Mercedes GLC F-Cell Mit Wasserdampf in die Zukunft

Die Brennstoffzelle gilt als Alternative zu E-Fahrzeugen mit Batterie. Mercedes kombiniert nun beide Techniken in einem Fahrzeug.

Daimler

Von Michael Specht


Hamburg drei, Berlin vier, Frankfurt drei, München vier. So sieht es derzeit aus, mit der Anzahl der Wasserstoff-Tankstellen in großen deutschen Metropolen. Immerhin: 40 sind es bundesweit, weitere 35 befinden sich laut H2-Mobility - einem Zusammenschluss von Unternehmen aus der Automobil-, Gase- und Mineralölindustrie - in der Realisierung. Von einem Versorgungsnetz für Brennstoffzellenfahrzeuge, die mit Wasserstoff betrieben werden, kann noch keine Rede sein.

Bei den verfügbaren Autos sieht es nicht besser aus. Die Auswahl ist bescheiden. Dieses Jahr wird es in Deutschland gerade einmal (oder immerhin) drei Modelle geben, unter denen ein Antrieb mit Brennstoffzelle steckt - von Hyundai, Toyota und nun - ganz neu - Mercedes. Vielleicht ist es gar der fortschrittlichste, den die Branche bislang hervorgebracht hat.

Im Zusammenspiel von Wasserstoff und Luft produziert die Brennstoffzelle Strom und treibt damit einen Elektromotor an. An "Abgasen" entsteht einzig Wasserdampf. Eine prinzipiell sehr saubere Sache, solange der Wasserstoff auf regenerativer Basis hergestellt wird. Im Vergleich zu batteriebetriebenen Autos haben Wasserstoffmodelle einen gravierenden Vorteil: Der Autofahrer muss sich beim Auffüllen des Fahrzeugs und beim Fahren nicht groß umgewöhnen. Drei Minuten Tanken, 800 Kilometer Reichweite, null Emissionen.

Toyota und Hyundai besitzen bereits Modelle in Serie

Toyota Mirai
Toyota

Toyota Mirai

Toyota, bekannt für Hybridmodelle wie dem Prius, hat seit gut zwei Jahren die Brennstoffzellen-Limousine Mirai auf der Straße. Hyundai klopft sich auf die Schulter, mit dem ix35 vor fünf Jahren den ersten SUV mit Brennstoffzellen in Kundenhand übergeben zu haben. Im Juli kommen die Koreaner bereits mit dem Nachfolger, dem Nexo, auf den Markt. Honda bietet mit dem Clarity ebenfalls ein Brennstoffzellenfahrzeug an, allerdings nur in Japan und in den USA. Für Europa gibt es keine Zulassung, unter anderem aufgrund der Crash-Vorschriften. Einige Exemplare mit Ausnahmegenehmigung fahren in London und Kopenhagen.

Auch Mercedes forscht und entwickelt seit Jahrzehnten an der Brennstoffzelle, nun schicken sie ab Herbst ihren Mittelklasse-SUV GLC F-Cell an den Start. Die Zusatzbezeichnung steht für Fuel Cell, das englische Wort für Brennstoffzelle. Doch Mercedes wählt einen Sonderweg. Anders als Hyundai oder Toyota fährt der GLC als Plug-in-Hybrid, kann also extern an einer Steckdose Strom laden.

Hyundai ix35 Brennstoffzelle
Hyundai

Hyundai ix35 Brennstoffzelle

Doch warum lässt Mercedes den GLC Strom aus dem Netz ziehen, wenn die Brennstoffzelle diesen an Bord produzieren könnte? Als Grund führt Daimler unter anderem die geringe Zahl an Tankstellen an. Mit der Batterie wäre der GLC-Besitzer immerhin noch in der Lage, rund 50 Kilometer zu fahren. Doch der wesentliche Grund für den zusätzlichen Akku ist ein anderer. "Brennstoffzellen mögen keine Leistungsspitzen", sagt Jürgen Schenk, bei Mercedes zuständig für die Elektrostrategie, "darunter leidet ihre Lebensdauer." Um eben diese Spitzen - zum Beispiel beim kräftigen Beschleunigen - zu vermeiden, hilft die Batterie.

Batteriezellen sind günstiger als Brennstoffzellen

Mercedes legte das System so aus, dass die Brennstoffzelle bis 70 kW und die Batterie bis 90 kW an Leistung beisteuern kann, die Software regelt das optimale Arbeitsverhältnis der beiden Stromspender je nach Fahrsituation. Rollt der Wagen in Reisegeschwindigkeit, braucht es beispielsweise nur rund 50 kW Leistung. Hier würden die Stacks dann mit 48 und die Batterie mit zwei Kilowatt beitragen.

Einen weiteren Vorteil des Plug-in-Hybrid sieht Jürgen Schenk im Startkomfort. "Der Kunde kann sofort losfahren." Brennstoffzellen benötigen gewöhnlich eine kurze Aufwärmphase, um loszulegen, besonders bei frostigen Temperaturen.

Doch nicht nur für den Kunden allein besitzt die Technik Vorteile: Mercedes spart durch die Hybrid-Auslegung Kosten in der Herstellung. "Batteriezellen sind günstiger als Brennstoffzellen", sagt Daimler-Mann Schenk.

