Streit über Gedicht Schwedischer Akademie missfällt Mercedes-Werbespot

Der Kommerz und die Kunst: Die Schwedische Akademie sah in einem Mercedes-Werbespot das Vermächtnis einer bekannten Lyrikerin verletzt - und drohte sogar mit Klage.

Mercedes GLA: Kein Gedicht für einen Geländewagen
Daimler

Mercedes GLA: Kein Gedicht für einen Geländewagen


Stockholm -Die Schwedische Akademie, die unter anderem den Literaturnobelpreis vergibt, hat einen Mercedes-Werbespot scharf kritisiert. Die Reklame für den Geländewagen GLA in Schweden hatte ein Gedicht der Lyrikerin Karin Boye, "I rörelse" ("In Bewegung"), enthalten. "Boyes Gedicht in so unsensibler und kommerzieller Weise zu nutzen, ist Grabplünderung", schrieb der Ständige Sekretär der Sprachschützer, Peter Englund, in seinem Blog.

Für Mercedes hätte der Streit mit den Sprachschützern eskalieren können. In einem Brief an Mercedes in Schweden drohte Englund mit einer Klage. Es gehe nicht, sich dahinter zu verstecken, dass Boye seit mehr als 70 Jahren tot und ihr Werk daher zur Nutzung frei sei, erklärte Englund. Der Spot ist nicht mehr im Fernsehen zu sehen.

Der Spot lief nur drei Wochen

"Wir haben die Kritik natürlich ernst genommen", sagte ein Mercedes-Sprecher. Ihm zufolge hatte die von dem Autobauer beauftragte Agentur vor der Nutzung des Gedichts bei der Karin-Boye-Gesellschaft um Erlaubnis gefragt. Die Gesellschaft kümmert sich um das Vermächtnis der Schwedin. Der Spot sei nur für drei Wochen gesendet worden und schon am Donnerstag wieder aus Fernsehen und Internet verschwunden. Den Streit mit der Akademie habe er in einem Telefonat beilegen können. "Für mich ist die Sache damit geklärt", sagte der Sprecher.

mhu/dpa

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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
baerry 18.03.2014
1.
Hätten sie für den Spot eine entsprechende Lizenz verkaufen können hätten sie sich sicher gefreut.
shalom-71 18.03.2014
2. Übersetzung
Es gibt eine Übersetzung des schönen Gedichtes ins Deutsche, von Hildegard Dietrich. Zu finden ist sie online unter http://www.karinboye.se/verk/dikter/dikter-tyska/in-bewegung.shtml
roflxd 18.03.2014
3.
Was regen sich die Schweden so auf? Es handelt sich um einen MERCEDES, nicht um einen Volvo. Die Dichterin wird mit solch einer edlen Marke in Verbindung gebracht. Sie würde sich geehrt fühlen.
Zephira 18.03.2014
4.
"Es gehe nicht, sich dahinter zu verstecken, dass Boye seit mehr als 70 Jahren tot und ihr Werk daher zur Nutzung frei sei, erklärte Englund. Der Spot ist nicht mehr im Fernsehen zu sehen." Soll das etwa heißen, der Ständige Sekretär der Sprachschützer Peter Englund glaubt, sein persönlicher Geschmack wiege schwerer als das offizielle Gesetz?
12badmonkeys 18.03.2014
5. Wer reitet so spät durch Nacht und Wind...
Als leidgeprüfter Mercedes-Fahrer träume ich von einem Volvo V70.
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