Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Merkels Elektroauto-Gipfel: Autobosse blitzen mit Bitte um Stromer-Hilfe ab

Aus Berlin berichtet

Deutschlands Autobauer kämpfen um die Pole-Position beim Bau von Elektroautos - mit Steuergeldern können sie bei der Aufholjagd nicht rechnen: Beim E-Mobil-Gipfel erteilte Kanzlerin Merkel den Subventionsbitten eine Absage. Als Entschädigung gibt es eine Entschärfung bei den CO2-Auflagen.

Politiker müssen dauernd Dinge eröffnen - Kreisverkehre, Museen, Aufzuchtstätten für bedrohte Seeadler. Auf dem Elektroautogipfel weiht die Kanzlerin passenderweise eine Elektrozapfsäule ein, zumindest versucht sie es. "Gibt's da, also kommt da auch ein Stecker?" Sie drückt auf den Knöpfen der Ladestation herum, immer wieder, doch es passiert nichts. "Manche haben jetzt vielleicht Pyrotechnik erwartet", witzelt der als Moderator eingekaufte ZDF-Sprecher Steffen Seibert, "aber das können und wollen wir hier nicht leisten."

Das fasst ganz gut zusammen, was beim ersten Elektromobilitätsgipfel der Bundesregierung herausgekommen ist: Eher Ephemeres, wenig Handfestes. Dabei ist das Defilee der Top-Manager, die für den Gipfel angereist sind, recht beeindruckend. Die Chefs von Daimler, Volkswagen und BMW sind da, dazu Vorstände ohne Zahl, Cheflobbyisten und Bundesminister.

Sie alle sind gekommen, weil es bis vor kurzem so aussah, als nähme die Regierung für die Förderung der Elektromobilität weiteres Geld in die Hand. Die deutschen Autohersteller, denen die Kanzlerin am Montag in Sachen E-Auto "Nachholbedarf" attestierte, versuchten deshalb im Vorfeld mit allerlei PR-Aktionen zu dokumentieren, dass ihre Unternehmen bei der Elektromobilität ganz weit vorne liegen: VW zeigte vor dem Brandenburger Tor erstmals den elektrifizierten Golf, Daimler-Chef Dieter Zetsche brüstete sich, man könne statt hundert jederzeit auch 15.000 Elektro-Mercedes pro Jahr bauen.

Fotostrecke

6  Bilder
Elektroauto-Gipfel: Große Worte, kleine Wirkung
Ursprünglich, so heißt es aus informierten Kreisen, habe folgender Deal im Raum gestanden: Die Industrie sollte bis 2020 rund eine Millionen E-Autos aus deutscher Produktion zusichern. Im Gegenzug wollte Angela Merkel die noch aus dem Konjunkturpaket der Großen Koalition stammenden Fördermittel für Elektromobilität in Höhe von 500 Millionen Euro kräftig aufstocken.

Das Geld ist schon in Athen

Nun ist klar, dass es kein weiteres Geld für die Industrie gibt. Schuld daran sind - in gewisser Weise - die Griechen. Die Bundesrepublik stützt Athen mit 22 Milliarden Euro im Kampf gegen die drohende Staatspleite. Zusätzliche Milliardensubventionen für die mit einer deutlich besseren Bonität gesegnete deutsche Autoindustrie wären in der Öffentlichkeit wohl schlecht angekommen.

Auch eine Kaufprämie für Elektroautos, wie sie etwa die Franzosen planen (5000 Euro je Pkw), wird es in Deutschland auf absehbare Zeit nicht geben. Verkehrsminister Peter Ramsauer sagte, er sei überzeugt, das Elektroauto sei "so hip, dass man das haben will", auch ohne Stromer-Prämie.