Die Lithium-Ionen-Batterie des GLC F-Cell, sie stammt aus der S-Klasse S 560e, hat eine Kapazität von 13,3 kWh und ist im Kofferraum in der Reserveradmulde untergebracht. Ziel war es, möglichst wenig Einschränkung im Ladevolumen zu haben. Der Elektromotor treibt direkt die Hinterräder an, leistet 147 kW und 350 Nm. Es ist der gleiche wie im künftigen Batterie-Elektromodell EQC. Allradantrieb bleibt dem Fuel-Cell-Kunden verwehrt, da es weder einen mechanischen Antrieb zu den Vorderrädern gibt, noch vorne Platz für einen weiteren Elektromotor wäre. Denn hier sitzt neben den Stacks noch die Leistungselektronik.

Das geplante Modell ähnelt einer Flatrate

Vom Hyundai Nexo und Toyota Mirai wird sich der Brennstoffzellen-SUV von Mercedes auch in der Anschaffung unterscheiden. Der Nexo soll rund 65.000 Euro kosten, der Mirai liegt bei knapp 80.000 Euro; Daimler nennt keinen Preis. Der GLC Fuel Cell ist weder zu kaufen noch zu leasen. Der Kunde muss mieten. Leasing würde das Recht auf Kauf nach Ablauf der Nutzungsdauer beinhalten. Das will Mercedes nicht. Sämtliche GLC F-Cell werden nach Mietdauer zurückgenommen. Solange zahlt der Nutzer eine monatliche Pauschale, deren Höhe Mercedes noch nicht verrät. Das geplante Modell ähnelt einer Flatrate. "Mit einer speziellen Karte kann der Kunde bundesweit Wasserstoff oder Strom tanken", so Schenk.

Auch andere renommierte Autohersteller arbeiten an der Brennstoffzelle. Audi plant nach Angaben von Vorstandschef Rupert Stadler für 2020 eine erste Kleinserie. BMW werkelt zusammen mit Toyota an dem sauberen Antrieb, betont aber, damit nicht in den nächsten fünf Jahren auf dem Markt zu sein.

Anders der Partner: 2020 soll die zweite Generation des Mirai fertig sein, mit höherem Wirkungsgrad und mehr Reichweite (bis 800 Kilometer). Zeitgleich kommt Lexus mit seinem Flaggschiff LS, unter dem die gleichen Stacks stecken. Auch die gerade vorgestellte SUV-Studie LF1 Limitless soll ebenfalls 2020 mit Brennstoffzelle in Serie fahren.

Brennstoffzelle fürs Eigenheim

Autofahrer, die sich eines der seltenen Brennstofffahrzeuge zulegen, erhalten 2000 Euro Förderung vom Staat, weitere 2000 Euro gibt es vom Hersteller. Bei Immobilien ist Deutschland weiter. Wer bei seinem Eigenheim auf eine Brennstoffzelle als Energiequelle setzt, erhält je nach Leistung vom Staat zwischen 7.050 und 28.200 Euro dazu.

Mehr zum Thema


insgesamt 194 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
5412 03.04.2018
1. Bitte, bitte bei der Wahrheit bleiben.
Für 1kg H2 benötigt man aktuell 55kWh Strom und 1kg reicht dem Mirai für gut 100km. Mein Ioniq kommt mit 55kWh aber gut 400km weit. Merken Sie was? Und eine H2-Tanke kostet 1 Million €. Eine AC Säule für bis zu 6 BEV, die über Nacht dort je 150-200km nachladen können 5.000€. Das wird nie was mit dem H2-PKW. Das ist nur eine Chimäre der Verpenner Industrie, um die Dummen bei der Leine zu halten und weiter über Reparaturen und Wartungen kräftig melken zu können! Und eine H2 Tanke braucht nach einem Tankvorgang immer noch ca. 20 Minuten bis der nötige Druck von 700bar wieder aufgebaut ist. So lange kann keiner tanken.
Kurt-C. Hose 03.04.2018
2. Super
Das klingt mach dem deutlich besseren Konzept als der Batterieladequatsch.
bratswurst 03.04.2018
3. 0 Emissionen???
Solange ein Verbrennungsprozess stattfindet, sei es mit Wasserstoff oder Kohlenwasserstoffen entsteht NOx! Nur wenn es gelingt, die Temperatur im Verbrennungsraum entscheidend abzusenken, kann de facto von 0 Emission gesprochen werden.
Milli_Teskilati 03.04.2018
4. Daimler sucht B-Tester
Der reine Vermietungsansatz zeigt, dass Mercedes Tester für Ihr Fahrzeugsystem suchen, die die Alltagstauglichkeit erproben sollen. Damit spart man sich Hunderttausende eigene Testkilometer inklusive Crashs, Pannensituationen, freies Nachtanken auf der Strecke, etc. Da bin mal in ein paar Jahren auf die Ergebnisse gespannt.
bigbubby 03.04.2018
5. @bratswurst #3
Mich würde interessieren, woher Sie diese Information haben. Vielleicht habe ich etwas verpasst, aber nach meinem letzten technischen Stand entstehen bei der Brennstoffzelle keine Stickoxide. Die Temperaturen und die Grundressourcen dafür sind nicht ausreichend. Ander sieht es aus, wenn man Wasserstoff einfach im normalen Verbrenner nutzt, aber das ist nicht der Weg der Brennstoffzelle. Daher bitte eine Quelle zu Ihrer Aussage! Ich denke Brennstoffzellenfahrzeuge werden eine Nischentechnologie bleiben für den kleinen Teil der Bevölkerung, der täglich sehr hohe Kilometerleistungen benötigen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.