Der erste Eindruck: Kennen wir uns nicht? Im Prinzip schon. Man muss schon sehr, sehr, sehr genau hinschauen, wenn man den neuen Mercedes SLS GT als solchen identifizieren möchte. Erkennungsmerkmale: mattschwarze Schmiederäder, rote Bremssättel und in glänzendem Schwarz lackierte Anbauteile.
Das sagt der Hersteller: Mercedes-AMG-Chef Ola Källenius nennt den SLS GT einen konsequenten Ausbau der Modellpalette und stellt den Kunden ein "hoch-emotionales, Performance-orientiertes" Fahrerlebnis in Aussicht, was er aber in Wahrheit über alle seiner Autos sagen könnte. "Rennstrecken-Feeling für Jedermann" ist das Motto der GT-Variante, die ihren Einstand auch nicht auf einer Automobilmesse, sondern auf einer Rennstrecke gab: Seit dem Grand Prix von Belgien in Spa ist der SLS GT das offizielle Safety-Car der Formel 1.
Das ist uns aufgefallen: Eigentlich nichts, oder anders gesagt, wie unglaublich marginal die Unterschiede zum konventionellen SLS sind. Schon das Grundmodell ist schnell und bretthart, die GT-Variante sattelt einfach noch ein bisschen Extremismus drauf. Das verstellbare Fahrwerk federt noch weniger, der Motor reagiert noch giftiger auf Gaspedalbewegungen, und das Getriebe wechselt die Gänge noch schneller. Es braucht eine Menge Feingefühl und dazu präzise Messinstrumente, um tatsächlich einen Unterschied gegenüber dem normalen SLS herauszufahren. Hersteller AMG zum Beispiel hat auf dem Grand-Prix-Kurs von Hockenheim einen Zeitvorteil von lediglich einer Sekunde für den SLS GT ermittelt.
Die Unterschiede spielen sich wohl vor allem im Kopf ab, einfach weil man annimmt, dass die um 20 PS nun auf 591 PS angehobene Leistung auch mehr Fahrspaß bringen muss. Der GT Roadster ist ein Auto, das man vor allem wegen seiner Außenwirkung kauft: Sollen die anderen SLS-Besitzer im Golfclub ruhig wissen, dass man ein neueres, noch teureres Spielzeug fährt.
Das muss man wissen: Den SLS GT gibt es zum Preis von 206.680 Euro als Coupé und für einen Aufpreis von 8500 Euro als Roadster. Beide Varianten sind ab sofort lieferbar und nicht limitiert. Technisch unterscheiden sich die GT-Versionen vom konventionellen SLS, neben den schon erwähnten Äußerlichkeiten, durch den dezent getunten Motor.
Mit einer neuen Motorsteuerung und enthemmten Luftdurchsatz holen die Schwaben aus dem 6,2 Liter großen V8-Block jetzt 591 statt sonst 571 PS - was einer Leistungssteigerung von 3,5 Prozent entspricht. Das maximale Drehmoment bleibt unverändert bei 650 Nm und die Fahrleistungen werden nur marginal besser: Der Sprintwert verkürzt sich um eine Zehntel auf nun 3,7 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit beträgt 320 statt 317 km/h.
Ebenfalls neu für die Sportversion ist das Ride-Control-Fahrwerk von AMG mit variabler Dämpferregelung. Das gibt es zwar auch für den normalen SLS, kostet dort aber 2300 Euro Aufpreis und verfügt über eine "Comfort"-Stellung für automobile Warmduscher. Im GT ist die Grundstellung "Sport" und die Alternative dazu "Sport+". Wählt man die auf einer schlechten Landstraße, wird das Auto so ruppig, dass man unwillkürlich die Zähne zusammenbeißt - damit die Füllungen nicht rausfallen.
Das werden wir nicht vergessen: Die Atemlosigkeit, wenn einem beim Kickdown mit offenem Verdeck urplötzlich der Fahrtwind ins Gesicht klatscht. Und den Moment, wenn man gewahr wird, dass Mercedes für die 20 Mehr-PS des GT fast 20.000 Euro Aufpreis verlangt.
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