Winfried Hermann, Verkehrsexperte der Grünen, ist von den Ergebnissen des Gipfels enttäuscht: "So wird das nichts mit dem Leitmarkt Elektromobilität." Es gebe keine zusätzlichen Forschungsmittel, keine Kaufprämie, keine Verpflichtungen. Das ganze sei eine "Inszenierung auf Talkshow-Niveau".

Virtuelle Ökoautos für die Statistik

Völlig leer gingen die Autokonzerne dann aber doch nicht aus. Die Regierung stellte den Unternehmen sogenannte Supercredits in Aussicht. Darunter versteht man die mehrfache Anrechnung von emissionsarmen Fahrzeugen im Flottenverbrauch. Derzeit liegen die deutschen Pkw-Hersteller teilweise deutlich über jenen 140 Gramm CO2 je Kilometer, welche die Europäische Union als durchschnittliches Emissionsziel je Fahrzeug festgeschrieben hat.

Die Bundesregierung will sich nun dafür einsetzen, dass Autos mit weniger als 50 g/km mit einem Multiplikator in die Statistik eingehen. So könnte etwa Daimler sich jeden Elektrosmart drei-, vier- oder fünfmal anrechnen lassen und dadurch auf einen niedrigeren Flottenwert kommen, ohne tatsächlich viele sparsame Autos herzustellen. Das klingt nach Statistik-Schönfärberei - verstärkt aber vielleicht den Anreiz, Stromer auf die Straße zu bringen.

Ob und wann diese Regelung kommt, ist allerdings ungewiss, da sie zunächst in Brüssel abgestimmt werden muss. Stattdessen mündet der Gipfel zunächst in sieben Arbeitsgruppen, die Fragen wie die Normierung von Ladesteckern oder die Schaffung neuer Berufsbilder für Facharbeiter erörtern sollen.

Koordinieren soll das ganze Henning Kagermann, Ex-Chef des einstmaligen Vorzeigekonzerns SAP. Moderator Seibert erklärte den verdutzten Automanagern dann auch gleich, warum Kagermann der richtige Mann für diese Aufgabe sei. Der komme schließlich aus der Software-Branche und wisse, dass man technologisch ganz schnell den Anschluss verlieren könne.

