auf den Untergrund gebracht - 544 PS und 760 Nm Drehmoment stehen zur Verfügung.

Offiziell ist der zivile Sechsachser noch eine Technologiestudie. Doch lässt bei Mercedes keiner einen Zweifel daran, dass eine Kleinserie aufgelegt wird. "Ab Oktober können wir liefern", sagt Harries. Bis dahin müssen Federn und Dämpfer noch feiner abgestimmt werden - und es muss ein Preis kalkuliert werden. "Wie viel das Auto kosten wird, wissen wir noch nicht", räumt Geisen ein. "Sicher ist: Es wird der mit Abstand teuerste Mercedes im Modellprogramm, zumindest mit Verbrennungsmotor." Das Auto wird also wohl etwas billiger werden als der elektrisch angetriebener SLS Electric Drive, der 416.500 Euro kostet.

Ebenfalls noch offen ist die Art der Zulassung. In Deutschland liefe der Pick-up als Lkw, im Ausland müsse man ihn wahrscheinlich mit einer Einzelabnahme zulassen, sagt Harries. Ein Problem sei das jedoch nicht. "Wer sich so ein Auto leisten kann, der hat auch die nötigen Mittel und Kontakte, um es auf die Straße zu bringen." Immerhin gibt es keine Ausfuhrbeschränkungen für das Auto, denn anders als andere Sonderserien des G-Modells gilt dieser 6x6 weder als Rüstungsgut noch als Kriegswaffe.

Das werden wir nicht vergessen: Die kindliche Freude, mit der man in diesem Giganten durch die Wüste pflügt und über die Dünen driftet, bis auch im Innenraum eine dünne Sandschicht liegt und der Deckel des Handschuhkastens leise knirscht. Klar ist das völlig sinnfrei, aber es macht einen Heidenspaß.

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insgesamt 152 Beiträge
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1. Prima!
Airkraft 01.03.2013
Zitat von sysop<div class="spClearfix"><span class="sysopImage"><img src="http://cdn4.spiegel.de/images/image-466363-thumb-tixp.jpg" /><span class="spCredit">Daimler</span></span><span id="sysopText">Der G 63 AMG hat als rasende Schrankwand eh schon einen hohen Gaga-Faktor. Das es aber noch extremer geht, hat Mercedes jetzt bewiesen: Die Daimler-Ingenieure haben die Offroad-Ikone in ein Spielzeug für Scheichs verwandelt - mit drei Achsen, sechs Rädern und gigantischer Bodenfreiheit. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/mercedes-g-63-amg-6x6-luxurioeser-dreiachser-fuer-verwoehnte-scheichs-a-886158.html</span></div>
Fehlt nur noch die Maschinenkanone, dann ist das Fahrzeug perfekt - als Schützenpanzer light!
2. Alles klar soweit ...
geisterfahrer7 01.03.2013
Zitat von sysop<div class="spClearfix"><span class="sysopImage"><img src="http://cdn4.spiegel.de/images/image-466363-thumb-tixp.jpg" /><span class="spCredit">Daimler</span></span><span id="sysopText">Der G 63 AMG hat als rasende Schrankwand eh schon einen hohen Gaga-Faktor. Das es aber noch extremer geht, hat Mercedes jetzt bewiesen: Die Daimler-Ingenieure haben die Offroad-Ikone in ein Spielzeug für Scheichs verwandelt - mit drei Achsen, sechs Rädern und gigantischer Bodenfreiheit. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/mercedes-g-63-amg-6x6-luxurioeser-dreiachser-fuer-verwoehnte-scheichs-a-886158.html</span></div>
Alles klar so weit, jenseits von 95 Gramm CO 2. Zu Hause geht es dann wieder darum, warum für die tägliche Kindergartentour und den Supermarkt ein SUV braucht und was die EU deshalb Deutschland ankreiden möchte ;)
3. Die neue SUV-Generation
cor 01.03.2013
Das perfekte Auto für besorgte Eltern, um die Schützlinge vom Kindergarten abzuholen und danach im Lidl einkaufen zu gehen!
4. trick
qmark 01.03.2013
für die nächste wüstenfahrt: einfach die lüftung hochdrehen, so wird ein überdruck im fahrzeug erzeugt und es kommt kein sand in das innere! ...
5. Korrektur gelesen?
inkpod 01.03.2013
Und selbst die Ladefläche ist nicht irgendeine Transportpritsche, sondern eine mit massivem Bambusholz vertäfeltes Gepäckabteil.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Mercedes
Typ: G63 AMG 6x6
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: V8-Benziner mit Doppelturbo
Getriebe: Siebengang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 5.461 ccm
Leistung: 544 PS (400 kW)
Drehmoment: 760 Nm
Höchstgeschw.: 160 km/h
Gewicht: 3.850 kg
Maße: 5875 / 2110 / 2280
Preis: 350.000 EUR

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