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 63 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Deusche Schlüsseltechnologie
rkinfo 03.05.2010
Zitat von sysopDeutschlands Autobauer kämpfen um die Pole Position beim Bau von Elektroautos - auf Steuergelder können sie bei der Aufholjagd nicht rechnen: Beim E-Mobil-Gipfel erteilte Kanzlerin Merkel den Subventionsbitten eine Absage. Als Entschädigung gibt es eine Entschärfung bei den CO2-Auflagen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,692725,00.html
Vielleicht sollte man für grüne und schwarze E-Autos den Multiplikator erhöhen ? Und bei trabbiblau ganz streichen ... ?! Das Ergebnis ist eine absolute Nullnummer. Es fehlt sogar die Infrastrukturförderung für E-Zapfsäulen. Entgegen jenem Gipfel gibts seit April 2009 sogar schon einheitliche Ladestecker nach DIN-EU Norm. Eine brauchbare Umgebung um 2017-2020 auf 1 Mill. E-Autos in 'D' zu kommen wurde nicht geschaffen. Wobei es im Autobau ja um eine deutsche Schlüsselindustrie geht.
2. Immer noch kein Titel
garfield, 03.05.2010
Zitat von sysopDeutschlands Autobauer kämpfen um die Pole Position beim Bau von Elektroautos - auf Steuergelder können sie bei der Aufholjagd nicht rechnen: Beim E-Mobil-Gipfel erteilte Kanzlerin Merkel den Subventionsbitten eine Absage. Als Entschädigung gibt es eine Entschärfung bei den CO2-Auflagen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,692725,00.html
Der Artikel ist die blanke Realsatire. Die Aussage lautet: - "Mir gäbet nix, weil die Griechen schon alles griechen." Auf Deutsch: Griechenland ist schuld, dass die deutschen Autoproduzenten, die den Umstieg auf umfreundlichere Antriebstechnologien verschlafen haben, weil sie jahrelang lieber auf Boliden setzten, und nun das Feld Toyota und anderen Herstellern überlassen mussten, von Mutti Merkel keine Geldgeschenke für ihre Dreckschleudern zu erwarten haben. Und es kommt noch besser: Als Trostpflaster und Alibi - so die Planung - reicht inzwischen 1 Elektrosmart, der im Showroom versauert, als Absolution für 5 Dreckschleudern. Na wenn das keine Motivation ist, noch möglichst lange an der Uralttechnologie festzuhalten.
3. Peinlicher Auftritt
prophet46 03.05.2010
Zitat von sysopDeutschlands Autobauer kämpfen um die Pole Position beim Bau von Elektroautos - auf Steuergelder können sie bei der Aufholjagd nicht rechnen: Beim E-Mobil-Gipfel erteilte Kanzlerin Merkel den Subventionsbitten eine Absage. Als Entschädigung gibt es eine Entschärfung bei den CO2-Auflagen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,692725,00.html
Das ist mal wieder typisch für unsere Politiker: Nichts zur E-Entwicklung beigetragen aber sich gleich großspurig an die Spitze des neuen Trends zu stellen und zu fordern. Ich möchte bis....auf der Strasse sehen... Die Industrie braucht für ihr Geschäft nicht die Ratschläge der Politschranzen. Die wichtigen deutschen Firmen haben alternative Antriebe schon seit vielen Jahren in der pilotmässigen Erprobung die E-Technologie z.T. schon im Massentest. Da die Autoindustrie eine der einträglichsten Melkkühe des deutschen Steuerstaates ist, war der Versuch, Zuschüsse für die E-Infrastruktur zu generieren, durchaus legitim. Nein, mir gebbe nix! meinte unser ostdeutsches Hausmütterchen, hat sie doch gerade große Geldpakete nach Griechenland geschoben. Wenn sie nichts geben will, soll sie sich auch nicht als Obermacherin an die Spitze der Bewegung stellen. Das ist nur peinlich.
4. Merkels Elektroauto-Gipfel: Autobosse blitzen mit Stromer-Hilfe ab
volkmargrombein 03.05.2010
Zitat von sysopDeutschlands Autobauer kämpfen um die Pole Position beim Bau von Elektroautos - auf Steuergelder können sie bei der Aufholjagd nicht rechnen: Beim E-Mobil-Gipfel erteilte Kanzlerin Merkel den Subventionsbitten eine Absage. Als Entschädigung gibt es eine Entschärfung bei den CO2-Auflagen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,692725,00.html
Wahrscheinlich wird in den Geschichtsbüchern bald stehen, dass unsere Autobauer sich lieber auf Subventionen als auf ihre Ingenieurleistung gestützt haben. Überhaupt machen da einige eine höchst miserable Figur in Sachen Umwelt. Und das bestätigt sich im vorliegenden Falle erneut. Bisher hat man schon in Punkt Abgas mit ungeheuerlichen Tricks gearbeitet. Aber der Griff in die Trickkiste geht weiter. Vermutlich weil man in Sachen Elektro-Auto nichts handfestes zu bieten hat. Wenn Mercedes sich mit den Chinesen zusammen tun muss, um überhaupt einen vagen Anschluß zu signalisieren, während zur gleichen Zeit noch nicht einmal eine Normierung hierzulande für die Elektro-Autos zu erkennen ist, beweist das doch, wie tief man immer noch schläft. Um mit Kohl zu sprechen:" Die Hunde bellen und die Karawane zieht weiter". Desaströser gehts eigentlich kaum noch!
5. Naive Autoindustrie ohne Infrastruktur.
guebei1 03.05.2010
Kompetenz Den Autobauern bleiben damit von ihrer Kernkompetenz nur noch Fahrwerk und Karosserie übrig. Motoren, Getriebe, Kupplungen, Abgasanlagen u.s.w. werden nicht mehr benötigt. Das Elektronik - Auto besteht dann fast ausschliesslich aus Halbleiter Komponenten. Regelanlagen, Computer, E-Motoren und Batterien / Wasserstoffzellen gehören nicht zur Kernkompetenz dieser Firmen. Die gesamte Zulieferindustrie würde so nicht mehr gebraucht werden. In den USA gibt es bereits ein voll geregeltes mit 4 Elektro- Motoren getriebenes 5 Personen Auto. Der Antrieb erfolgt immer via Batterie, diese kann in 5 Minuten auf jeder Tankstelle getauscht werden. (Keine Ladezeit) Sollte die Batterie ohne Ladestation /E- Tankstelle in der Nähe leer sein, wird ein kleiner Verbrennungs- Motor, der via Generator die Batterie versorgt, gestartet. Eine Alternative für eine Brennstoffzelle ist auch vorgesehen. Die Frage wird aber sein wie der Strom hergestellt wird. Da sind eben Brennstoffzellen und Solaranlagen gefragt. Elektronik war ja nie die Kernkompetenz der deutschen Industrie, auch eine flächendeckende Stromversorgung wird eine Herausforderung sein. Wer bezahlt bei einem 100 PS Auto bei einer Stunde Fahrt die 22 € Stromkosten beim jetzigen Strompreis von ca. 22 Ct./ KWh ? Es werden Quadrat Kilometer grosse Solaranlagen im Süden nötig sein. Anmerkung: Nachtspeicher Öfen wurden ja gerade abgeschafft. MfG
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Förderung umweltfreundlicher
Autos in Europa
Hintergrund und Berechnungsgrundlage
Weltweit subventionieren etliche Länder saubere Autos. In China winken umgerechnet 6500 Euro, in den USA zwischen 1800 und 5300 Euro und in Japan sogar bis zu 11.500 Euro. In Deutschland gibt es bislang keine Förderung. Wie und wo in Europa Autos mit besonders geringem CO2-Ausstoß bezuschusst werden, zeigt die Zusammenstellung von SPIEGEL ONLINE. Als Referenzmodell bei Steuervergleichen diente ein Mercedes B 180 mit einem CO2-Ausstoß von 152 g/km.

Österreich
Österreich: Befreiung von der einmaligen Verbrauchsabgabe (1602 Euro) und der Kfz-Steuer (403 Euro pro Jahr).
Norwegen
Fahrer von Elektroautos dürfen die Bus- und Taxispuren benutzen, und zudem sind alle Parkplätze kostenfrei.
Italien
1500 Euro Zuschuss für ein privat genutztes Elektroauto. Bei gewerblichen Fahrzeugen steigt der Bonus auf 4000 Euro. Stufenweiser Rabatt auf Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren (219 Euro pro Jahr).
Irland
50 Prozent Steuernachlass oder 2500 Euro Zuschuss für Fahrzeuge mit Hybrid- oder Flexfuel-Antrieb.
England
Ab 2011 sollen Käufer von Elektroautos mit einer Summe zwischen umgerechnet 2300 und 5000 Euro unterstützt werden - zunächst ist die Subvention begrenzt bis 2016.
Frankreich
2000 Euro Bonus für Hybrid-, Erd- oder Flüssiggasantrieb mit weniger als 140 g/km CO2-Ausstoß. 5000 Euro für alle Fahrzeuge mit weniger als 60 g/km. Gewerbliche Fahrzeuge werden zudem von der Dienstwagensteuer befreit (1250 Euro pro Jahr).
Fotostrecke
Fahren mit Strom: Die zehn erstaunlichsten Elektroautos

Fotostrecke
Elektroautos im Aufwind: Modelle und Meilensteine
Fotostrecke
Geräusche von E-Modellen: Schräger die Autos nie klingen

Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)

Aktuelles zu